InstitutsMontage

21. Reihe: Baustelle Kalter Krieg. Zeitgeschichte 20 Jahre nach dem Mauerfall
Bettina Greiner: Die ersten Opfer des Kalten Krieges?
Deutsche Häftlinge in sowjetischen Speziallagern
1. März 2010
Vor fast zwanzig Jahren, am 10. März 1990, wurden in den Abendnachrichten der Aktuellen Kamera und der Tagesschau schockierende Bilder gezeigt: Nahe des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen im Norden von Berlin legten Soldaten der Nationalen Volksarmee Schädel und Gebeine frei. Mit diesen Funden deckten sie gleichsam ein Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte auf, das in Ostdeutschland tabuisiert und in der Bundesrepublik in Vergessenheit geraten war – die Speziallager des sowjetischen Geheimdienstes, die von 1945 bis 1950 in der SBZ und frühen DDR bestanden.
In den folgenden Wochen wurden weitere Massengräber freigelegt, die mediale Aufregung war immens. Die sowjetische Regierung sah sich gar zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst – erstmals seit 1950. In einem einzigartigen Vorgang erklärte sie, dass etwa ein Drittel der offiziell 122.671 gefangenen Deutschen die Haft nicht überlebt habe. Aber was waren das für Lager? Und wer wurde aus welchen Gründen in ihnen festgehalten? Die Beantwortung dieser Fragen führt zurück in den Kalten Krieg, der sich auf die sowjetische Haftpraxis in Deutschland auswirkte – und der noch heute die gesellschaftliche Wahrnehmung der stalinistisch Verfolgten mit prägt.
Dr. Bettina Greiner, Historikerin, Politologin und Amerikanistin, forscht zur deutschen Gewaltgeschichte und Erinnerungskultur des 20. Jahrhunderts
Moderation: Dr. Wolfgang Kraushaar, Politologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei
