Karte von Gunzenhausen

Auf diesem Plan sind die wichtigsten Orte und Ereignisse eingezeichnet, an denen sich die völkische Radikalisierung Gunzenhausens während der 1920er und 1930er Jahre exemplarisch ablesen lässt.

Mit Klick auf die einzelnen Punkte erfahren Sie, was dort geschah.

Marktplatz Synagoge Hitlerdenkmal und Diakonissenmutterhaus Fotoatelier Biella Guggenheimerseck Heldendenkmal Gasthaus Strauß Haus von Max Rosenau Haus von Jakob Rosenfelder

Bildnachweis Karte: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXVI, Karten und Pläne

Der Marktplatz

Der Marktplatz wurde am 23. März 1933 in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Aufgrund seiner zentralen Lage fanden hier zahlreiche nationalsozialistische Veranstaltungen statt. Auch die meisten Märsche und Umzüge führten am Marktplatz vorbei.

Bildnachweis: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Rollfilm 16, 2a Nr. 21

Die Synagoge

Bereits seit Anfang der 1920er Jahre war die Synagoge immer wieder das Ziel antisemitischer Zerstörungswut. Einen Tag vor der Reichspogromnacht musste die Israelitische Kultusgemeinde schließlich die Synagoge an die Stadt verkaufen. Die neuen Besitzverhältnisse waren vermutlich der Grund, weshalb die Synagoge am 8. November nicht niedergebrannt wurde. Allerdings erteilte der Bürgermeister eine Woche später die Anweisung, die beiden Zwiebeltürme zu "fällen". Viele Gunzenhäuser Bürgerinnen und Bürger verfolgten das Spektakel vor Ort.

Bildnachweis: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Glasplatte 13/5

»Hitlerdenkmal« und Diakonissenmutterhaus

Das »Denkmal der nationalen Erhebung«, umgangssprachlich »Hitlerdenkmal«, befand sich ein Stück weiter die Straße hinunter in unmittelbarer Nähe zum Diakonissenmutterhaus. Es war der für die Nationalsozialisten erfolgreichen Reichstagswahl vom 5. März 1933 gewidmet. Im April 1933 wurde es unter großer Anteilnahme der Gunzenhausener Bevölkerung eingeweiht. Es gilt als das erste »Hitlerdenkmal« Deutschlands überhaupt.

Das Diakonissenmutterhaus war Schauplatz vieler aufwendig inszenierter Besuche nationalsozialistischer Prominenz. Der Gauleiter Julius Streicher war dort ein häufiger und gern gesehener Gast. Der Leiter des Diakonissenmutterhuases, Rektor Keupp, unterzeichnete bereits 1932 seine Neujahrsgrüße mit »Heil Hitler«.

Bildnachweise: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Rollfilm 3/3 und 16/4, Bild 2

 

 

Das Fotoatelier Biella

Im Dezember 1918 bezogen Curt und Wilhelmina Biella das Haus in der Hensoltstraße 3 und übernahmen das Fotoatelier Hemmer. Das Amtsgerichtsgefängnis grenzte direkt an ihr Grundstück. Am Abend des Blutpalmsonntag am 25. März 1934 wurden zahlreiche jüdische Bürgerinnen und Bürger von SA-Männern dort in »Schutzhaft« genommen. Die Biellas haben daher aller Wahrscheinlichkeit nach den Pogrom hautnah miterlebt.
In einem Nebengebäude der Hensoltstraße 3 wurden 2003 die Glasplatten und Filme gefunden, die heute den Kern der Sammlung Biella ausmachen.

Bildnachweis: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Glasplatte 40/7

Das »Guggenheimerseck«

An der Ecke Bahnhofstraße/Gerberstraße (die 1933 in Julius-Streicher-Straße umbenannt wurde) stand das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Guggenheimer. Bereits in den frühen 1930er Jahren wurden in Gunzenhausen jüdische Geschäfte markiert und boykottiert. Dies mag mit der Grund gewesen sein, warum die Familie Guggenheimer bereits im Februar 1938 das Haus an Ernst Seelenbinder verkaufte und in die USA emigrierte. Nur Joseph Guggenheimer blieb in Gunzenhausen und wurde im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet.
1951 wurde der Forderung der Familie Guggenheimer stattgegeben und sie erhielt das Haus zurück.

Bildnachweis: Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Glasplatte 13/10

Das »Denkmal für die gefallenen Helden des Ersten Weltkriegs«

Im Juni 1936 schuf die Stadt Gunzenhausen unter reger Beteiligung der Bevölkerung und der lokalen Berufsstände an dieser Stelle eine monumentale Heldengedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Das Ensemble umfasste einen 1000 Menschen fassenden Aufmarschplatz, eine Rednertribüne, eine Siegessäule und einen »Heldenhain«, der die Namen fast aller Gefallenen aufführte. Nur die fünf jüdischen Toten wurden nicht erwähnt.

Stadtarchiv Gunzenhausen, Repertorium XXV (Bildsammlung), Sammlung Biella, Glasplatte 1/6

Das Gasthaus Strauß

Das Gasthaus Strauß war der Ausgangspunkt für den Pogrom am Palmsonntag 1934. Bereits am Nachmittag hatten Kurt Bär und seine SA-Leute den Gundelsheimer Bürgermeister unter Schlägen aus der Wirtschaft vertrieben. Abends kehrte die SA zurück, griff den jüdischen Wirt Simon Strauß und seinen Sohn Julius an und weitete dann die Verfolgung der Gunzenhäuser Juden auf die gesamte Stadt aus. An die 1000 Gunzenhäuser schlossen sich ihnen an.
Wochen später, am 15. Juli, betrat Kurt Bär erneut das Gasthaus und erschoss Simon Strauß. Julius Strauß überlebte dieses Attentat schwer verletzt.

Bildnachweis: Published with permission of James Strauss 2016

Das Haus von Jakob Rosenfelder

Hier wohnte der Sozialdemokrat Jakob Rosenfelder, eines der beiden Opfer des Pogroms vom Palmsonntag 1934. Am Abend des 25. März war Jakob Rosenfelder zufällig im Gasthaus Strauß, als die SA den Wirt Simon Strauß angriff und der Pogrom begann. Mit Hilfe Marie Strauß' konnte er durch die Hintertür fliehen und sich zu Hause verstecken. Als die Menge seine Haustür einzutreten drohte, floh er erneut und wurde kurz darauf erhängt auf dem Nachbaranwesen aufgefunden.

Das Haus von Max Rosenau

Hier wohnte der jüdische Kaufmann Max Rosenau, der wie Jakob Rosenfelder am Blutpalmsonntag 1934 ums Leben kam. Einen Teil seines Hauses hatte er an die Familie Lehmann vermietet. Zu ihr floh er, als die Menge seine Haustür aufbrach. Es gilt heute als gesichert, dass er sich aus Panik in der Lehmannschen Wohnung selbst erstach.