InstitutsMontage

20. Reihe: Die Europäische Gesellschaft
Maurizio Bach: Politische Integration und gesellschaftliche Desintegration in Europa
11. Mai 2009
Mit „europäischer Gesellschaft“ wird im Kern ein normativer Begriff von Gesellschaft verbunden. Dieser stellt auf soziale Kohäsion, Solidarität, kollektive Identität und Wertehomogenität in einem länderübergreifenden Maßstab ab. Das ist eine im öffentlichen Bewusstsein tief verankerte politische Wunschvorstellung, ein Ideal, von dessen Verwirklichung für viele die Legitimität und damit der Bestand des Großprojekts der europäischen Integration abhängt. Je mehr politische Aufgaben und legislative Kompetenzen von den Nationalstaaten auf die europäische Ebene übergehen, so ein verbreitetes Argument, desto unverzichtbarer ist eine stärkere gesellschaftliche Verankerung der EU.
Entspricht diese Sichtweise der Realität oder handelt es sich dabei um einen Mythos? Kann die EU die sozialen Integrationsdefizite des Nationalstaates kompensieren? Oder setzt sie nicht vielmehr gerade intakte Gesellschaften voraus? Was aber, wenn beides in Zukunft nicht mehr zu erwarten ist, wenn eine nachholende Gesellschaftsintegration im europäischen Maßstab unrealistisch erscheint und wenn die nationalstaatliche Vergesellschaftung – nicht zuletzt wegen der Europäisierung - ihre soziale Integrationskraft einzubüßen droht?
Prof. Dr. Maurizio Bach, Soziologe, Ordinarius für Soziologie an der Universität Passau, Sektionssprecher DGS Sektion Ost- Ostmitteleuropa, Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik (ZfP)
Moderation: PD Dr. Ulrich Bielefeld, Soziologe, Leiter des Arbeitsbereichs "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei
