Ausstellungen

Salz der Tränen. Zeichnungen von Ladislaus Szücs, Häftling und Arzt im Konzentrationslager

18. November bis 19. Dezember 1999

Der Ungar Ladislaus Szücs wollte schon als Kind Zeichner werden, dies entsprach nicht den Vorstellungen der Mutter, die für ihn eine kaufmännische Ausbildung wünschte. Dies widerstrebte dem Sohn; er wurde Arzt. Szücs genoß eine hervorragende Ausbildung in Wien, Prag, Freiburg, Leipzig und Budapest. Er sagt später von sich, er sei der beste HNO Arzt unter den Zeichnern. Und tatsächlich hat er sein Leben lang gezeichnet. Daß seine Bilder einmal ausgestellt würden, hat er allerdings nie erwartet.

Ladislaus Szücs wurde 1944 gemeinsam mit seiner ersten Frau Hedy nach Auschwitz-Birkenau deportiert, von dort kam er nach Mauthausen und dann zur Zwangsarbeit in den "Stollen Quarz". Ende März 1945 wurde er in das KZ Ebensee verlegt, wo er im Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurde. Nach dem Krieg kehrte er zurück nach Siebenbürgen. Seine Frau kam in den letzten Kriegstagen - nachdem sie das Konzentrationslager überlebt hatte - ums Leben. 1947 heiratete Szücs seine zweite Frau Julia (Uli) Kértesz. Auch sie war 1944 nach Auschwitz und von dort weiter nach Bergen-Belsen deportiert worden. Nach drei Monaten Zwangsarbeit wegen Sabotageaktionen kam sie nach Salzwedel, wo sie im April 1945 von den Amerikanern befreit wurde.

Bis zu seiner Pensionierung bemühte sich Szücs mehrfach vergeblich um eine Ausreisegenehmigung aus Rumänien; erst 1974, nach langen Jahren der Entbehrungen, durfte die Familie nach Deutschland ausreisen. Ladislaus Szücs baute sich eine neue Existenz als Oberarzt und Badearzt u.a. in Bad Sassendorf auf. Seine Frau starb im Januar 1999. Er folgte ihr am 23. Januar 2000.

In der von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zusammengestellten und im Frühjahr 1999 erstmals gezeigten Ausstellung bilden Tuschezeichnungen aus den 50er und 60er Jahren, gemalt mit "einem kaputten Aquarell-Borstenpinsel" auf die Rückseiten alter Einladungen, Kalenderblätter und Rezepte (Papier war knapp), den Mittelpunkt. In diesen Bildern findet die Vergangenheit ihren Ausdruck, lange bevor sich Szücs entscheidet, sie in seinem Buch "Zählappell" (1995 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag) niederzuschreiben. Seine Kunst ist existentielle Lebensäußerung. Sie entstand nicht im Lager, auch nicht unmittelbar danach. Angela Genger, die Vorsitzende des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen schreibt über die Zeichnungen: "Sie weisen trotz des zeitlichen Abstandes alle Merkmale der sogenannten 'Lagerkunst' auf – in ihrer Reihung, den Themen, der Nutzung, der wenigen verfügbaren Materialien, in ihrer Aussage zu Gefährdung, Angst, Leid und Widerständigkeit." Jan Philipp Reemtsma schreibt im Zusammenhang mit Szücs' Bildern von dem "große(n) Rätsel, das der Mensch dem Teufel aufgibt: daß aus Leid Schönheit entstehen kann und doch das Leid keinen Verdienst daran hat."

Darüber hinaus sind in der Ausstellung einige Arbeiten aus seiner Jugend sowie frühe Karikaturen und Buchillustrationen aus den 20er und 30er Jahren und Zeichnungen zu sehen, die die humorvoll-philosophische Art des jungen Szücs zeigen, die sich schon in seinen ganz frühen Zeichnungen aus dem (Schul-) Alltag, aber auch in denen aus der bedrückenden Gegenwart der 50er und 60er Jahre in Rumänien widerspiegelt.

Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, zusammengestellt von Helen Quandt.

In Hamburg präsentiert vom Hamburger Institut für Sozialforschung in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Pressestimmen zur Ausstellung