Vorträge und Diskussionen

Menschen ohne Papiere
Dirk Kohnert: Afrikanische Migranten vor der Festung Europa
26. Mai 2010
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Migranten aus Afrika dramatisch gestiegen. Die Europäische Union als Institution, sowie Ihre Mitgliedstaaten tragen in zweifacher Form eine Mitverantwortung für den anhaltenden 'Migrationsdruck': Erstens haben sie über Jahrzehnte hinweg, unter Missachtung der Prinzipien guter Regierungsführung, korrupte und autokratischer Regime in Afrika unterstützt. Die Nachwirkungen dieser Regime sind bis heute zu spüren. Zweitens trägt die EU zur ökonomischen Misere Afrikas bei, indem sie eine egoistische Außenhandelspolitik mit zerstörerischen Folgen für die Armen in Afrika betreibt. Obwohl die EU eine eingeschränkte und zeitlich begrenzte Zuwanderung von Afrikanern befürwortet, bleibt die die vorherrschende Perspektive fokussiert auf Sicherheit, Abschottung und Prävention.
Die dieser Politik zugrunde liegenden Konzepte der politischen Eingrenzung und Vorstrukturierung auf ökonomische ‚push‘ & ‚pull‘ Faktoren werden der Realität afrikanischer Migration aber nicht gerecht. Migration aus Afrika ist weder vollständig von externen Faktoren noch von rein individuellen Entscheidungen determiniert. Mobilität und Migration sind in vielen afrikanischen Gesellschaften eher die Regel und oft ausschlaggebender als unsere Wertevorstellungen von Stabilität und Sesshaftigkeit. Als soziales Phänomen ist Migration untrennbar verbunden mit den afrikanischen Kulturen, in die sie eingebettet ist. Dabei sind gerade die in lokalen Werten und Normen verankerten nicht-ökonomischen Gründe, die aus westlicher Sicht ‚irrational’ erscheinen, als wesentliche Bestimmungsfaktoren zu verstehen.
Auswanderung ist für die afrikanischen Migranten kein definitiver Abschied von der Heimat. Eher lässt sich von einer zirkulär praktizierten Migration sprechen. Migration lässt sich so als eine Art Lebensprojekt beschreiben.
Dr. Dirk Kohnert, GIGA Institut für Afrika-Studien in Hamburg
Moderation: Dr. Fatima Kastner, Rechtssoziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich "Nation und Gesellschaft" des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei
Fünfter Vortrag in der Reihe "Menschen ohne Papiere. Hamburger Beiträge zur Erforschung irregulärer Migration" von April bis Juni 2010 im Hamburger Institut für Sozialforschung

Per Mail weiterempfehlen