Presseinformationen

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Antun und erleiden. Über Gewalt

Mittelweg 36 Heft 3/2017

Hamburg, den 12. Juni 2017

Ihre außerordentliche Befähigung zur Ausübung von Gewalt hat die Menschen zu allen Zeiten gleichermaßen beunruhigt und fasziniert. Die Beschäftigung mit der Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke der menschlichen Kultur, sie bildet das Motiv von Künstlern und Literaten und ist Gegenstand des Nachdenkens von Theologen und Philosophen. Auch die Sozialwissenschaften haben sich seit jeher auf immer neue Weise mit dem Phänomen auseinandergesetzt. Sie leisten damit einen spezifischen Beitrag zur Selbstbeschreibung moderner Gesellschaften, denen die Gewalt zunehmend zum Problem wird.

Die Beiträge des vorliegenden Heftes greifen gegenwärtige Tendenzen der Gewaltforschung auf und intervenieren damit in anhaltende Debatten. Den Anfang macht Wolfgang Knöbl, der anhand aktueller theoretischer Angebote und Fragestellungen Perspektiven der Gewaltforschung skizziert und nach den Aufgaben einer Gewaltsoziologie fragt, die an ihrem Erklärungsanspruch festhalten und sich nicht auf die reine Beschreibung von Gewaltphänomenen zurückziehen will. Im Anschluss daran bringt Peter Imbusch in »Strukturelle Gewalt« Argumente für eine Horizonterweiterung vor und plädiert im kritischen Rückgriff auf Johan Galtungs Begriff für eine stärkere Berücksichtigung von Gewaltformen, die aus der Wirksamkeit von Normen, Verteilungsregeln und institutionellen Gegebenheiten resultieren. Um Fragen der methodischen und inhaltlichen Ausrichtung der Gewaltsoziologie geht es auch im Gespräch mit Teresa Koloma Beck, die unter anderem von ihrer Feldforschung in Afghanistan berichtet und erläutert, warum sie Gewalt als leibliche Erfahrung verstanden wissen will. Jan Philipp Reemtsma schließlich wendet sich gegen das Erklärungsbegehren der Sozialwissenschaften, gegen das Verlangen, hinter die Kulissen  schauen zu wollen, statt sich auf das Mögliche zu beschränken, nämlich das oft so gewalttätige Stück, das auf der Bühne der Menschengeschichte gespielt wird, genau zu verfolgen und, bestenfalls, angemessen zu interpretieren.

In der Protest-Chronik widmet sich Wolfgang Kraushaar der blutigen Niederschlagung algerischer Autonomiebestrebungen durch französische Kolonisten und Truppen im Mai 1945, die als „Massaker von Sétif“ in die Geschichte eingegangen ist. 

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