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Vorträge und Diskussionen

Prekarität: Antworten auf neue gesellschaftspolitische Fragen


Markus Promberger: Schützt Arbeitsmarktpolitik vor Prekarität?

25. Februar 2009

Die Arbeitslosenzahlen steigen wieder. Zugleich schreitet die Erosion der Normalarbeitsverhältnisse fort; prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu und rücken mehr in den Blick. Prekarität ist, allen Prosperitätsträumen zum Trotz, historisch und systematisch dem gesellschaftlichen Verhältnis der Lohnarbeit eingeschrieben. Ihre Phänologie und Verteilung haben sich jedoch mit der Entwicklung des Wohlfahrtsstaates und den Veränderungen der Arbeitsgesellschaft deutlich gewandelt.
Ohne Politik sind keine Märkte und ohne Arbeitsmarktpolitik ist kein Arbeitsmarkt denkbar. Märkte sind nicht nur politisch erzeugt, sondern werden auch permanent politisch modifiziert und reguliert. Und schließlich werden Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik dort tätig, wo das Marktgeschehen Ungleichheiten, Spannungen und Konflikte erzeugt, die in einer Gesellschaft von der Mehrheit ihrer Mitglieder als nicht akzeptabel erachtet werden. Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik sind dabei nicht statisch, sondern werden immer wieder Reformprozessen unterzogen. Sie haben seit 1945 in Deutschland eine materielle Grundsicherung mit immer breiterem Zugang erzeugt. Gleichzeitig kam es jedoch zu einem Rückbau von lebenslagenangepasster Zusatzversorgung und gruppenspezifischen wie auch biographisch erworbenen Ansprüchen auf die Sicherung eines vormaligen oder angemessenen Lebensstandards oberhalb der Grundsicherung.
Kann Arbeitsmarktpolitik grundsätzlich vor Prekarität schützen – zumindest wenn Arbeit und Markt zentrale gesellschaftliche Inklusionsmodi bleiben? Können Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik Prekarität erzeugen, verringern, formen, und dabei auch den Charakter der mit der Prekarität verbundenen Risikolagen und Deprivationsprozesse modifizieren? Vermag sie die Problematik der Sozialintegration und/oder gesellschaftlichen Teilhabe jenseits der materiellen Existenzsicherung befriedigen?

Dr. Markus Promberger, Soziologe, Leiter des Forschungsbereichs ‚Erwerbslosigkeit und Teilhabe’ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, Dozent am Institut für Soziologie der Universität Erlangen

Moderation: Dr. Klaus Naumann, Historiker; wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich „Die Gesellschaft der Bundesrepublik“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung
 

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei