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Vorträge und Diskussionen

Vortrag

Shlomo Wolkowitz: Das Grab von Zloczow

21. April 1999

Tausende von Juden wurden in den ersten Julitagen 1941 von ukrainischen Nationalisten unter den Augen des deutschen Stadtkommandanten in der kleinen galizischen Stadt Zloczow ermordet. An den Massakern beteiligten sich einige Soldaten der Waffen-SS und der Wehrmacht, andere blieben Zuschauer, von denen einige die Morde fotografierten. Vorwand für das Massaker an der jüdischen Bevölkerung waren rund sechshundert Leichen in einem offenen Massengrab nahe der Festung. Es handelte sich um Häftlinge des sowjetischen Geheimdienstes, NKWD, die dessen Mitarbeiter vor dem Abzug der sowjetischen Verwaltung ermordet hatten. Deutsche Besatzer und ukrainische Nationalisten machten die Juden für die Ermordung der Häftlinge verantwortlich und zwangen sie, die Opfer des NKWD zu bergen, anschließend wurden fast 3000 Menschen - noch im Massengrab - erschlagen oder erschossen. Zu den wenigen Überlebenden gehörte der 18-jährige Student Shlomo Wolkowicz. Er hatte in den letzten Junitagen bei Verwandten Zuflucht gefunden. Drei Jahre hielt er sich vor den Besatzern versteckt, bis ihn Rotarmisten 1944 befreiten. Nach Kriegsende wanderte er zunächst nach Österreich, später nach Israel aus. Zwischen 1960 und 1971 sagte er mehrfach als Zeuge in Verfahren gegen NS-Verbrecher aus. Über seine Erlebnisse während der deutschen Besatzung konnte er erst nach mehr als vierzig Jahren sprechen. Auf Wunsch seiner Tochter schrieb er 1990 seine Erinnerungen nieder, die zuerst in Israel und Polen und 1996 auch in Deutschland veröffentlicht wurden.

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei