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InstitutsMontage

19. Reihe: Bedroht, abgehängt, ausgeschlossen.


Jürgen Oßenbrügge: Benachteiligte Quartiere. Prozesse räumlicher Segregation

12. Januar 2009

Ausdrücke wie Ghetto, Banlieue, Favela, Villa Miseria, Slum gelten weltweit als Synonym für stigmatisierte Quartiere am unteren Ende der Hierarchie. Je mehr Städte zu Motoren der Globalisierung werden, zeigen sich stadträumliche Ausprägungen sozialer Desintegration. Sie beruhen auf bewusst eingesetzten Schließungsmechanismen, die sich z.B. in städtebaulichen Großprojekten realisieren und den Bedürfnissen statushoher Gruppen nach distinktiver Abgrenzung nachkommen. Gleichzeitig führen sie zu abnehmenden Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe der „Verlierer“ des Strukturwandels und sind mit deren Rückzug in urbane „Auffangbecken“ verbunden. Diese sozialräumlichen Ungleichheiten werden durch eine wettbewerbsorientierte Stadtpolitik befördert. Sie suggeriert, dass mit einer „Stärkung der Starken“ auch die Benachteiligten über Filtereffekte profitieren können oder überdeckt mit dem Konzept der „kreativen Stadt“ die Zunahme prekärer und informeller Beschäftigung. Das Programm der „sozialen Stadt“ führt dagegen ein Schattendasein und dient - als Symbolpolitik - zur Beruhigung und Kontrolle, um vergangene urbane Protestformen latent zu halten. Fragen nach sozialer Integration werden mehr und mehr durch die nach der Versicherheitlichung öffentlicher Räume in der Stadt verdrängt.

Prof. Dr. Jürgen Oßenbrügge, Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Hamburg, Spezialgebiete: Wirtschaftsgeographie, Lateinamerika, regionale Innovationsforschung, räumliche Konfliktforschung

Moderation: Dr. Berthold Vogel, Soziologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik"

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei