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InstitutsMontage

19. Reihe: Bedroht, abgehängt, ausgeschlossen.


Stephan Lessenich: Die Neuerfindung des Sozialen. Zur Politischen Soziologie der Aktivgesellschaft

3. November 2008

Seit nunmehr einem Jahrzehnt erleben wir auch in Deutschland einen Wandel des Sozialstaates, der in dessen Selbstbeschreibung als Prozess der "Aktivierung" der Bürgerinnen und Bürger firmiert. Was in der Arbeitsmarktpolitik begann, zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden regulativer Umkehr durch praktisch alle Felder sozialstaatlichen Handelns: Ob Frauen, Kinder oder Alte – alle werden sie politisch zu tendenziell passiven bzw. passivierten, aber potenziell aktiven oder jedenfalls aktivierbaren Träger(inne)n ökonomischer und sozialer Produktivitätsreserven stilisiert. Soziologisch beobachtet, transformiert sich in dieser "aktivischen" Wende des Sozialstaats die politisch institutionalisierte Verantwortlichkeit für das Soziale: Nicht mehr die Allgemeinheit tritt für das Wohlergehen des Einzelnen ein, sondern umgekehrt schulden nun die Subjekte dem Gemeinwesen ein Verhalten, das in der praktizierten Eigenverantwortung zugleich gelebte Sozialverantwortung demonstriert. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Ambivalenzen, Widersprüchen und Paradoxien dieses Wandels.

Prof. Dr. Stephan Lessenich, Soziologe, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Schwerpunkt Vergleichende Gesellschafts- und Kulturanalyse)

Moderation: Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologe, Leiter des Arbeitsbereichs "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei