Vorträge und Diskussionen

Menschen ohne Papiere
Marianne Pieper: Politiken illegalisierter Migrantinnen und Migranten
28. April 2010
In der aktuellen Berichterstattung und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen werden Aussagen über illegalisierte Migration zumeist auf Aspekte von Kontrolle, Ausschluss, Entrechtung und Ausbeutung reduziert. Damit geraten undokumentierte Migranten und Migrantinnen in der Öffentlichkeit gleichsam in die Rolle der "Verlierer" im Prozess der Globalisierung. Die Perspektive verengt sich häufig auf die Figur des Opfers. Der Blick auf die spezifischen politischen Dimensionen der Mobilität illegalisierter Migrantinnen und Migranten wird dadurch verstellt:
Auf Basis zweier laufender Forschungsprojekte zu illegalisierter Migration werden im Vortrag dagegen die gelebten Formen der Dissidenz und die mikrosozialen Praktiken illegalisierter Migranten und Migrantinnen im dynamischen Konflikt- und Aushandlungsfeld des gegenwärtigen Migrationsregimes diskutiert.
Die unterschiedlichen Formen der Mobilität erweisen sich aus dieser Perspektive als politisch artikulierte „Bewegungen ohne Programm“, die nicht in den großen Erzählungen politischer Widerstandsformen zu finden sind. Illegalisierte Migrantinnen und Miranten verfolgen Praktiken klandestiner oder „unwahrnehmbarer Politiken“, die in den Engpässen der prekären Lebensbedingungen entstehen, jedoch diese auch übersteigen. Es sind keine organisierten Praktiken des Entkommens und der Subversion. Sie generieren aber beständig neue Formen des Sozialen, die die bestehenden politischen und sozialen Ordnungen irritieren und Transformationsprozesse in Gang setzen können.
Prof. Dr. Marianne Pieper, Fachbereich Sozialwissenschaften, Institut für Soziologie, Universität Hamburg
Moderation: Dr. Norbert Cyrus, Ethnologe M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

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