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Vorträge und Diskussionen

Menschen ohne Papiere


Norbert Cyrus: Grenzen und Alternativen der Migrationskontrolle

2. Juni 2010

Seit 1989 werden die staatlichen Bemühungen zur Einschränkung der Zuwanderung und zur Perfektionierung der Grenzkontrolle in allen Regionen der Welt intensiviert.  Um die unerwünschten Zuwanderer abzuschrecken, wurden die rechtlichen Bestimmungen zu Einreise und Aufenthalt in den Zielländern verschärft und der Mitteleinsatz zur Durchführung von Kontrollen erhöht. Ob damit das Ziel der Verringerung irregulärer Einwanderung erreicht werden konnte, gilt als umstritten. Die gegenwärtig tendenziell sinkenden Zahlen irregulärer Migration in die EU werden als Folge einer geringeren Nachfrage aufgrund der Wirtschaftskrise und der mit der EU-Erweiterung erfolgten Legalisierung interpretiert. Gemessen an ihrem Anspruch lässt sich die Migrationskontrolle nicht als erfolgreich und effizient bezeichnen. Nach wie vor finden irreguläre Migranten einen Weg, um Kontrollen zu umgehen oder zu unterlaufen.

In der politischen Philosophie wird die Begründung für die Einschränkung der Freizügigkeit kontrovers diskutiert und aus ethischer Perspektive als unfair kritisiert. Eine Abschaffung von Grenzkontrollen, so lässt sich die Kritik zuspitzen, würde Geld und Ressourcen sparen, menschliches Leid verhindern – noch immer gibt es unter denen die den Versuch der irregulären Einreise unternehmen eine hohe Zahl an Todesopfern - und ökonomische Wohlfahrt generieren. Bisher wird vorrangig die Perfektionierung der Migrationskontrolle und nicht deren Abschaffung betrieben. In der sozialwissenschaftlichen Migrationsforschung werden alternative Ansätze entwickelt. Konzepte der Personenfreizügigkeit und das Szenario einer Migration ohne Grenzen eröffnen Anknüpfungspunkte zur Bearbeitung der Frage, wie Migration ermöglicht werden kann.

Dr. Norbert Cyrus, Ethnologe M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Moderation: Dr. Ulrike Jureit, Historikerin; Gastwissenschaftlerin der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur im Hamburger Institut für Sozialforschung

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

Sechster und letzter Vortrag in der Reihe "Menschen ohne Papiere. Hamburger Beiträge zur Erforschung irregulärer Migration" von April bis Juni 2010 im Hamburger Institut für Sozialforschung