Ausstellungen

"Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944"
1. März 1995 bis 1. November 1999
Informationen zur Ausstellung
Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" war Teil eines umfangreichen Forschungsprojekts mit dem Titel "Angesichts unseres Jahrhunderts. Gewalt und Destruktivität im Zivilisationsprozeß" des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die Ausstellung sollte ursprünglich unter dem Titel "Wehrmacht und NS-Verbrechen. Wirklichkeiten und Wirkungen einer kollektiven Gewalterfahrung" im Hamburger Institut für Sozialforschung gezeigt werden. Erst im Verlauf der Planung wurde sie als Wanderausstellung konzipiert.
Die Ausstellung befasste sich mit einem Krieg, der in der Moderne ohne Präzedenz war – ein Krieg, der nicht gegen eine andere Armee, sondern gegen eine andere Bevölkerung geführt wurde. Die staatlichen Organisationen sollten zerstört, die Menschen versklavt oder getötet werden. Der Blick auf Frontgruppen und Einheiten der rückwärtigen Gebiete sollte zeigen, daß die Truppe mit Himmlers Einsatzgruppen zusammenarbeitete und eigenverantwortlich Vernichtungsaktionen durchführte.
Die Wehrmacht war aktiv beteiligt am Holocaust, an der Ausraubung der besetzten Gebiete, am Massenmord an der Zivilbevölkerung und an der Vernichtung der sowjetischen Kriegsgefangenen. Der Krieg im Osten und Südosten wurde als Rassen- und Vernichtungskrieg geplant und durchgeführt.
Die Ausstellung war in drei Fallstudien untergliedert:
- die ersten Monate des Partisanenkrieges in Serbien
- der Vormarsch der 6. Armee durch die Ukraine in Richtung Stalingrad
- die drei Jahre dauernde Besetzung Weißrußlands
Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" wurde in der Zeit zwischen 1995 und 1999 zum Gegenstand zahlreicher Landtagsdebatten (in Bremen, München, Wiesbaden Hannover, Kiel, Saarbrücken, Hamburg). Zweimal stand die Ausstellung im Zentrum von Debatten im Deutschen Bundestag. Die erste dieser Sitzungen, am 13. März 1997, wurde in der Presse als "eine der wenigen großen Stunden des Parlaments" bezeichnet. Über Parteigrenzen hinweg gelang den Abgeordneten eine differenzierte und sehr persönliche - an der eigenen Familiengeschichte - orientierte Debatte, in der, was ganz selten geschieht, die Abgeordneten einander zuhörten, statt Akten abzuzeichnen oder Zeitungen durchzublättern.
Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" hat in der Bundesrepublik eine Diskussion um die Verbrechen des nationalsozialistischen Krieges und den Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit diesem Teil der deutschen Vergangenheit ausgelöst. Niemals zuvor hatte die westdeutsche Öffentlichkeit derart engagiert und andauernd über ihre Vergangenheit gestritten.
Zum 1. August 1999 hatte das Hamburger Institut für Sozialforschung die Ausstellung an den Verein zur Förderung der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" e.V. übergeben. Die Urheberschaft der Ausstellung verblieb beim Hamburger Institut für Sozialforschung. Die Ausstellung stand seit dem 4. November 1999 unter einem Moratorium, während dessen es von einer wissenschaftlichen Kommission begutachtet wurde, die ihren Bericht am 15. November 2000 in Frankfurt a.M. vorstellte. Die Zusammenarbeit von Institut und Verein wurde im Dezember 2000 beendet.
Ausstellungsteam:
Konzeption und Recherche: Dr. Bernd Boll (Freiburg), Hannes Heer (Hamburg); Dr. Walter Manoschek (Wien); Christian Reuther (Würzburg), Dr. Hans Safrian (Wien)
Visuelle Konzeption und Gestaltung: Christian Reuther (Würzburg) und Johannes Bracher (Offenbach)
Leitung: Hannes Heer Ausstellungskoordination: Dr. Petra Bopp
Ausstellungskoordination in Österreich: Dr. Walter Manoschek (Wien)
Publikationen: HamburgerEdition: Birgit Otte
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Regine Klose-Wolf
Mitglieder der Kommission zur Überprüfung der Ausstellung waren:
Prof. Dr. Omer Bartov (New Brunswick)
Dr. Cornelia Brink, (Freiburg)
Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld, (Stuttgart)
Prof. Dr. Friedrich Kahlenberg, (Koblenz)
Prof. Dr. Manfred Messerschmidt (Freiburg)
Dr. Christian Streit, (Heidelberg)
Prof. Dr. Reinhard Rürup, (Berlin)
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer, (Münster)
Der Kommission arbeiteten die Wissenschaftler Peter Klein, Andrej Angrick und Florian Dierl zu.
Seit Ende März 2004 ist sie im Deutschen Historischen Museum in Berlin eingelagert.
Projekt: Angesichts unseres Jahrhunderts

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