InstitutsMontage
In dieser seit 1999 durchgeführten Vortragsreihe berichten jeden ersten Montag im Monat Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts sowie externe Gäste zu einem bestimmten Themenschwerpunkt, über ihre aktuellen Forschungsprojekte. Die vergangenen Reihen der InstitutsMontage sind nach Themen und Jahren in chronologischer Sortierung archiviert.
Oktober 2010 - Februar 2011
InstitutsMontag: 23. Reihe: Gefährdung der Mitte? Soziale und politische Unsicherheiten in der Gegenwartsgesellschaft
Der Begriff der Mitte ist vielgestaltig und mehrdeutig. Trotz definitorischer Unsicherheiten gilt die Mitte als Fundament der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Mit knapp Zweidrittel der Bevölkerung stelle sie den maßgeblichen Träger des Wohlfahrtsstaates und seiner Solidarsysteme, der durch den Übergang von einem sorgenden zu einem gewährleistenden Staat und die Sparmaßnahmen in Bedrängnis gerate. Zudem basiere die als bürgerlich konnotierte Mitte auf bestimmten Familien- und Rollenmodellen, die sich ebenfalls in einem grundlegenden Wandel befinden. Konflikte um Status und Job etwa führen dazu, dass Abgrenzungen über Kategorien wie Bürgerlichkeit, Kultur und Bildung gegenüber einem gesellschaftlichen "unten", zu dem man nicht gehören möchte, weiter zunehmen.
Mit dem Begriff der Mitte verbindet sich auch die Vorstellung eines politischen Standortes. Mit Ausnahme der Partei "Die Linke", die aus einem geteilten Selbstverständnis ausschert, beanspruchen alle im Bundestag vertretenen Parteien die Mitte für sich. Was versprechen sich die Parteien von dieser Standortbestimmung und wie versuchen sie sich von extremistischen Organisationen abzugrenzen?
Zur sozialen und politischen Bedeutung der Mitte kommt eine geopolitische. In einem transnationalen europäischen Kontext stellt sich die Frage, wie die Partner mit ihren unterschiedlichen nationalstaatlichen Hintergründen in Zeiten einer globalen Finanzkrise als Akteure einer europäischen Mitte agieren.
4. Oktober 2010
Jens Hacke: Politische Bürgerlichkeit. Gibt es eine Ideologie der Mitte?
1. November 2010
Karin Jurczyk: Familie als Mitte, Familie in der Mitte? Gesellschaftliche Verschiebungen
6. Dezember 2010
Berthold Vogel: Der Abschied von der Mitte, die wir kannten? Neue Konturen der Arbeitswelt, veränderte For-men des Wohlfahrtsstaates
10. Januar 2011
Ulrich Bielefeld: Mitten in Europa. Varianten und Konflikte europäischer Selbstthematisierungen
7. Februar 2011
Wolfgang Kraushaar: Zur Topographie der Mitte
April - Juli 2010
InstitutsMontag: 22. Reihe: Politik der Sorge
Nach dem Vergehen des Neoliberalismus steht die Sorge um das Soziale auf der Tagesordnung. Es gibt einen ungeheuren Bedarf an sozialen Dienstleistungen, doch es ist unklar, wer dafür in die Pflicht genommen werden soll. Der Wohlfahrtsstaat zieht sich zurück, die Familie stellt nur noch den Namen für eine Vielfalt von Lebensformen dar und die Einzelnen erheben den Anspruch auf ein eigenes Leben. Es stellt sich die Frage, was diese Fundamentalliberalisierung der Lebensweisen für die Form unseres Zusammenlebens bedeutet. Wie wachsen heute Kinder auf? Wie werden Hochbetagte gepflegt? Wer ist überhaupt in der Lage, die Sorge für einen Anderen zu übernehmen? Mit der Formel von der "Politik der Sorge" wird ein Komplex von Institutionen, Verhaltensweisen und Wertorientierungen in den Blick genommen, die verhindern sollen, dass die Gesellschaft sich in ein Meer von Individuen auflöst, die bei aller Sorgen ums Ganze nur noch von sich aus denken, fühlen und handeln können. Es geht um das System der Anrechte, die Prozeduren der Sozialisation und um die Vorstellungen von einem Gemeinwesen, das den Mitgliedern einer Gesellschaft ein Gefühl von Solidarität und einen Sinn von Verpflichtung verleiht. Politiken der Sorge erheben den Anspruch, die Sorge um das Selbst mit der Sorge für "signifikante" Andere zu verbinden und darin eine Form des Zusammenlebens zu erkennen.
12. April 2010
Heinz Bude: Selbständigkeit und Sorge
3. Mai 2010
Janosch Schobin: Sorgende Freunde? Fragen an eine andere Lebensform
7. Juni 2010
Berthold Vogel: Wer trägt die Sorge für das Ganze? Anmerkungen zur Zukunft sozialer Staatlichkeit
5. Juli 2010
Ann Kathrin Scheerer: Krippe und Krippendiskussion: Ambivalenzen und Alarmaffekte
Ist kollektive Betreuung für Kleinstkinder gut und förderlich? Inwieweit muss oder kann kollektive Betreuung im frühen Kindesalter sogar familiäre Defizite kompensieren?
Oktober 2009 - März 2010
InstitutsMontag: 21. Reihe: Baustelle Kalter Krieg. Zeitgeschichte 20 Jahre nach dem Mauerfall
Für Historiker begann der Kalte Krieg eigentlich erst als er zu Ende war – 1989 nach der Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze und dem Fall der Mauer in Berlin, in den frühen 1990er Jahren, als die Sowjetunion und mit ihr der Warschauer Pakt zusammenbrach. Seit dieser Zeit wurden im Osten Archive zugänglich, die nach dem Willen ihrer Begründer für alle Zeit hätten geschlossen bleiben sollen. Eine Zeit lang machte gar das Wort von der "Archivrevolution" die Runde; davon kann, zumindest in Russland, mittlerweile keine Rede mehr sein. Dennoch sind die Folgen beträchtlich. Auch westliche Archive kamen in Zugzwang und gaben Bestände zum Teil früher, zum Teil in größerem Umfang als erwartet frei.
Die neuen Quellen wurden zum Anlass, neue Fragen an die Vergangenheit zu stellen; sie veränderten die Perspektive auf die gesamte Epoche des Kalten Krieges. Mehr noch: die beiden Dekaden seit 1989 gaben den Anstoß zu einem Paradigmenwechsel in der zeithistorischen Forschung. Zwei Beispiele: Konzentrierte sich früher das Interesse fast ausschließlich auf Ost und West, so finden heute Staaten im Süden und Norden die ihnen gebührende Aufmerksamkeit; statt der Fixierung auf Diplomatie und Militär geht es neuerdings auch um eine Gesellschaftsgeschichte des Kalten Krieges. Die Vortragsreihe widmet sich diesen Veränderungen an sieben Beispielen.
5. Oktober 2009
Bernd Stöver: Das Ende des Kalten Krieges in Osteuropa und der Zusammenbruch der UdSSR
2. November 2009
Bernd Greiner: Stand die Welt an der Schwelle zum Atomkrieg?
Neues zur Kuba-Krise
7. Dezember 2009
11. Januar 2010
Tim B. Müller: Intellektuelle Gegenentwürfe zum Kalten Krieg
1. Februar 2010
15. Februar 2010
Martin Schaad: "Dann geh doch rüber." Über die Mauer in den Osten
1. März 2010
Mai - Juli 2009
InstitutsMontag: 20. Reihe: Die Europäische Gesellschaft
Der Einigungsprozess der europäischen Union ist mit der Verfassungsdebatte ins Stocken geraten; der Erweiterungsprozess läuft umstritten weiter; immer mehr Bereiche in Wirtschaft und Politik werden EU-Normen unterstellt. Seit nahezu 60 Jahren haben einige europäische Staaten zunächst bestimmte Märkte, dann Politikbereiche und selbst nationale Selbstbilder europäisiert und stetig neue Länder in diesen Prozess einbezogen. Die neue Reihe der InstitutsMontage fragt, ob eine europäische Gesellschaft entstanden ist, wie sie beschrieben werden und welchen Anspruch auf Legitimität sie stellen kann.
Entstehen neue Bindungen, wenn die Bürger der EU Erwartungen und Ansprüche zunehmend im Horizont europäischer Vergleichsmaßstäbe formulieren und wenn Zugehörigkeiten ihre Eindeutigkeit und Eindimensionalität verlieren? Werden transnationale Solidaritätskonzepte entwickelt, um die Ungleichheiten des Binnenmarktes auszugleichen? Entsteht trotz der Sprachenvielfalt eine gemeinsame Öffentlichkeit? Die Vorträge fragen, ob die entstehenden neuen Konfliktkonstellationen und Strukturen die Bildung einer europäischen Gesellschaft verhindern oder sogar ihre Voraussetzung und ihr Kennzeichen sind.
4. Mai 2009
Nikola Tietze: Einheitsstreben und kultureller Pluralismus in Europa
11. Mai 2009
Maurizio Bach: Politische Integration und gesellschaftliche Desintegration in Europa
8. Juni 2009
Steffen Mau: Ungleichheit und Solidarität in Europa
15. Juni 2009
Ulrich Bielefeld: Europa - eine besondere Gesellschaftsformation?
6. Juli 2009
Étienne Balibar: Idee Europa – Identität, Zivilisation, Verfassung
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Oktober 2008 - Februar 2009
InstitutsMontag: 19. Reihe: Bedroht, abgehängt, ausgeschlossen.
Symptome sozialer Spaltung
Soziale Ungleichheiten gewinnen an Schärfe. Die soziologische Diagnostik sieht sich durch die Veränderungen der Arbeitswelt, des Sozialstaates oder der Generationenbeziehungen herausgefordert. Wer ist von Statusverlust und materiellem Abstieg bedroht? Wer läuft Gefahr, von sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Teilhabe ausgeschlossen zu werden? An welchen Nahtstellen des Sozialen spaltet sich die Gesellschaft? Unstrittig scheint zumindest, dass alle diese Fragen nicht mehr auf Randzonen begrenzt sind. Sie haben sich angesichts verfestigter Arbeitslosigkeit, ins Rutschen geratener Wohlstandspositionen und finanziell erschöpfter Sicherungssysteme zu Fragen der Mehrheitsgesellschaft entwickelt. Die InstitutsMontage gehen auf die Suche nach den Symptomen sozialer Spaltung. Verschiedene soziale Klassen und Gruppen kommen in den Blick: Diejenigen, die vom Wohlstand ausgeschlossen sind, aber auch jene, die um ihn fürchten. Neben den Erfahrungen sozialer Spaltungen werden zugleich deren strukturelle Ursachen zur Sprache gebracht. Die Beiträge der Vortragsreihe stellen dementsprechend die Einrichtungen des Sozialstaates, die Organisation seiner Dienste und die Gestalt der Daseinsvorsorge auf den Prüfstand.
13. Oktober 2008
Heinz Bude: Inklusion und Exklusion. Die Ausgeschlossenen in Deutschland
3. November 2008
Stephan Lessenich: Die Neuerfindung des Sozialen. Zur Politischen Soziologie der Aktivgesellschaft
1. Dezember 2008
Hans-Jürgen Andreß: Armut trotz Reichtum. Eine neue gesellschaftliche Spaltungslinie
12. Januar 2009
Jürgen Oßenbrügge: Benachteiligte Quartiere. Prozesse räumlicher Segregation
2. Februar 2009
Berthold Vogel: Wohlstandskonflikte. Die soziale Frage, die aus der Mitte kommt
Januar - Juli 2008
InstitutsMontag: 18. Reihe: Das Recht in der Weltgesellschaft
Globaler Handel, internationale und transnationale Wissenschaftskooperationen und weltweite Kommunikation werden als Indikatoren einer entstehenden Weltgesellschaft gedeutet. Die normative Regelung, Ordnung und Steuerung dieser Phänomene wird jedoch weiterhin als rein nationalstaatliche bzw. interstaatliche Angelegenheit angesehen. Ist es sinnvoll jenseits des Nationalstaates nach gesellschaftlichen und rechtlichen Prozessen der Selbstorganisation in globalen Kontexten zu suchen? Gibt es sich selbst konstituierende Rechtsbildungsprozesse im globalen Raum? Verliert der Nationalstaat sein Rechtsetzungs- und Rechtsgenerierungsmonopol oder entstehen parallel hierzu transnationale Verfassungsbildungsregime? Diese Fragen sollen aus sozialwissenschaftlicher und rechtstheoretischer Perspektive problematisiert werden.
7. Januar 2008
Ulrich Bielefeld: Nation und Weltgesellschaft
4. Februar 2008
Michael Zürn: Recht und Legitimität in der postnationalen Konstellation
3. März 2008
Gerd Hankel: Funktion und Bedeutung internationaler Strafgerichte
7. April 2008
Catherine Colliot-Thélène: Das Rechtssubjekt in der Weltgesellschaft
5. Mai 2008
Bernd Greiner: Politik ohne Grenzen
2. Juni 2008
7. Juli 2008
Februar - Dezember 2007
InstitutsMontag: 17. Reihe: Wie weiter mit...?
Schlägt man die letzten Seiten von Jürgen Habermas’ "Theorie des kommunikativen Handelns" und Niklas Luhmanns "Die Gesellschaft der Gesellschaft" auf, so stellt man fest, dass das Werk des einen nur ein Personen-, das des anderen nur ein Sachregister enthält – und wenn man die beiden Werke darüber hinaus auch liest, stellt man fest, dass diese unterschiedliche Registergestaltung auch die unterschiedlichen Ambitionen der Werke markiert. Worum soll es gehen: um synthetisierenden und anschlußsuchenden Bezug zu folgenreich Gedachtem oder um analytischen Sachbezug, dem die Theorietradition zur papiergewordenen Spur historisch beschränkter Perspektiven werden muss?
Man könnte solche Unterschiede ihrerseits theoretisch dramatisieren, man könnte sie aber auch zu Geschmacksfragen erklären. Will man beide Extrempositionen vermeiden, bleibt wohl nur zu konstatieren, dass, will man nicht bloße Ideengeschichte betreiben, der Bezug auf bestimmte Theoretikerinnen und Theoretiker nur hinsichtlich der Sach- und Problembezüge interessant ist, die sie uns zum ersten Mal in einer bestimmten Art und Weise sehen gelehrt haben, und von denen wir nach wie vor meinen, dass sie von Belang seien. Umgekehrt halten wir bestimmte Sach- und Problembezüge nur darum für belangvoll, weil wir durch höchst individuelle und durch spezifische historische Kontexte geprägte Sichtweisen gelernt haben, sie in einer bestimmten Weise, vielleicht sie überhaupt zu sehen.
Die Vortragsreihe "Wie weiter mit … ?" soll die Werke ganz unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Theoretikerinnen und Theoretiker hinsichtlich der Frage durchmustern, inwieweit wir ihren Blick auf die sozialen Fragen und Probleme noch teilen können, wollen oder müssen. Die Auswahl der Namen ist insofern nicht willkürlich, als keine Vortragsreihe mit diesem Programm ohne diese Namen auskäme – sie ist insofern willkürlich, als natürlich noch sehr viel mehr Namen – darunter etliche klassische Klassiker - auftauchen könnten, die in gleicher Weise der Erörterung wert gewesen wären. Bei der Auswahl der Namen waren nur zwei Kriterien maßgebend: Die Beschränkung auf das 19. und 20. Jahrhundert und auf nicht mehr lebende Autoren und Autorinnen.
5. Februar 2007
Heinz Bude: Wie weiter mit Karl Marx?
5. März 2007
Ulrich Bielefeld: Wie weiter mit Max Weber?
2. April 2007
Jan Philipp Reemtsma: Wie weiter mit Sigmund Freud?
7. Mai 2007
Beatrice Heuser: Wie weiter mit Carl von Clausewitz?
4. Juni 2007
Matthias Koenig: Wie weiter mit Émile Durkheim?
2. Juli 2007
Wolfgang Bonß: Wie weiter mit Theodor W. Adorno?
1. Oktober 2007
Peter Schöttler: Wie weiter mit Marc Bloch?
8. Oktober 2007
Rahel Jaeggi: Wie weiter mit Hannah Arendt?
5. November 2007
Armin Nassehi: Wie weiter mit Niklas Luhmann?
3. Dezember 2007
November 2006 - Januar 2007
InstitutsMontag: 16. Reihe: Vom Einwanderungsland zur pluralistischen Gesellschaft
Politiker streiten gegenwärtig darüber, wie viel Pluralität die Schule vertragen kann, wenn sie ihre Funktion, zukünftige Staatsbürger zu erziehen, erfüllen soll. Im alltäglichen Miteinander von Schülern und Lehrern treffen darüber hinaus unterschiedliche Vorstellungen von Zugehörigkeit aufeinander, bilden sich Identitäten heraus oder verfestigen sich. Wissensvermittlung und Erlernen gesellschaftlicher Regeln im Einwanderungsland Deutschland stehen somit zwangsläufig im Kontext von Fragen nach dem Umgang mit Unterschieden zwischen sozio-ökonomischen Milieus und der Vielfalt kultureller Bezüge, religiöser Überzeugungen oder sprachlicher Identitäten. Die Pluralität, die die Schule herausfordert, stellt ein grundlegendes Element des europäischen Selbstverständnisses dar. In „Vielfalt geeint“ wie es in der Präambel des europäischen Verfassungsentwurfs heisst, formulieren die Mitgliedstaaten der EU Verordnungen und Richtlinien, die die nationalen Einheitsvorstellungen in Frage stellen. Die Sprachenpolitik europäischer Institutionen ist ein Beispiel dafür, wie Pluralisierungsprozesse im Zuge der Einigung Europas in ein Spannungsverhältnis zu nationalstaatlichen Integrationsbedürfnissen treten können. Die Vorstellungen von der Nation stimmen nicht mit der faktischen Pluralisierung der Bevölkerung und den im europäischen Recht verankerten Pluralismusidealen überein. Sie gehorchen anderen Imperativen, dennoch tragen sie maßgeblich zur Formulierung von Einwanderungs- und Integrationspolitik bei. Die Entwicklung der nationalen Selbstthematisierung in der Bundesrepublik ist somit ein entscheidender Faktor für die Regelung pluralistischer Gesellschaftsbeziehungen.
6. November 2006
4. Dezember 2006
8. Januar 2007
Ulrich Bielefeld: Von der ethnischen zur demographischen Nation
April - Juni 2006
InstitutsMontag: 15. Reihe: Die Wiederherstellung des Sozialen
Den Takt der gesellschaftspolitischen Reformdebatten schlagen Sozialtechnokraten und Ressentimentvirtuosen. Beide suggerieren der nervösen Öffentlichkeit, dass die Wohlstandsmaschine rasch wieder in Gang zu bringen sei, wenn nur die richtige Rezeptur für den Patienten Deutschland gefunden ist. Doch die tiefen Spaltungen der Arbeitswelt, die irreversible demographische Entwicklung und die enormen fiskalischen Probleme der staatlichen und privaten Wohlfahrtsproduktion legen die Vermutung nahe, dass es mit einem Griff in die steuerpolitische und versicherungstechnische Handwerkskiste oder mit eifriger Ruckrhetorik nicht getan ist. Das Soziale muss neu gedacht und justiert werden.
Hierzu ist es notwendig, aus unterschiedlichen Richtungen auf das Soziale zu blicken: aus der Perspektive der Staatsbedürftigkeit, aus dem Blickwinkel zivilgesellschaftlicher Organisation und unter dem Aspekt gestärkter Subsidiarität. Im Sinne einer engagierten „Verteidigung der Gesellschaft“ (Foucault) geht es heute mehr denn je darum, den Wohlfahrtstaat als Verwaltung des Sozialen neu zu bestimmen, die intermediäre Organisation in ihrer sozialen Bindungskraft zu problematisieren oder nach der sozialen Leistungskraft der Familien zu fragen. Die Vortragsreihe greift diese Herausforderungen auf. Ausgehend von aktuellen Forschungen im Institut geht es um Ausblicke auf eine Politik der Stärkung des Sozialen.
3. April 2005
Berthold Vogel: Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft
8. Mai 2005
Jörn Pyhel: Gewerkschaften als Ordnungsfaktor
12. Juni 2006
Oktober 2005 - März 2006
InstitutsMontag: 14. Reihe: Neues zu einem alten Thema: Betrachtungen zum Kalten Krieg
Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die Voraussetzungen zur historischen Erforschung dieser Ära in vielerlei Weise geändert. Zum Einen erlaubt der zunehmende zeitliche Abstand einen veränderten, nicht länger von der Konfliktkonstellation selbst überformten Blick. Zum Anderen stehen neue Quellen zur Verfügung, deren Auswertung noch Jahre dauern wird. Und nicht zuletzt beginnen sich die Fragestellungen zu ändern – zu Lasten von einer auf Diplomatie- und Militärgeschichte fixierten Historiographie und zu Gunsten einer Gesellschaftsgeschichte des Kalten Krieges, die nach den Dynamiken und Veränderungsprozessen im Inneren der beteiligten Staaten fragt. So haben jüngst abgeschlossene Studien, um nur ein Beispiel zu nennen, gezeigt, welche Spuren die große Politik in der vermeintlich unpolitischen Welt des Sports hinterlassen hat – von der Vergabe finanzieller Mittel bis in den Alltag der Athleten.
Vom Herbst 2005 bis zum Frühjahr 2006 wird im Rahmen der InstitutsMontage der neue Blick auf ein altes Thema an ausgewählten Beispielen vorgestellt, darunter Themen, die seit vier Jahren am Hamburger Institut für Sozialforschung von einer Forschergruppe bearbeitet werden.
10. Oktober 2005
7. November 2005
Klaus Naumann: Streitkräfte unter Hochspannung - Die Bundeswehr des Kalten Krieges
5. Dezember 2005
9. Januar 2006
6. Februar 2006
Jan Philipp Reemtsma: Die Spaltung der Welt im Werk Arno Schmidts
6. März 2006
Inge Marszolek: Symbolische Inszenierungen und Repräsentationen des Kalten Krieges
März - Juni 2005
InstitutsMontag: 13. Reihe: Die RAF und der internationale Terrorismus
In der Geschichte der Bundesrepublik hat keine andere Organisation die Demokratie so sehr herausgefordert wie die Rote Armee Fraktion (RAF). Die Frage, wie auf ihre Kriegserklärung an den Staat angemessen zu reagieren sei, hat seinerzeit an das Grundgerüst des verfassungs-rechtlichen Selbstverständnisses gerührt. Obwohl die Ansicht verbreitet ist, daß dieses historische Kapitel so gut wie aufgeklärt sei, steckt die quellengestützte Forschung eher noch in den Anfängen.
Von allen Aspekten, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind, liegt besonders der der internationalen Verflechtungen, am stärksten im Dunkeln. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil die RAF mit dem bewaffneten Kampf erst begonnen hat nachdem ihre Gründungsmitglieder zuvor in palästinensischen Trainingslagern ausgebildet worden sind.
Die historische Erforschung des RAF-Terrorismus hat sich weitgehend auf den bundesdeutschen Kontext konzentriert. Angefangen mit der Nacherzählung der Biographien von Ulrike Meinhof, Andreas Baader und anderer vor dem Hintergrund einer nur unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wurde eine quasi-nationale Optik verfolgt. In dem sich dabei herausschälenden Narrativ ist die internationale Dimension mit der Schlüsselstellung palästinensischer Organisationen bislang stark vernachlässigt worden. Erst durch die Sichtbarmachung dieser transnationalen Dimension ist es möglich, die Frage nach den historischen Wurzeln, den Zielsetzungen und den Eigentümlichkeiten des bundesdeutschen Terrorismus auf komparative Weise genauer beantworten zu können.
Die InstitutsMontage befassen sich in verschiedenen Vorträgen mit der Gründung von Parallelorganisationen in vergleichbaren Industrienationen, die sich einem ähnlichen Kontext – der Radikalisierung einer Studentenbewegung im Zuge einer weltweiten Protestbewegung gegenüber dem Vietnamkrieg der USA – verdanken. Möglicherweise erlaubt ein Vergleich der RAF mit Gruppierungen wie den "Roten Brigaden" in Italien, den "Weathermen" in den USA und der "Roten Armee" in Japan, ihre Geschichte genauer spezifizieren und analytisch besser begreifen zu können.
7. März 2005
Wolfgang Kraushaar: Im Schatten der RAF. Zur Entstehung der Revolutionären Zellen
4. April 2005
Claudia Derichs: Die japanische Rote Armee im internationalen Kontext
2. Mai 2005
6. Juni 2005
Jan Philipp Reemtsma: Was heißt "die Geschichte der RAF verstehen"?
November 2004 - Februar 2005
InstitutsMontag: 12. Reihe: Der neue/alte Antisemitismus
In der Reihe sollen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschrieben und in ihren historischen, empirischen und theoretischen Einbettungen untersucht werden, um Wandel und Kontinuitäten sichtbar zu machen. Gibt es markante, für Veränderungen typische Charakteristiken oder verstecken sich dahinter nur allzu bekannte Codes? Gibt es eine Verschiebung vom nationalen Antisemitismus zu einem postnationalen? Diesen und anderen Fragen wird in der Vortragsreihe nachgegangen.
1. November 2004
Klaus Holz: Neuer Antisemitismus? Wandel und Kontinuität der Judenfeindschaft in Europa
6. Dezember 2004
Werner Konitzer: Antisemitismus und Moral
10. Januar 2005
Julijana Ranc: Juden, Tschekisten, Ungläubige - postsowjetische Ressentiments auf deutsch
7. Februar 2005
Ulrich Bielefeld: Der gegenwärtige Antisemitismus
Tendenzen und Interpretationen
März - Juni 2004
InstitutsMontag: 11. Reihe: Europa der Ressentiments?
Der neue/alte Antisemitismus
Antisemitismus nach 1945 weiß immer vom tatsächlich durchgeführten Massenmord. Seit 1948 gibt es zudem den Staat Israel. Antisemitismus war keine bloße und unappetitliche, aber politisch funktionalisierbare Einstellung mehr, er war sozial und politisch weitgehend tabuisiert. Fast 60 Jahre später ist der Antisemitismus erneut aktuell und es gibt neue Trägergruppen. Tendenziell fällt das Tabu, mit dem der Antisemitismus belegt war. Es stellt sich die Frage, ob er sogar wieder soziale und politische Funktionen in post-souveränen nationalen Gesellschaften erhalten kann. Gerade für den Antisemitismus gilt: es ist notwendig, sich seiner alten Form zu vergewissern und die aktuellen Entwicklungen zu beobachten. In der Vortragsreihe soll, soweit es möglich ist, versucht werden, den gegenwärtigen Antisemitismus zu beschreiben und zu erfassen und die Kontinuitäten und Variationen zu bestimmen.
1. März 2004
Michel Wieviorka: Die Erneuerung des Antisemitismus. Der französische Fall
5. April 2004
Juliane Wetzel: Antisemitismus in Europa
3. Mai 2004
7. Juni 2004
Peter Pulzer: Kontinuität oder Neuentwicklung? Der gegenwärtige politische Antisemitismus
November 2003 - Februar 2004
InstitutsMontag: 10. Reihe: Generationen in der intellektuellen Geschichte der Bundesrepublik
Die Reihe befaßt sich mit dem intellektuellen Leben der Bundesrepublik als Abfolge, Überschneidung und Konfrontation von Generationen, die ihre Erfahrungsbilanzen, Erinnerungsformen und Weltdeutungen als Geist ihrer jeweiligen gesellschaftlichen und geschichtlichen Situation erfassen und verteidigen. Man erkennt Wahlverwandtschaften zwischen sich politisch sonst diametral gegenüberstehenden Autoren, die vor allen damit zusammenhängen, dass sie einer Generation entstammen. Dadurch berühren sich Positionen, die eigentlich auf unterschiedlichen Seiten stehen, und entfernen sich Denker, die man gewöhnlich im Kontext einer Schule sieht. So entsteht ein Bild von der intellektuellen Geschichte der Bundesrepublik, die von Brüchen und Kontinuitäten, von Polaritäten und Allianzen, von Kehrtwendungen und Anschlüssen gleichermaßen geprägt ist.
3. November 2003
Heinz Bude: Die Heroen des Anfangs. Die Gründergeneration der westdeutschen Nachkriegssoziologie.
1. Dezember 2003
Lutz Niethammer: "Ego-Histoire" in Generationenperspektive
5. Januar 2004
2. Februar 2004
Klaus Naumann: Institution und Generation? Prägungen des Offizierkorps der Bundeswehr
April - Juli 2003
InstitutsMontag: 9. Reihe: Die Bürger der Bundesrepublik
Die Vortragenden fragen nach der Kontinuität und Diskontinuität von Bürgertum und Bürgerlichkeit nach 1945. Welchen Anteil hatten die bürgerlichen Kreise und bürgerlichen Werte an der Einführung einer demokratisch stabilen Gesellschaft in der Bundesrepublik?
Gefragt wird nach Werten und Formen des Bürgertums nach 1989 und dessen Rolle im nunmehr post-sozialistischen Staat. Hatten und haben sie Anteil an einem Wandel der dortigen Gesellschaft?
7. April 2003
Klaus Naumann: Schlachtfeld & Geselligkeit - Die ständische Bürgerlichkeit des Bundeswehroffiziers
5. Mai 2003
Manfred Hettling: Wie aktuell ist die bürgerliche Tradition?
7. Juli 2003
November 2002 - März 2003
InstitutsMontag: 8. Reihe: Populismus in der individualisierten Gesellschaft
4. November 2002
Heinz Bude: Mehrheitspolitik in der Gesellschaft der Individuen
2. Dezember 2002
Wolfgang Kraushaar: Politik der Auslassungen
6. Januar 2003
Ulrich Bielefeld: Verdeckte Panik
3. Februar 2003
Dietmar Loch: Denationalisierung und (Rechts-)Populismus in Europa
3. März 2003
Thomas Meyer: Mediokratie. Auswirkungen des Mediensystems auf Demokratie und Politik
März - Juli 2002
InstitutsMontag: 7. Reihe: Gruppen und Kollektive - Die Politisierung von Gemeinschaften
4. März 2002
Michael Wildt: Unheiliges Land. Eindrücke aus Israel
8. April 2002
Ulrich Bielefeld: Identitätspolitik - Wie bilden sich politische Kollektive heute?
6. Mai 2002
Wolfgang Kraushaar: "Woodstock Nation" - Zur Codierung einer Gegenkultur
1. Juni 2002
Heinz Bude: Die Überflüssigen als virtuelle Klasse
1. Juli 2002
Nikola Tietze: Zwischen Ideologie und Utopie: Kabylisch in der Immigration
November 2001 - Februar 2002
InstitutsMontag: 6. Reihe: Krieg und Gewalt im 20. Jahrhundert
5. November 2001
Jan Philipp Reemtsma: Kriegsverbrechen und Gesellschaftsanalyse
3. Dezember 2001
Bernd Greiner: Der Angriff auf Pearl Harbour oder: Amerikas Weg in die permanente Hochrüstung
7. Januar 2002
4. Februar 2002
April - Juli 2001
InstitutsMontag: 5. Reihe: Grenzziehungen - Grenzübertritte:
Beobachtungen zu Stereotypen und Tabus
Januar - März 2001
InstitutsMontag: 4. Reihe: Kriege und Umbrüche im Zeitalter ihrer medialen Inszenierbarkeit
Oktober - Dezember 2000
InstitutsMontag: 3. Reihe: Aspekte des Epochenwechsels
März - Juli 2000
InstitutsMontag: 2. Reihe: Täter, Tatorte und Gedächtnis. Gewalt und ihre Opfer im 20. Jahrhundert
6. März 2000
3. April 2000
Bernd Greiner: "You'll Never Walk Alone". Amerikanische Reaktionen auf Kriegsverbrechen in Vietnam
8. Mai 2000
5. Juni 2000
Cornelia Berens: Arbeit am Trauma. Lagererfahrung und Literatur
3. Juli 2000
Oktober 1999 - Februar 2000
InstitutsMontag: 1. Reihe: Macht und Deutungsansprüche. Eliten im 20. Jahrhundert.
4. Oktober 1999
Michael Wildt: Generation des Unbedingten. Eine Kollektivbiographie des Reichssicherheitshauptamtes
1. November 1999
Klaus Naumann: Altes Personal, neue Politik? Die Sicherheitselite der frühen Bundesrepublik
6. Dezember 1999
Ulrich Bielefeld: Ein normales Leben. Ernst von Salomon und die Bundesrepublik Deutschland
7. Februar 2000
Bernd Ulrich: Gibt es ein Bürgertum nach 1945? Aspekte einer alten Debatte
28. Februar 2000

