InstitutsMontage

20. Reihe: Die Europäische Gesellschaft
Ulrich Bielefeld: Europa - eine besondere Gesellschaftsformation?
15. Juni 2009
Die gegenwärtigen Erwartungen an Europa sind gering. Europa wird mit Bürokratie und Markt gleichgesetzt, mit ausufernder Verwaltung und befreiten Märkten. Gängelung und Entfesselung, nicht Gestaltung und Freiheit, sind die Bilder, die das Europabild zu beherrschen scheinen. Eine nicht legitime Herrschaftsordnung stülpe sich über ein Gebilde, das sich nicht zu einer Gesellschaft formen ließe. Den geringen Erwartungen stehen starke ideelle und materielle Interessen gegenüber. Denn die Öffnung der Märkte ist der erfolgreiche Versuch, ökonomische und nationalstaatliche Interessen stärker zu differenzieren. Die Vergrößerung der Märkte bedeutete eine Zunahme der Chancen und die Europäisierung des Rechts nicht nur Regulierung, sondern auch eine Zunahme subjektiver Rechte. Europa ist Markt, Recht und Regulierung, es beinhaltet eine veränderte Form einer nicht nationalstaatlichen, politischen Restrukturierung, es ist ein Elitenprojekt vor allem von Juristen, Politikwissenschaftlern, Verwaltern und Lobbyisten, klassischen ‚Interessenten der Macht’ (Max Weber). Aber können wir auch die Entstehung einer europäischen Gesellschaft beobachten? Entsteht ein Zusammenhang von rationaler Vergesellschaftung und emotionaler Vergemeinschaftung? Was sind die Koordinaten einer Gesellschaft, die sich nicht über Einheit selbst thematisieren kann?
PD Dr. Ulrich Bielefeld, Soziologe, Leiter des Arbeitsbereichs „Nation und Gesellschaft“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Moderation: Dr. Nikola Tietze, Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich „Nation und Gesellschaft“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

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