. . Home Kontakt RSS Weiterempfehlen Drucken

InstitutsMontage

21. Reihe: Baustelle Kalter Krieg. Zeitgeschichte 20 Jahre nach dem Mauerfall


Claudia Weber: Und alle Fragen offen? Katyn und die Folgen der russischen „Archivrevolution“ nach 1990

1. Februar 2010

Die Öffnung der sowjetischen Archive nach dem Ende des Kalten Krieges hat ein immenses Ausmaß an stalinistischen Gewaltverbrechen zutage gefördert. Als Boris Jelzin im Jahr 1992 die Täterschaft des sowjetischen Geheimdienstes NKWD an den Massenerschießungen von Katyn zugab, schien eines jener "Kriegsrätsel" gelöst, die seit dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Anlass zu Spekulationen und politischen Verschwörungsszenarien gegeben hatten. Mit dem Bekenntnis des damaligen russischen Präsidenten und der folgenden Aktenfreigabe konnte das Schicksal von nahezu 15.000 polnischen Gefangenen rekonstruiert werden, die im Frühjahr 1940 in nächtlichen Massenerschießungen ums Leben gekommen waren. Die Diskussionen um das Kriegsverbrechen in Katyn sind keinesfalls beendet. Sie resultieren aus einer gesellschaftlichen und politischen Geschichtskultur im heutigen Russland, die sich der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Kriegsgeschichte zunehmend wieder entzieht. Die historische Bedeutung der Massenerschießungen von Katyn geht weit über das konkrete Verbrechen hinaus. Mit Katyn wird der Stalinsche Weltkriegsmythos hinterfragt, der allen ideologischen Propagandaschlachten zum Trotz im Kalten Krieg unangetastet blieb und weiterhin zu den großen gesellschaftlichen Integrationsmythen Russlands gehört.

Dr. Claudia Weber, Historikerin; wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Theorie und Geschichte der Gewalt" des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Moderation: Dr. Ulrike Jureit, Historikerin; Gastwissenschaftlerin der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur im Hamburger Institut für Sozialforschung

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei