Vorträge und Diskussionen

Menschen ohne Papiere
Ursula Neumann: Kinder und Jugendliche ohne Papiere
5. Mai 2010
Die Schulpflicht für Flüchtlingskinder ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt und war, obwohl das Grundgesetz die chancengleiche Bildung für Kinder vorsieht, lange umstritten. Mittlerweile ist die Schulpflicht der Kinder von sich illegal im Lande befindlichen Eltern in den meisten Bundesländern durchgesetzt. Sie darf nicht verwehrt werden, wenn keine Meldebescheinigung vorliegt. Für Kinder, die ohne Papiere in Deutschland leben, ist ihre Bildung jedoch keineswegs gesichert, sondern vom Wohlwollen der Schulen und Schulbehörden abhängig.
Im Vortrag wird diskutiert, welche besondere Bedeutung schulische Bildung für diese Gruppe von Kindern hat. Wie ist ihre Lebenssituation zu charakterisieren, welche Zukunftsperspektiven haben sie? In einigen Städten und Bundesländern − u. a. in Hamburg − sind Regelungen gefunden worden, die auch Kindern, deren Eltern sich illegal dort aufhalten, einen Zugang zu den Schulen eröffnen. Es wird erläutert, wie diese Regelungen ermöglicht worden sind und ob sie auf andere Regionen zu übertragen sind. Zentral sind die Fragen nach den pädagogischen Aufgaben, die aus der Situation der Kinder erwachsen. Welche Inhalte sind wichtig? Wie kann die sprachliche Bildung gewährleistet werden? Welche Aufgaben übernehmen Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie um die aufenthaltsrechtlichen Probleme der Kinder wissen, und wo finden sie Rat und Unterstützung? Abschließend soll diskutiert werden, wie die Situation in Hamburg weiter verbessert werden kann, damit Eltern ihre Kinder auf jeden Fall in die Schule schicken und ihnen nicht aus Angst vor Entdeckung die Bildungsangebote vorenthalten.
Prof. Dr. Ursula Neumann, Institut für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg
Moderation: Dr. Nikola Tietze, Soziologin; wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr)
Eintritt: frei
Dritter Vortrag in der Reihe "Menschen ohne Papiere. Hamburger Beiträge zur Erforschung irregulärer Migration" von April bis Juni 2010 im Hamburger Institut für Sozialforschung

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