Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Jörg Baberowski und Michael Wildt, Professoren an der Humboldt-Universität zu Berlin, sowie Stefanie Schüler-Springorum, Professorin und Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, wählen für die »Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts« Forschungsergebnisse jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, deren Monografien am Beispiel von totalitären Systemen wie dem Nationalsozialismus und Stalinismus, von Diktaturen, Autokratien und nicht zuletzt auch von Demokratien die Dynamik gewalttätiger Situationen beschreiben und mögliche Wege aus der Gewalt skizzieren.

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Das 20. Jahrhundert gilt als das Jahrhundert des Genozids, der Lager, des Totalen Krieges, des Totalitarismus und Terrorismus, von Flucht, Vertreibung und Staatsterror - gerade weil sie im Einzelnen allesamt zutreffen, hinterlassen diese Charakterisierungen in ihrer Summe eine eigentümliche Ratlosigkeit. Zumindest spiegeln sie eine nachhaltige Desillusionierung.

Die Vorstellung, Gewalt einhegen, begrenzen und letztlich überwinden zu können, ist der Einsicht gewichen, dass alles möglich ist, jederzeit und an jedem Ort der Welt. Und dass selbst Demokratien, die Erben der Aufklärung, vor entgrenzter Gewalt nicht gefeit sind. Das normative und ethische Bemühen, die Gewalt einzugrenzen, mag vor diesem Hintergrund ungenügend und mitunter sogar vergeblich erscheinen. Hinfällig ist es aber keineswegs, es sei denn um den Preis der moralischen Selbstaufgabe.