Vorträge und Diskussionen

Prekarität: Antworten auf neue gesellschaftspolitische Fragen
Martin Kronauer: Welche Sicherheit braucht die Flexibilität?
21. Januar 2009
Zur Diskussion steht, welche neuen Sicherungsbedarfe durch die Flexibilisierung von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen auf der einen Seite, durch veränderte Erwerbskonstellationen und Zeitbedürfnisse in den Haushalten auf der anderen Seite erwachsen. Die normative Formulierung der Frage ist bewusst gewählt. Denn weder Flexibilität noch Sicherheit sind feststehende Größen, vielmehr sind sie begründungsbedürftig und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unterworfen. Die betriebswirtschaftliche Rechtfertigung von Flexibilisierung mit Marktanpassung und Gewinnsteigerung reicht nicht aus, ihr steht der eigenständige Anspruch der Subjekte auf größere Autonomie gegenüber.
Was verstehen wir unter Flexibilität und welchem Bedeutungswandel ist der Begriff unterworfen? In welchem Spannungsverhältnis befinden sich Flexibilität und Sicherheit in der heutigen Gesellschaft und in welche pathologischen Folgen haben sie für die Individuen? Anhand der Flexibilisierung von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen und an der Neukonturierung gesellschaftlicher Ungleichheit lassen sich die Spannungs- und Konfliktlinien und der notwendige Sicherungsbedarf erörtern. Nicht zuletzt gilt es das politische Kunst- und Schlagwort „Flexicurity“ zu prüfen. Es verspricht, „flexibility“ und „security“, also Flexibilität und Sicherheit miteinander zu verbinden. Ein voraussetzungsvoller Anspruch, der, wollte man ihn ernst nehmen, erforderte eine Gesellschaftspolitik der Reduzierung sozialer Ungleichheit zu verfolgen. Geriete man damit in Widerspruch zur aktuellen Neuausrichtung von Sozialstaatlichkeit hin zum „gewährleistenden“ Sozialstaat zu geraten, die sich „Flexicurity“ auf ihre Fahne geschrieben hat?
Prof. Dr. Martin Kronauer, Soziologe, Professor für Gesellschaftswissenschaft an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Moderation & Einführung in die Reihe: Dr. Berthold Vogel, Soziologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

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