Bestände

Sondersammlung "Protest, Widerstand und Utopie in der Bundesrepublik Deutschland"

Viele Bestände der Sondersammlung sind bereits elektronisch in der Archivdatenbank erfasst. Die inhaltliche Erschließung erfolgt mit einem umfangreichen Thesaurus. Andere Bestände sind zunächst noch über Findbücher erschlossen. Die Aufstellung der Bestände erfolgt nach einer eigens dafür entwickelten Systematik (SBe / Soziale Bewegungen). Sie gliedert das Sammlungsgebiet Protestbewegungen in ca. 50 Hauptgruppen, in denen nach weiteren inhaltlichen und formalen Kriterien unterschieden wird.

Die systematische Ablage auch der noch nicht erfassten Materialien, wie großer Teile der Flugblatt- und Broschürensammlung, erlaubt einen benutzerfreundlichen Zugriff.

Die systematische Aufstellung der Bestände der Sondersammlung findet ihre Entspre­chung in der Systematik der Bibliothek für die Primär- und Sekundärliteratur zum Thema Soziale Bewegungen / Neue Soziale Bewegungen / Protestbewegungen. Das Archiv betreut die retrospektiven und aktuellen Buchanschaffungen zu diesem Thema unter Berücksichti­gung internationaler Bezüge und Entwicklungen.

Die Bestände von Archiv und Bibliothek werden in zwei Dokumentationen geführt. Über eine kombinierte Recherche lassen sich sowohl Archivalien als auch Zeitschriften und Literatur zu einem Thema nachweisen.

Zurzeit belegen die Quellen der Sondersammlung Protest, Widerstand und Utopie in der Bundesrepublik Deutschland ca. 1.500 Regalmeter.


Zeitschriften

Mehr als 2.200 Zeitschriftentitel, die ein großes zeitliches, inhaltliches und politisches Spektrum abdecken, liegen zu großen Teilen vollständig oder weitgehend komplett vor. Sie reichen von den frühen 50er Jahren bis in die Gegenwart. Sie verbreiten Themen der Gegen- und Subkultur, der Friedens-, Ökologie- und Anti-AKW-Bewegung, der Studenten-, Schüler-, Lehrlings- und Jugendbewegung, der Arbeiterbewegung, der Bürger-, Menschenrechts- und Antirepressionsbewegung, der DDR- und Osteuropäischen Opposition, des Internationalismus, des Rechtsextremismus, des Antifaschismus, des Militanten Widerstands u.v.a.m.

Über den Online-Katalog der Bibliothek sind sämtliche Zeitschriften recherchierbar. Zudem bezieht das Archiv zwischen 50 und 60 Zeitschriften aus dem aktuellen Spektrum der Bewegungen im deutschsprachigen Raum sowie zeit- und bewegungsgeschichtlich ausgerichtete Zeitschriften im Abonnement. Informationen zu den Zeitschriftenabonnements des Archivs können über die Website der Bibliothek als Zeitschriftenliste oder mit allen Zeitschriften zusammen im Online-Katalog oder im Katalogbestand  Protestbewegungen auf der Website des Archivs recherchiert werden. Die Titel des Archivs erkennt man an der Signatur (A-ZA ... bis A-ZZ ...). Seit 2009 sind die Titelaufnahmen des Zeitschriftenbestandes von Archiv und Bibliothek auch in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) komplett und aktuell nachgewiesen. Mehr als 2.200 Titel zum Thema Protestbewegungen können so in allen großen Online-Katalogen recherchiert werden.

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Graue Literatur

Zu dem thematisch und politisch breiten Spektrum liegen Broschüren, Hefte, Dokumentationen, Reader und Flugschriften vor. Es beginnt mit Druckerzeugnissen aus der Gründungsphase der Bundesrepublik wie Kleinschriften mit Reflektionen über den Neubeginn nach dem Weltkrieg, den Nationalsozialismus, die Deutsche Teilung u.a.m. Eine umfangreiche Raubdrucksammlung (1967-1971) verweist auf die zumeist illegalen Aktivitäten der Studentenbewegung, die nur eingeschränkt verfügbare Literatur der 20er und 30er Jahre zu den Themen Sozialismus, Kritische Theorie, Ökonomie, Psychoanalyse und Pädagogik zu rezipieren und einer größeren Leserschaft zugänglich zu machen.

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Flugblätter

Zu allen thematischen Feldern, von Anti-AKW-, Antirepressions- über Jugend-, Schüler- und Studentenbewegung bis hinzu Politischer Justiz und Zensur, verfügt das Archiv über ungezählte Flugblätter, die zumeist chronologisch geordnet und/oder nach Herausgebern differenziert abgelegt werden. Insgesamt handelt es sich um mehrere 10.000 Flugblätter aus den 1950er bis 2010er Jahren.

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Plakate

Mehr als 6.000 politische Plakate aus den 1950er bis 2010er Jahren, die mittlerweile alle digitalisiert sind und zurzeit in einer Datenbank erschlossen werden, zählen zum Bestand. Sie werben für Veranstaltungen, Demonstrationen, politische Positionen mal ernst, mal witzig, mal ironisch-satirisch, mal polemisch. Viele bekannte Grafiker (Demokratische Grafik Hamburg, Dech, Drescher, Freitag, Grieshaber, Hachfeld, Helnwein, Holtfreter, Patzack, Rambow, Schaffernicht, Staeck, Volland, Wiescher u.v.a.m.) sind mit Arbeiten vertreten. Die Plakate sind systematisch und innerhalb der Gliederung zum Teil chronologisch oder nach Gruppen geordnet. Neben politischen Plakaten aus der Bundesrepublik sind auch zahlreiche Plakate aus Spanien, Italien, Frankreich, England, Irland, der Schweiz, Österreich, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, der Sowjetunion, China und Lateinamerika zu finden.

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Aktenbestände, Nachlässe und Sammlungen einzelner Akteure

Den Beständen der politischen Akteure kommt eine herausgehobene Stellung unter den Quellen zu. Sie erlauben in besonderem Maße Innenansichten über die Motivation, die Arbeitsweise und Entwicklung der politisch Handelnden.

Beispiele:

  • Helmut Bausch (1921-1997): Er war Mitbegründer des Bundes der Deutschen (BdD, 1953), Redakteur der Deutschen Volkszeitung (die 1983 mit der Tat zur Deutschen Volkszeitung/die Tat fusionierte) und Aktivist in der Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF) und in der Deutschen Friedensunion (DFU).
  • Joseph Wirth (1879-1956): Der ehemalige Reichskanzler war Vorsitzender des Bundes der Deutschen (BdD). Sein Anliegen war die Wiedervereinigung des geteilten Nachkriegsdeutschlands. Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.
  • Volkmar B.: Er sammelte in den 60er und 70er Jahren in Berlin aber auch in anderen Universitätsstädten intensiv die Informations- und Agitationsmedien (Flugblätter, Broschüren etc.) der politisch aktiven Studenten. Darunter befinden sich auch einige Aktenbestände universitärer Gremien (FU Berlin) und politischer Gruppen.
  • Rudi Dutschke (1940-1979): Der Nachlass Rudi Dutschkes befindet sich nach langen Jahren der Teilung (Bundesarchiv und HIS Archiv) seit Anfang 2008 zusammen geführt im Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Rudi Dutschke war einer der bekanntesten Köpfe der Studentenbewegung und Mitglied im SDS / Berlin. Am 11. April 1968 wurde er von einem jungen Hilfsarbeiter, dem man eine rechte Gesinnung nachsagte, angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Nach langer Genesungspause widmete sich Rudi Dutschke zunächst der wissenschaftlichen Arbeit (Promotion). Danach bestimmten wieder politische Themen der Linken sein Wirken. Rudi Dutschke starb Weihnachten 1979 an den Spätfolgen der Verletzung. Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.
  • Arie Goral-Sternheim (1909-1996): Er gehörte in den 20er und frühen 30er Jahren der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung an. Goral floh 1933 von  Hamburg nach Frankreich und emigrierte 1934 nach Palästina / Israel. Dort  verkehrte er in literarischen Kreisen, veröffentlichte Lyrik und Prosa und gründete Malstudios für Kinder. Nach dem Kunststudium an der Akademie in  Florenz folgten zahlreiche Ausstellungen. 1953 kehrte er nach Hamburg zurück. Als Schriftsteller, Publizist, Galerist und Maler wurde er zum Gewissen der Stadt", Träger der Hamburger Kulturpreise Biermann-Ratjen-Medaille und Alexander-Zinn-Preis-Stipendiat (1982). Beiratsvorsitzender des Jüdischen  Museums Rendsburg (1992). Er starb am 23.4.1996 in Hamburg. Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.
  • Fritz Lamm (Sozialistische Initiativen, 60er Jahre)
  • Konrad Tempel (Friedensbewegung, 50er-60er Jahre)
  • Andreas Salmen (Schwulenbewegung, 70er-80er Jahre)
  • Gertrud Wolferts (Friedensbewegung in NRW, 1960-1988)
  • Klaus Marwitz (Anti-Atomtod-, Jugend- und Friedensbewegung 50er-60er Jahre, Anti-AKW-Bewegung 1970-2006, Strafgefangenen-Hilfe). Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.
  • Birgitta Wolf (Nothilfe für Strafgefangene, Reform des Starfvollzugs und des Strafrechts, Murnau 1954-2002)
  • Herbert Stubenrauch (Pädagoge und Therapeut, 1938-2010): Er gehörte zu den frühen Aktivisten der Ostermarsch-Bewegung, war 1968 Mitbegründer des Sozialistischen Lehrerbundes (SLB) und beteiligte sich 1969 an der Gründung des Sozialistischen Büros (SB). Gemeinsam gaben SLB und SB den "Informationsdienst des Sozialistischen Lehrerbundes" , später "Informationsdienst Arbeitsfeld Schule" heraus. Er unterrichtete als Lehrer an einer Frankfurter Gesamtschule und war als Therapeut tätig.
  • Wilhelm Ude (Lehrer): War Aktivist in der Friendensbewegung der 50er und 60er Jahre und Mitglied im Verband der Kriegsdienstverweigerer und der War Resisters International.

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Aktenbestände und Sammlungen politischer Gruppen

Aus Beständen kollektiver Akteure lassen sich Diskussionsprozesse, Entscheidungsmechanismen und die Wirkungsgeschichte der jeweiligen Bewegung ablesen.

Beispiele:

  • AStA der Hochschule für Wirtschaft und Politik (Hamburg, 1970-1999)
  • Sozialistischer Deutscher Studentenbund / SDS (Hamburg, 50er-60er Jahre)
  • Bund der Deutschen / BdD und Deutsche Sammlung (1950-1965). Der Bestand ist vollständig in der Archivdantenbank erfasst.
  • Republikanischer Club Berlin (1967-1970)
  • Sozialistisches Anwaltskollektiv Berlin (RAe Christian Ströbele, Klaus Eschen, Horst Mahler, 1965-1975)
  • Kommune 1 (Berlin, 1967-1969)
  • Ablassgesellschaft (Hamburg, 1967-1969)
  • Release (Hamburg, 1970-1974)
  • Rote Armee Fraktion / RAF (Schwerpunkt 1. Generation, 1970-1998). Der
    Bestand ist vollständig in einer separaten Datenbank-Dokumentation erfasst.
  • Komitees gegen Berufsverbote (Bundes- und Landesorgane, 1972-2000)
  • Sozialistisches Büro / SB (Offenbach und Hamburg, 1969-1996)
  • Kommunistischer Bund / KB (Hamburg, 1970-1989), Antirepressionsarbeit und politische Justiz
  • Autonome Antifa-M (Göttingen, 80er-90er Jahre)
  • Demokratische Grafik (Hamburg, 1968-1982)
  • Evangelische Studentengemeinde Hamburg / ESG (1970-1978)
  • Ring Bündischer Jugend / RBJ (Hamburg, 1970-1980). Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.
  • Ostermarschbewegung - Regionalausschuss Nord (1960-1970). Der Bestand ist vollständig in der Archivdatenbank erfasst.

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Archive und Teilarchive von Zeitschriften Redaktionen

Die Bestände der Zeitschriften-Redaktionen lassen Aussagen über das Reflexionsniveau, den Vernetzungs- und Verbreitungsgrad der jeweiligen Bewegung zu.

Beispiele:

  • Rote Blätter, Studentenmagazin, Organ des Marxistischen Studentenbundes Spartakus (1971-1989)
  • Elan, Zeitung für internationale Jugendbegegnung (1958-1989)
  • Deutsche Volkszeitung/DVZ (50er Jahre)
  • APO-Press, Informationsblatt der Studenten, Schüler und Arbeiter in Hamburg (1969-1970)
  • Hamburger Frauenzeitung (1981-1999)

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Fotos

Ein Teil der Fotosammlungen entstammt den Aktenbeständen einzelner Akteure oder einzelner politischer Gruppen. Den weitaus größsten Teil bilden die Bestände einzelner Fotografen. Mit ca. 90.000 Fotos liegt der inhaltliche Schwerpunkt des Fotografen Manfred A. Tripp auf der Dokumentation der Proteste in Hessen und NRW von 1956-1989. Der Fotograf Günter Zint stellt dem Archiv mehr als 250.000 digitalisierte Fotos zum Thema Protestbewegungen in der Bundesrepublik (1965-2010) zur Nutzung zur Verfügung. Weitere Fotografen sind Wilfried Bauer, Wilfried Ehrlich und Erika Gülich. Zusammen genommen verfügt das Archiv damit über mehr als 350.000 Fotos.

Beispiele:

  • Bund der Deutschen / BdD (Wiedervereinigung, 50er Jahre)
  • Aktion Demokratischer Fortschritt / ADF (Notstandsgesetze, 60er Jahre)
  • Deutsche Friedensunion / DFU (60er Jahre)
  • Ermittlungsausschuss "2. Juni 1967" an der FU Berlin
  • Studentenbewegung (60er-70er Jahre)
  • Anti-AKW-Bewegung (70er-90er Jahre)

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Filme / Video / Ton

Zu den Themen der Sondersammlung "Protest, Widerstand und Utopie in der Bundesrepublik Deutschland" werden unregelmäßig zeitgeschichtliche Dokumentationen mitgeschnitten. Darüber hinaus enthalten einige Bestände Film- bzw. Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen.

Beispiele:

  • Studentenbewegung (Ermittlungsausschuss 2. Juni 1967, "1968")
  • Rechtsextremismus
  • Militanter Widerstand / Bewaffneter Kampf (RAF, 2. Juni u.a.)

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Presseausschnittsammlungen

Zu unterschiedlichen Themen liegen Presseausschnittsammlungen vor. Sie geben Hinweise auf die Resonanz, die politische Interventionen in einer breiteren Öffentlichkeit gefunden haben.

Beispiele:

  • Politik und Protest. Gesellschaftspolitische Konflikte in der Bundesrepublik (1967-1984)
  • Außerparlamentarische Opposition und Friedensbewegung (60er-80er Jahre)
  • RAF und Bundesrepublik (1970-2010)
  • Fischer-Debatte (2000/2001)
  • 68er-Debatte (2001 ff.)

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