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Vorträge und Diskussionen

Menschen ohne Papiere


Kerrin-Sina Arfsten: Illegale Einwanderer: Feindbild an der US-mexikanischen Grenze

19. Mai 2010

Seit 2001 nehmen US-amerikanische Bürger entlang der Grenze zu Mexiko im Namen der Sicherheit "das Recht in die eigenen Hände". Zivile Bürgerwehren patroulieren im Grenzgebiet auf der Suche nach vermeintlich illegalen Einwanderern, um diese an die US Grenzbehörde zu übergeben. Die Milizionäre bauen Zäune, installieren Bewegungsmelder und Kameras, stellen Photos von potentiellen undokumentierten Einwanderern oder deren Arbeitgebern ins Netz und setzen sich für eine restriktivere Einwanderungsgesetzgebung ein, indem sie sowohl auf lokaler als auch auf staatlicher Ebene Lobby-Arbeit leisten.

Der Vortrag befasst sich mit dieser "neuen" Form von Vigilantismus an der US-mexikanischen Grenze am Beispiel einer der größten und einflussreichsten Gruppen, dem "Minuteman Civil Defense Corps" (MCDC. Es wird sowohl auf die Rolle der amerikanische Einwanderungs- und Grenzsicherungspolitik eingegangen als auch auf die Konstruktion von "Illegalität" an der Grenze, die eine entscheidende Bedeutung bei der Entstehung dieser Bürgerwehren spielt. Kann die Entstehung dieser Form von Grenz-Vigilantismus als das Resultat einer zunehmenden Versicherheitlichung von Immigration gesehen werden und welchen Einfluss haben hierbei die Geschehnisse des 11. Septembers 2001?

Befördert der aktuelle Trend zur Privatisierung von Sicherheit und die damit einhergehenden Veränderungen im Bereich der Sicherheitsherstellung die Entstehung ziviler Bürgerwehren? Im Zuge dieser Entwicklung werden Bürger dazu ermutigt, sich auch in sicherheitsrelevanten Fragen einzubringen und sich aktiv bei der Sicherheitsherstellung zu engagieren, indem sie den Staat bei der Unterscheidung zwischen Freund/Feind unterstützen.

Abschließend werden die Implikationen dieser Entwicklungen für die irregulären Einwanderer im US-mexikanischen Grenzraum und die die Frage aufgeworfen, inwiefern sich parallele Entwicklungen in Europa finden lassen.

Kerrin-Sina Arfsten, Institut für Kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg

Moderation: Dr. Norbert Cyrus, Ethnologe M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

Vierter Vortrag in der Reihe "Menschen ohne Papiere. Hamburger Beiträge zur Erforschung irregulärer Migration" von April bis Juni 2010 im Hamburger Institut für Sozialforschung