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InstitutsMontage

In dieser seit 1999 durchgeführten Vortragsreihe berichten jeden ersten Montag im Monat Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts sowie externe Gäste zu einem bestimmten Themenschwerpunkt, über ihre aktuellen Forschungsprojekte. Die vergangenen Reihen der InstitutsMontage sind nach Themen und Jahren in chronologischer Sortierung archiviert.

 

Oktober 2014 - Februar 2015
InstitutsMontag: Zukunft der Ungleichheit

Die Zukunft sozialer Ungleichheit kann heute nicht mehr nur aus der Logik nationaler Gesellschaften verstanden werden. Im Weltmaßstab zeigt sich Ungleichheit allerdings als widersprüchliche Figur. Die Expansion globaler Handels- und Produktionsketten in den vergangenen Jahrzehnten hat neue Spieler auf die internationale Landkarte gesetzt, die vor kurzem im Konzert der Mächtigen noch keine Stimme besaßen. Zugleich schreiten sowohl innerhalb der Aufsteigernationen des Weltmarktes als auch in der alten OECD-Welt Prozesse sozialer Spaltung voran. Weltweit scheint wirtschaftliche Entwicklung heute keinen Aufstieg für alle zu versprechen, sondern potenziert das Risiko sozialen Ausschlusses. Klassische Unterscheidungen  zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern oder globalem Norden und Süden verlieren zudem an Evidenz, weil die Gleichzeitigkeit verschiedener Gegenwarten nicht mehr in der Logik nachholender Modernisierungsprozesse verstanden werden kann. Damit wird sowohl im globalen, wie auch im nationalen Maßstab Zukunft zu einem offenen Feld und wirft damit Fragen der politischen Gestaltung auf.

 

13. Oktober 2014

Heinz Bude: Brennpunkte sozialer Spaltung

3. November 2014

Manuela Boatcă: Ungleiche Staatsbürgerschaften
Zur globalen Strukturierung des Nationalen

1. Dezember 2014

Göran Therborn: Missing In The Indignation Against Inequality
An Egalitarian Perspective

5. Januar 2015

Friederike Bahl, Philipp Staab: Machtasymmetrien und Zukunftsverlust
Ungleichheitsperspektiven im unteren Dienstleistungssegment

2. Februar 2015

Karl Ulrich Mayer: Gibt es noch Eliten in Deutschland?

 

März - Juli 2014
InstitutsMontag: Krieg und Krise. Mechaniken der Gewalt im Ersten Weltkrieg

Als der serbische Nationalist Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie erschoss, sahen die meisten Zeitgenossen darin vor allem eine erneute Zuspitzung der jahrelangen Spannungen auf dem Balkan. Ein dritter Balkankrieg schien nach diesem Attentat greifbar nahe, eine weitere Eskalation der Gewalt galt allerdings keineswegs als zwangsläufig. Noch am 30. Juli 1914 notierte Viktor Klemperer in sein Tagebuch, dass er weiterhin an die Erhaltung des Friedens in Europa glaube: "Alles wird mobilisieren und dann haltmachen und sich knurrend vertragen." Zwei Tage später begann der Erste Weltkrieg. Dass es im Sommer 1914 nicht gelang, einen zwar gravierenden, aber dennoch regionalen Konflikt politisch wie militärisch zu begrenzen, verweist auf die Interdependenzen zwischen lokalen, nationalen wie auch globalen Konfliktdynamiken. Sowohl das "Balkan-Szenario" (Christopher Clark) wie auch andere Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs erlauben es, die Mechaniken solcher Großkonflikte, ihre situativen Beschleunigungen wie auch strukturellen Kulissen analytisch genauer in den Blick zu nehmen. Regionale, nationale wie auch imperiale Machtinteressen griffen hierbei ebenso ineinander wie differierende Vorstellungen über die (staats-)politische, ökonomische und ethnische Ordnung Europas. Mit dem Attentat in Sarajevo begann vor einhundert Jahren ein Weltkrieg, der alles andere als unvermeidbar war, und der dennoch zur "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" (George F. Kennan) eskalierte.

 

3. März 2014

Herfried Münkler: Der Erste Weltkrieg. Konfliktdynamiken im Sommer 1914

7. April 2014

Tim B. Müller: Demokratie im Krieg. Die Formierung moderner Demokratien in Europa

5. Mai 2014

Michael Schwartz: "Ethnische Säuberungen" in der Moderne. Homogenisierungspolitik im Kontext des Ersten Weltkrieges

2. Juni 2014

Valeska Huber: Knotenpunkt und Kriegsarena: Der Suezkanal im Ersten Weltkrieg

7. Juli 2014

Claudia Weber: Großer Krieg und "kleine" Interessen. Der Balkan im Ersten Weltkrieg

 

Oktober 2013 - Februar 2014
InstitutsMontag: 29. Reihe: Gesellschaft der Minderheiten

Die traditionale europäische Gesellschaft kann man sich im Bild einer Prozession vorstellen. Hinter der Fahne des Herrschers versammeln sich die Menschen, nach Gruppen geordnet, hinter ihren je eigenen Symbolen. Herrscher und in seltenen Fällen die Herrscherin symbolisierten einen Zusammenhang, der sich nicht zu einer Einheit verdichtete. Die Nation ließ die Gruppen und die Einzelnen im Prozess der ökonomischen und politischen Vereinheitlichung und Vereinfachung fiktiv und tatsächlich verschmelzen. Gefühle und Interessen verbanden große Gruppen von Menschen miteinander und ließen die Grenzen zu anderen umso schärfer werden. Auf das faktische und oft dramatische Scheitern der Vereinheitlichungen im 20. Jahrhundert gab es schließlich zwei Antworten. Der Forderung nach Selbstbestimmung der Gruppen, stand und steht in Europa die, auch institutionelle, „Formveränderung“ des Nationalen gegenüber.
 
Das Problem der Anderen wurde in diesen Prozessen nicht gelöst, sondern in anderer Form institutionalisiert. Integration konnte weder behauptete Voraussetzung bleiben noch ein, mit allen Mitteln zu erreichendes, Ende der sich allmählich ausbildenden europäischen Gesellschaft sein. Die europäische Gesellschaft konstituierte sich in der Notwendigkeit, mit den gegenwärtigen sozialen, ethnischen und rassistischen Diskriminierungen auch deren Vergangenheiten zu thematisieren. Die Dynamik der weiterlaufenden Prozesse der Grenzbildungen und der Entgrenzungen zeigt eine veränderte Stellung der Gruppen in einer Gesellschaft der Minderheiten.

 

7. Oktober 2013

Klaus-Michael Bogdal: Faszination und Verachtung. Die Ausgrenzungsgeschichte der 'Zigeuner'

4. November 2013

Norbert Cyrus: Unsichtbare Minderheit. Status und Rechte irregulärer Migranten

2. Dezember 2013

Nikola Tietze: Religion als Unterscheidungskategorie
Alterität oder Identität?

6. Januar 2014

Teresa Koloma Beck: Globalisierung und Gewaltkonflikte
Die "Angst vor den Wenigen"

3. Februar 2014

Erol Yildiz: Die weltoffene Stadt. Vom hegemonialen Diskurs zur Alltagspraxis

 

März - Juli 2013
InstitutsMontag: 28. Reihe: Reden wir über...
...Kapitalismus, Gesellschaft, Raum, Klasse und Gewalt

Schlagworte wie Umstrukturierung, Krise, Kontinuitätsbruch, Transformation gehören derzeit zum festen Vokabular öffentlicher Debatten. Die Sozialbeziehungen, die Arbeitswelt, Wohlfahrtsstaatlichkeit, oder auch Ökonomie haben sich, so die Gegenwartsdiagnose, grundlegend gewandelt. Was taugen angesichts solcher Befunde und Wahrnehmungen die klassischen sowie erprobten Begriffe der Sozialwissenschaften? Wie sollen wir über Gesellschaft, Klasse, Kapitalismus, Raum oder Gewalt weiter reden, wenn wir den Eindruck haben, dass sich alles verändert?


In der Soziologie und Geschichtswissenschaft fassen Begriffe Beschreibungen zusammen, ordnen Beobachtungen ein sowie zu und bieten Erklärungen an. Sie gründen auf Vorstellungen über gesellschaftliche Verhältnisse und entstehen in der Auseinandersetzung mit jenen. Insofern sind ihre Bedeutungen und Verwendungen intrinsisch mit historischen Erfahrungen, mit Streit über die jeweils angebotene Interpretation wie auch mit politischen Ideen verbunden. Die Vorträge dieser Reihe fragen vor dem Hintergrund gegenwartsdiagnostischer Befunde und zeitgeschichtlicher Forschung nach den Beschreibungs- und Erklärungspotenzialen der Begriffe Gesellschaft, Klasse, Kapitalismus, Raum und Gewalt. Wie werden die Beobachtungen über sozialen, ökonomischen und politischen Wandel eingeordnet, wenn sie mithilfe dieser Begriffe beschrieben werden? Was erklären diese Begriffe im Hinblick auf den beobachteten Wandel? Welche gesellschaftstheoretischen oder auch gesellschaftskritischen Impulse werden gesetzt, wenn über Gesellschaft, Klasse, Kapitalismus, Raum oder Gewalt geredet wird?

 

4. März 2013

Klaus Dörre: ...Kapitalismus

8. April 2013

Peter Wagner: ...Gesellschaft

6. Mai 2013

Ulrike Jureit: ...Raum

3. Juni 2013

Christiane Reinecke: ...Klasse

1. Juli 2013

Jan Philipp Reemtsma: ...Gewalt

 

Oktober 2012 - Februar 2013
InstitutsMontag: 27. Reihe: Anders statt mehr. Wachstum, Wohlstand, Gerechtigkeit

Die Formel "Mehr von allem" wird einer Praxis des "Anders statt mehr" weichen müssen. Dieses Anders bezieht sich vor allem auf die künftige Bewirtschaftung und Herstellung öffentlicher Güter und Dienstleistungen. Daraus ergeben sich Fragen und Konflikte. Welche Rolle kommt dem Staat in Zeiten des Wandels zu, wie hat er die Rechte und Interessen der Bürger zu schützen? Welche Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensmodelle sind längerfristig tragfähig? Welche "Wohlstandskonflikte" impliziert die Zukunftsgestaltung? Was heißt Gerechtigkeit im Verhältnis zwischen den Generationen?

Eine umfangreiche zeitdiagnostische und gesellschaftswissenschaftlich relevante Literatur wie auch zahlreiche NGOs entwickeln gegenwärtig Vorschläge, um auf diese und ähnliche Fragen zu antworten. Vor diesem Hintergrund werden der Umbau der technischen und sozialen Infrastruktur öffentlicher Güter, das notwendig gewordene ökologische Reformprogramm der Wohlfahrtsstaatlichkeit, die Forderungen nach der Stärkung der Gemeingüter (Commons) und die Subventionspolitik in der Güter- und Dienstleistungsproduktion ins Auge gefasst. Diskutiert wird, welche Rolle die lokale Ökonomie für eine nachhaltige Entwicklung des städtischen Raums einnehmen kann und sollte. Eine Praxis des "Anders statt mehr" steht zwangsläufig auch im Zusammenhang mit Fragen nach gleichberechtigtem Zugang zu und gleichberechtigten Beteiligungsmöglichkeiten an öffentlichen Gütern, Gemeingütern und lokaler Ökonomie. Wie werden die Grundfreiheiten in der Postwachstumsgesellschaft berücksichtigt?

 

8. Oktober 2012

Sophie Wolfrum: Post-Oil City. Die Stadt der Moderne überwinden

5. November 2012

Lisa Grabe, Andreas Pfeuffer: Beraten, pflegen, verteilen.
Öffentlicher Dienst unter Veränderungsdruck

3. Dezember 2012

Sabine Stövesand: Weder Standort, noch Unternehmen. Die Stadt als Gemeinwesen

7. Januar 2013

Heinz Bude: Generationengerechtigkeit: Das Immer-Weniger nach dem Immer-Mehr

4. Februar 2013

Bernhard Emunds: Unproduktive Weltfinanzen?!

 

März - Juli 2012
InstitutsMontag: 26. Reihe: Kritik und Praxis
Kritische Kompetenz, Gerechtigkeit, gesellschaftliche Integration

Soziale und politische Verhältnisse zu kritisieren, ist eine alltägliche Praxis des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wie aber formulieren Personen Kritik? An welchen Gerechtigkeitsprinzipien oder Vorstellungen von einem gelingenden Leben orientieren sie sich? Wann wird aus ihrer Kritik Empörung und aus ihrem Unbehangen Gesellschaftskritik? In welchem Verhältnis stehen Kritik und gesellschaftliche Integration zueinander?

In Frankreich ist in den letzten Jahrzehnten eine Soziologie der Kritik entstanden. Sie richtet ihren Blick auf die kritische Kompetenz von Personen. Demnach wählen Personen in Kontroversen und Konflikten zwischen verschiedenen Gemeinwohlvorstellungen aus und halten entsprechende normative Prinzipien den vorgefundenen sozialen und politischen Verhältnissen entgegen. Aus dieser Praxis ergibt sich ein normativer Pluralismus, der konstitutiv für das gesellschaftliche Zusammenleben ist. Mit welchen Machtasymmetrien und Herrschaftsverhältnissen ist dieser normative Pluralismus jedoch verwoben? 

Im Hinblick auf dieses Problem gilt es darüber nachzudenken, unter welchen Bedingungen Personen ihre Kritik formulieren. Gewährleisten und unterstützen die gesellschaftlichen Institutionen die Freiheit, Kritik zu äußern? Wessen Kritik wird gehört und anerkannt? Besteht dabei Chancengleichheit? Gehört die kritische Kompetenz der Personen zur individuellen Emanzipation und ist sie Teil eines gelingenden Lebens?

Eine Soziologie der Kritik muss daher auch nach den institutionellen Voraussetzungen gesellschaftlicher Integration fragen, danach, wie gesellschaftliche Beziehungen gestaltet werden können und müssen, um individuelle Emanzipation oder auch ein gelingendes Leben zu ermöglichen. Schließlich muss sie das Problem in den Blick nehmen, ob beziehungsweise wo der für Gesellschaft konstitutive normative Pluralismus an Grenzen stößt. Welche normativen Orientierungen müssen Personen miteinander teilen, damit ihre Kritik Veränderungen bewirken und gerechte gesellschaftliche Kooperationszusammenhänge entstehen können? Welche Funktionen erfüllen und welche Leistungen erbringen Institutionen und staatliche Politik, um Gerechtigkeit durchzusetzen, gesellschaftliches Handeln an gemeinsam geteilte normative Orientierungen zu binden oder auch den gesellschaftlichen normativen Pluralismus zu begrenzen?

 

5. März 2012

Axel Honneth: Immanente Gesellschaftskritik und sozialer Konflikt.
Versuch einer Verhältnisbestimmung

2. April 2012

Nikola Tietze: Zugehörigkeitskonstruktion. Kritik in der Einwanderungsgesellschaft

7. Mai 2012

Berthold Vogel: Kritik der Arbeit. Arbeit der Kritik

4. Juni 2012

Bénédicte Zimmermann: Capabilities und die Bewertung von Arbeit

2. Juli 2012

Hartmut Rosa: Beschleunigung und Entfremdung. Versuche einer Rekonzeptualisierung kritischer Theorie

 

Oktober 2011 - Februar 2012
InstitutsMontag: 25. Reihe: Imperium Macht Gewalt: Imperialkriege und die Moderne

Die Expansion und Kontraktion von Imperien hat wie kaum ein anderes Strukturphänomen der Moderne die globalisierte Welt der Gegenwart geschaffen. Die europäische Expansion seit 1500 hat große Gebiete imperialer Herrschaft unterworfen und fast die ganze Erde wirtschaftlich und kulturell transformiert. Die Ablösung ehemaliger Kolonien vom Mutterland hat um 1800 in Amerika und Mitte des 20. Jahrhunderts in Asien und Afrika neue Staatenwelten entstehen lassen und gleichzeitig neue Imperialismen hervorgebracht, nicht zuletzt den der USA, dessen Aufstieg und Krisen bis in die Gegenwart die Weltpolitik prägen.

Die Geschichte dieser imperialen Zyklen aber ist eine Geschichte von Gewalt und Krieg. Zwar sind moderne Imperien nicht allein durch militärische Eroberung entstanden. Die geschickte Ausnutzung lokaler Machtdifferenziale, die mehr oder weniger willentliche Kooperation politischer, sozialer oder ethnischer Gruppierungen an der Peripherie haben imperiale Herrschaft, die Kontrolle weniger über viele, überhaupt erst möglich gemacht. Aber ohne die Androhung und den zumindest exemplarischen Einsatz von Gewalt sind Imperien dennoch nicht denkbar. Gewalt scheint die eigentliche Quintessenz imperialer Machtausübung an der Peripherie zu sein.

Eine besondere Rolle spielte Gewalt in den europäischen Siedlungskolonien, wo sie ohne staatliche Lenkung nicht selten im faktischen, wenngleich ungeplanten, Genozid gipfelte. 

Unter dem Arbeitstitel Imperialkriege, der gegenüber dem geläufigeren Begriff Kolonialkriege den Betrachtungshorizont für Gewaltkonflikte jenseits der Ära direkter europäischer Kolonialherrschaft in der Dritten Welt öffnen soll, wird am Hamburger Institut für Sozialforschung seit einigen Jahren die vergleichende Analyse des Einsatzes militärischer Gewalt im Rahmen der Expansion und Kontraktion moderner Imperien betrieben. Die InstitutsMontage zeigen die thematische Reichweite und Aktualität dieser Beschäftigung mit Imperialkriegen an Fallbeispielen aus mehreren Imperien und von verschiedenen Kontinenten und damit Facetten eines der wichtigsten gewalthistorischen Probleme der modernen Welt. 

 

10. Oktober 2011

Dierk Walter: Von Tenochtitlan nach Afghanistan: Die Logik des Imperialkrieges

7. November 2011

Wolfgang Knöbl: Imperiale Herrschaft und Gewalt

5. Dezember 2011

Tanja Bührer: Afrikanisierung der Gewalt? Afrikanische Akteure und die Kriegführung in Deutsch-Ostafrika (1885-1914)

9. Januar 2012

Andreas Stucki: Koloniale Konzentrationslager? Spanische Aufstandsbekämpfung in Kuba, 1868-98

6. Februar 2012

Bernd Greiner: "Eating Soup with a Knife". Amerikas Aufstandsbekämpfung von Vietnam bis Afghanistan

 

März - Juli 2011
InstitutsMontag: 24. Reihe: Wem gehört der Holocaust? Deutungskonflikte im globalen Zeitalter

Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland gilt weltweit als vorbildlich. Sie beruht in ihrer emotionalen Grundstruktur auf Identifikationswünschen mit den Opfern und tendiert dazu, entsprechende Formen des Erinnerns jetzt und für die Zukunft festzuschreiben. Opferidentifiziertes Erinnern erzeugt nicht nur in Deutschland, sondern offenbar auch international eine hohe Bindungskraft und ist häufig mit einem Gemeinschaftsversprechen verbunden, das in seinen theoretischen und identifikatorischen Prämissen noch zu wenig hinterfragt wird. Mit der globalen Aneignung des Holocaust, wie sie in den letzten etwa zwanzig Jahren zu beobachten ist, gehen verstörende Opferkonkurrenzen, gegenläufige Erinnerungsprozesse, transnationale Aneignungs- und Transferleistungen sowie Normierungs- und Standardisierungstendenzen einher. Solche Entwicklungsdynamiken stellen auch hinsichtlich einer an der Idee der Menschenrechte orientierten globalen Erinnerungspraxis neue und keineswegs konfliktfreie Herausforderungen dar.

 

7. März 2011

Ulrike Jureit: Unbehagen an der Erinnerung? Die Besichtigung eines Gesellschaftszustandes

4. April 2011

Claudia Weber: Verstörende Erinnerung. Der Stalinismus und das Gedächtnis Europas

2. Mai 2011

Mischa Gabowitsch: Verbrechen erinnern. Eine deutsch-russische Transfergeschichte

6. Juni 2011

Angela Kühner: Die Anderen der Erinnerung. Geschichtsaneignung in der Einwanderungsgesellschaft

4. Juli 2011

Fatima Kastner: Globale Erinnerungskultur: Zwischen Kosmopolitismus und Partikularismus

 

Oktober 2010 - Februar 2011
InstitutsMontag: 23. Reihe: Gefährdung der Mitte? Soziale und politische Unsicherheiten in der Gegenwartsgesellschaft

Der Begriff der Mitte ist vielgestaltig und mehrdeutig. Trotz definitorischer Unsicherheiten gilt die Mitte als Fundament der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Mit knapp Zweidrittel der Bevölkerung stelle sie den maßgeblichen Träger des Wohlfahrtsstaates und seiner Solidarsysteme, der durch den Übergang von einem sorgenden zu einem gewährleistenden Staat und die Sparmaßnahmen in Bedrängnis gerate. Zudem basiere die als bürgerlich konnotierte Mitte auf bestimmten Familien- und Rollenmodellen, die sich ebenfalls in einem grundlegenden Wandel befinden. Konflikte um Status und Job etwa führen dazu, dass Abgrenzungen über Kategorien wie Bürgerlichkeit, Kultur und Bildung gegenüber einem gesellschaftlichen "unten", zu dem man nicht gehören möchte, weiter zunehmen.

Mit dem Begriff der Mitte verbindet sich auch die Vorstellung eines politischen Standortes. Mit Ausnahme der Partei "Die Linke", die aus einem geteilten Selbstverständnis ausschert, beanspruchen alle im Bundestag vertretenen Parteien die Mitte für sich. Was versprechen sich die Parteien von dieser Standortbestimmung und wie versuchen sie sich von extremistischen Organisationen abzugrenzen?

Zur sozialen und politischen Bedeutung der Mitte kommt eine geopolitische. In einem transnationalen europäischen Kontext stellt sich die Frage, wie die Partner mit ihren unterschiedlichen nationalstaatlichen Hintergründen in Zeiten einer globalen Finanzkrise als Akteure einer europäischen Mitte agieren.

 

4. Oktober 2010

Jens Hacke: Politische Bürgerlichkeit. Gibt es eine Ideologie der Mitte?

1. November 2010

Karin Jurczyk: Familie als Mitte, Familie in der Mitte? Gesellschaftliche Verschiebungen

6. Dezember 2010

Berthold Vogel: Der Abschied von der Mitte, die wir kannten? Neue Konturen der Arbeitswelt, veränderte Formen des Wohlfahrtsstaates

10. Januar 2011

Ulrich Bielefeld: Mitten in Europa. Varianten und Konflikte europäischer Selbstthematisierungen

7. Februar 2011

Wolfgang Kraushaar: Zur Topographie der Mitte

 

April - Juli 2010
InstitutsMontag: 22. Reihe: Politik der Sorge

Nach dem Vergehen des Neoliberalismus steht die Sorge um das Soziale auf der Tagesordnung. Es gibt einen ungeheuren Bedarf an sozialen Dienstleistungen, doch es ist unklar, wer dafür in die Pflicht genommen werden soll. Der Wohlfahrtsstaat zieht sich zurück, die Familie stellt nur noch den Namen für eine Vielfalt von Lebensformen dar und die Einzelnen erheben den Anspruch auf ein eigenes Leben. Es stellt  sich die Frage, was diese Fundamentalliberalisierung der Lebensweisen für die Form unseres Zusammenlebens bedeutet. Wie wachsen heute Kinder auf? Wie werden Hochbetagte gepflegt? Wer ist überhaupt in der Lage, die Sorge für einen Anderen zu übernehmen? Mit der Formel von der "Politik der Sorge" wird ein Komplex von Institutionen, Verhaltensweisen und Wertorientierungen in den Blick genommen, die verhindern sollen, dass die Gesellschaft sich in ein Meer von Individuen auflöst, die bei aller Sorgen ums Ganze nur noch von sich aus denken, fühlen und handeln können. Es geht um das System der Anrechte, die Prozeduren der Sozialisation und um die Vorstellungen von einem Gemeinwesen, das den Mitgliedern einer Gesellschaft ein Gefühl von Solidarität und einen Sinn von Verpflichtung verleiht. Politiken der Sorge erheben den Anspruch, die Sorge um das Selbst mit der Sorge für "signifikante" Andere zu verbinden und darin eine Form des Zusammenlebens zu erkennen.

 

12. April 2010

Heinz Bude: Selbständigkeit und Sorge

3. Mai 2010

Janosch Schobin: Sorgende Freunde? Fragen an eine andere Lebensform

7. Juni 2010

Berthold Vogel: Wer trägt die Sorge für das Ganze? Anmerkungen zur Zukunft sozialer Staatlichkeit

5. Juli 2010

Ann Kathrin Scheerer: Krippe und Krippendiskussion: Ambivalenzen und Alarmaffekte

 

Oktober 2009 - März 2010
InstitutsMontag: 21. Reihe: Baustelle Kalter Krieg. Zeitgeschichte 20 Jahre nach dem Mauerfall

Für Historiker begann der Kalte Krieg eigentlich erst als er zu Ende war – 1989 nach der Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze und dem Fall der Mauer in Berlin, in den frühen 1990er Jahren, als die Sowjetunion und mit ihr der Warschauer Pakt zusammenbrach. Seit dieser Zeit wurden im Osten Archive zugänglich, die nach dem Willen ihrer Begründer für alle Zeit hätten geschlossen bleiben sollen. Eine Zeit lang machte gar das Wort von der "Archivrevolution" die Runde; davon kann, zumindest in Russland, mittlerweile keine Rede mehr sein. Dennoch sind die Folgen beträchtlich. Auch westliche Archive kamen in Zugzwang und gaben Bestände zum Teil früher, zum Teil in größerem Umfang als erwartet frei.

Die neuen Quellen wurden zum Anlass, neue Fragen an die Vergangenheit zu stellen; sie veränderten die Perspektive auf die gesamte Epoche des Kalten Krieges. Mehr noch: die beiden Dekaden seit 1989 gaben den Anstoß zu einem Paradigmenwechsel in der zeithistorischen Forschung. Zwei Beispiele: Konzentrierte sich früher das Interesse fast ausschließlich auf Ost und West, so finden heute Staaten im Süden und Norden die ihnen gebührende Aufmerksamkeit; statt der Fixierung auf Diplomatie und Militär geht es neuerdings auch um eine Gesellschaftsgeschichte des Kalten Krieges. Die Vortragsreihe widmet sich diesen Veränderungen an sieben Beispielen.

 

5. Oktober 2009

Bernd Stöver: Das Ende des Kalten Krieges in Osteuropa und der Zusammenbruch der UdSSR

2. November 2009

Bernd Greiner: Stand die Welt an der Schwelle zum Atomkrieg?
Neues zur Kuba-Krise

7. Dezember 2009

Christian Th. Müller: Von Beschützern und Besatzern.
Amerikanische und sowjetische Truppen in der deutschen Provinz 1955 bis 1989

11. Januar 2010

Tim B. Müller: Intellektuelle Gegenentwürfe zum Kalten Krieg

1. Februar 2010

Claudia Weber: Und alle Fragen offen? Katyn und die Folgen der russischen „Archivrevolution“ nach 1990

15. Februar 2010

Martin Schaad: "Dann geh doch rüber." Über die Mauer in den Osten

1. März 2010

Bettina Greiner: Die ersten Opfer des Kalten Krieges?
Deutsche Häftlinge in sowjetischen Speziallagern

 

Mai - Juli 2009
InstitutsMontag: 20. Reihe: Die Europäische Gesellschaft

Der Einigungsprozess der europäischen Union ist mit der Verfassungsdebatte ins Stocken geraten; der Erweiterungsprozess läuft umstritten weiter; immer mehr Bereiche in Wirtschaft und Politik werden EU-Normen unterstellt. Seit nahezu 60 Jahren haben einige europäische Staaten zunächst bestimmte Märkte, dann Politikbereiche und selbst nationale Selbstbilder europäisiert und stetig neue Länder in diesen Prozess einbezogen. Die neue Reihe der InstitutsMontage fragt, ob eine europäische Gesellschaft entstanden ist, wie sie beschrieben werden und welchen Anspruch auf Legitimität sie stellen kann.

Entstehen neue Bindungen, wenn die Bürger der EU Erwartungen und Ansprüche zunehmend im Horizont europäischer Vergleichsmaßstäbe formulieren und wenn Zugehörigkeiten ihre Eindeutigkeit und Eindimensionalität verlieren? Werden transnationale Solidaritätskonzepte entwickelt, um die Ungleichheiten des Binnenmarktes auszugleichen? Entsteht trotz der Sprachenvielfalt eine gemeinsame Öffentlichkeit? Die Vorträge fragen, ob die entstehenden neuen Konfliktkonstellationen und Strukturen die Bildung einer europäischen Gesellschaft  verhindern oder sogar ihre Voraussetzung und ihr Kennzeichen sind.

 

4. Mai 2009

Nikola Tietze: Einheitsstreben und kultureller Pluralismus in Europa

11. Mai 2009

Maurizio Bach: Politische Integration und gesellschaftliche Desintegration in Europa

8. Juni 2009

Steffen Mau: Ungleichheit und Solidarität in Europa

15. Juni 2009

Ulrich Bielefeld: Europa - eine besondere Gesellschaftsformation?

6. Juli 2009

Étienne Balibar: Idee Europa – Identität, Zivilisation, Verfassung

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Oktober 2008 - Februar 2009
InstitutsMontag: 19. Reihe: Bedroht, abgehängt, ausgeschlossen.
Symptome sozialer Spaltung

Soziale Ungleichheiten gewinnen an Schärfe. Die soziologische Diagnostik sieht sich durch die Veränderungen der Arbeitswelt, des Sozialstaates oder der Generationenbeziehungen herausgefordert. Wer ist von Statusverlust und materiellem Abstieg bedroht? Wer läuft Gefahr, von sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Teilhabe ausgeschlossen zu werden? An welchen Nahtstellen des Sozialen spaltet sich die Gesellschaft? Unstrittig scheint zumindest, dass alle diese Fragen nicht mehr auf Randzonen begrenzt sind. Sie haben sich angesichts verfestigter Arbeitslosigkeit, ins Rutschen geratener Wohlstandspositionen und finanziell erschöpfter Sicherungssysteme zu Fragen der Mehrheitsgesellschaft entwickelt. Die InstitutsMontage gehen auf die Suche nach den Symptomen sozialer Spaltung. Verschiedene soziale Klassen und Gruppen kommen in den Blick: Diejenigen, die vom Wohlstand ausgeschlossen sind, aber auch jene, die um ihn fürchten. Neben den Erfahrungen sozialer Spaltungen werden zugleich deren strukturelle Ursachen zur Sprache gebracht. Die Beiträge der Vortragsreihe stellen dementsprechend die Einrichtungen des Sozialstaates, die Organisation seiner Dienste und die Gestalt der Daseinsvorsorge auf den Prüfstand.

 

13. Oktober 2008

Heinz Bude: Inklusion und Exklusion. Die Ausgeschlossenen in Deutschland

3. November 2008

Stephan Lessenich: Die Neuerfindung des Sozialen. Zur Politischen Soziologie der Aktivgesellschaft

1. Dezember 2008

Hans-Jürgen Andreß: Armut trotz Reichtum. Eine neue gesellschaftliche Spaltungslinie

12. Januar 2009

Jürgen Oßenbrügge: Benachteiligte Quartiere. Prozesse räumlicher Segregation

2. Februar 2009

Berthold Vogel: Wohlstandskonflikte. Die soziale Frage, die aus der Mitte kommt

 

Januar - Juli 2008
InstitutsMontag: 18. Reihe: Das Recht in der Weltgesellschaft

Globaler Handel, internationale und transnationale Wissenschaftskooperationen und weltweite Kommunikation werden als Indikatoren einer entstehenden Weltgesellschaft gedeutet. Die normative Regelung, Ordnung und Steuerung dieser Phänomene wird jedoch weiterhin als rein nationalstaatliche bzw. interstaatliche Angelegenheit angesehen. Ist es sinnvoll jenseits des Nationalstaates nach gesellschaftlichen und rechtlichen Prozessen der Selbstorganisation in globalen Kontexten zu suchen? Gibt es sich selbst konstituierende Rechtsbildungsprozesse im globalen Raum? Verliert der Nationalstaat sein Rechtsetzungs- und Rechtsgenerierungsmonopol oder entstehen parallel hierzu transnationale Verfassungsbildungsregime? Diese Fragen sollen aus sozialwissenschaftlicher und rechtstheoretischer Perspektive problematisiert werden.

 

7. Januar 2008

Ulrich Bielefeld: Nation und Weltgesellschaft

4. Februar 2008

Michael Zürn: Recht und Legitimität in der postnationalen Konstellation

3. März 2008

Gerd Hankel: Funktion und Bedeutung internationaler Strafgerichte

7. April 2008

Catherine Colliot-Thélène: Das Rechtssubjekt in der Weltgesellschaft

5. Mai 2008

Bernd Greiner: Politik ohne Grenzen

2. Juni 2008

Marcelo Neves: Transversale Rechtsvernetzung und Asymmetrien der Rechtsformen in der Weltgesellschaft

7. Juli 2008

Fatima Kastner: Rechtsmutationen in der Weltgesellschaft
Beobachtungen globaler normativer Strukturbildungsprozesse

 

Februar - Dezember 2007
InstitutsMontag: 17. Reihe: Wie weiter mit...?

Schlägt man die letzten Seiten von Jürgen Habermas’ "Theorie des kommunikativen Handelns" und Niklas Luhmanns "Die Gesellschaft der Gesellschaft" auf, so stellt man fest, dass das Werk des einen nur ein Personen-, das des anderen nur ein Sachregister enthält – und wenn man die beiden Werke darüber hinaus auch liest, stellt man fest, dass diese unterschiedliche Registergestaltung auch die unterschiedlichen Ambitionen der Werke markiert. Worum soll es gehen: um synthetisierenden und anschlußsuchenden Bezug zu folgenreich Gedachtem oder um analytischen Sachbezug, dem die Theorietradition zur papiergewordenen Spur historisch beschränkter Perspektiven werden muss?

Man könnte solche Unterschiede ihrerseits theoretisch dramatisieren, man könnte sie aber auch zu Geschmacksfragen erklären. Will man beide Extrempositionen vermeiden, bleibt wohl nur zu konstatieren, dass, will man nicht bloße Ideengeschichte betreiben, der Bezug auf bestimmte Theoretikerinnen und Theoretiker nur hinsichtlich der Sach- und Problembezüge interessant ist, die sie uns zum ersten Mal in einer bestimmten Art und Weise sehen gelehrt haben, und von denen wir nach wie vor meinen, dass sie von Belang seien. Umgekehrt halten wir bestimmte Sach- und Problembezüge nur darum für belangvoll, weil wir durch höchst individuelle und durch spezifische historische Kontexte geprägte Sichtweisen gelernt haben, sie in einer bestimmten Weise, vielleicht sie überhaupt zu sehen.

Die Vortragsreihe "Wie weiter mit … ?" soll die Werke ganz unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Theoretikerinnen und Theoretiker hinsichtlich der Frage durchmustern, inwieweit wir ihren Blick auf die sozialen Fragen und Probleme noch teilen können, wollen oder müssen. Die Auswahl der Namen ist insofern nicht willkürlich, als keine Vortragsreihe mit diesem Programm ohne diese Namen auskäme – sie ist insofern willkürlich, als natürlich noch sehr viel mehr Namen – darunter etliche klassische Klassiker - auftauchen könnten, die in gleicher Weise der Erörterung wert gewesen wären. Bei der Auswahl der Namen waren nur zwei Kriterien maßgebend: Die Beschränkung auf das 19. und 20. Jahrhundert und auf nicht mehr lebende Autoren und Autorinnen.

 

5. Februar 2007

Heinz Bude: Wie weiter mit Karl Marx?

5. März 2007

Ulrich Bielefeld: Wie weiter mit Max Weber?

2. April 2007

Jan Philipp Reemtsma: Wie weiter mit Sigmund Freud?

7. Mai 2007

Beatrice Heuser: Wie weiter mit Carl von Clausewitz?

4. Juni 2007

Matthias Koenig: Wie weiter mit Émile Durkheim?

2. Juli 2007

Wolfgang Bonß: Wie weiter mit Theodor W. Adorno?

1. Oktober 2007

Peter Schöttler: Wie weiter mit Marc Bloch?

8. Oktober 2007

Rahel Jaeggi: Wie weiter mit Hannah Arendt?

5. November 2007

Armin Nassehi: Wie weiter mit Niklas Luhmann?

3. Dezember 2007

Philipp Sarasin: Wie weiter mit Michel Foucault?

 

November 2006 - Januar 2007
InstitutsMontag: 16. Reihe: Vom Einwanderungsland zur pluralistischen Gesellschaft

Politiker streiten gegenwärtig darüber, wie viel Pluralität die Schule vertragen kann, wenn sie ihre Funktion, zukünftige Staatsbürger zu erziehen, erfüllen soll. Im alltäglichen Miteinander von Schülern und Lehrern treffen darüber hinaus unterschiedliche Vorstellungen von Zugehörigkeit aufeinander, bilden sich Identitäten heraus oder verfestigen sich. Wissensvermittlung und Erlernen gesellschaftlicher Regeln im Einwanderungsland Deutschland stehen somit zwangsläufig im Kontext von Fragen nach dem Umgang mit Unterschieden zwischen sozio-ökonomischen Milieus und der Vielfalt kultureller Bezüge, religiöser Überzeugungen oder sprachlicher Identitäten. Die Pluralität, die die Schule herausfordert, stellt ein grundlegendes Element des europäischen Selbstverständnisses dar. In „Vielfalt geeint“ wie es in der Präambel des europäischen Verfassungsentwurfs heisst, formulieren die Mitgliedstaaten der EU Verordnungen und Richtlinien, die die nationalen Einheitsvorstellungen in Frage stellen. Die Sprachenpolitik europäischer Institutionen ist ein Beispiel dafür, wie Pluralisierungsprozesse im Zuge der Einigung Europas in ein Spannungsverhältnis zu nationalstaatlichen Integrationsbedürfnissen treten können. Die Vorstellungen von der Nation stimmen nicht mit der faktischen Pluralisierung der Bevölkerung und den im europäischen Recht verankerten Pluralismusidealen überein. Sie gehorchen anderen Imperativen, dennoch tragen sie maßgeblich zur Formulierung von Einwanderungs- und Integrationspolitik bei. Die Entwicklung der nationalen Selbstthematisierung in der Bundesrepublik ist somit ein entscheidender Faktor für die Regelung pluralistischer Gesellschaftsbeziehungen.

 

6. November 2006

Frank-Olaf Radtke: Intelligenter Umgang mit Heterogenität? Zur Mikropolitik der Schule in der Einwanderungssituation

4. Dezember 2006

Nikola Tietze: Der Nationalstaat im Strudel des Pluralismus: europäische Sprachen- und Minderheitensemantiken

8. Januar 2007

Ulrich Bielefeld: Von der ethnischen zur demographischen Nation

 

April - Juni 2006
InstitutsMontag: 15. Reihe: Die Wiederherstellung des Sozialen

Den Takt der gesellschaftspolitischen Reformdebatten schlagen Sozialtechnokraten und Ressentimentvirtuosen. Beide suggerieren der nervösen Öffentlichkeit, dass die Wohlstandsmaschine rasch wieder in Gang zu bringen sei, wenn nur die richtige Rezeptur für den Patienten Deutschland gefunden ist. Doch die tiefen Spaltungen der Arbeitswelt, die irreversible demographische Entwicklung und die enormen fiskalischen Probleme der staatlichen und privaten Wohlfahrtsproduktion legen die Vermutung nahe, dass es mit einem Griff in die steuerpolitische und versicherungstechnische Handwerkskiste oder mit eifriger Ruckrhetorik nicht getan ist. Das Soziale muss neu gedacht und justiert werden.

Hierzu ist es notwendig, aus unterschiedlichen Richtungen auf das Soziale zu blicken: aus der Perspektive der Staatsbedürftigkeit, aus dem Blickwinkel zivilgesellschaftlicher Organisation und unter dem Aspekt gestärkter Subsidiarität. Im Sinne einer engagierten „Verteidigung der Gesellschaft“ (Foucault) geht es heute mehr denn je darum, den Wohlfahrtstaat als Verwaltung des Sozialen neu zu bestimmen, die intermediäre Organisation in ihrer sozialen Bindungskraft zu problematisieren oder nach der sozialen Leistungskraft der Familien zu fragen. Die Vortragsreihe greift diese Herausforderungen auf. Ausgehend von aktuellen Forschungen im Institut geht es um Ausblicke auf eine Politik der Stärkung des Sozialen.

 

3. April 2005

Berthold Vogel: Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft

8. Mai 2005

Jörn Pyhel: Gewerkschaften als Ordnungsfaktor

12. Juni 2006

Heinz Bude: Gerechtigkeit durch Subsidiarität

 

Oktober 2005 - März 2006
InstitutsMontag: 14. Reihe: Neues zu einem alten Thema: Betrachtungen zum Kalten Krieg

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die Voraussetzungen zur historischen Erforschung dieser Ära in vielerlei Weise geändert. Zum Einen erlaubt der zunehmende zeitliche Abstand einen veränderten, nicht länger von der Konfliktkonstellation selbst überformten Blick. Zum Anderen stehen neue Quellen zur Verfügung, deren Auswertung noch Jahre dauern wird. Und nicht zuletzt beginnen sich die Fragestellungen zu ändern – zu Lasten von einer auf Diplomatie- und Militärgeschichte fixierten Historiographie und zu Gunsten einer Gesellschaftsgeschichte des Kalten Krieges, die nach den Dynamiken und Veränderungsprozessen im Inneren der beteiligten Staaten fragt. So haben jüngst abgeschlossene Studien, um nur ein Beispiel zu nennen, gezeigt, welche Spuren die große Politik in der vermeintlich unpolitischen Welt des Sports hinterlassen hat – von der Vergabe finanzieller Mittel bis in den Alltag der Athleten.

Vom Herbst 2005 bis zum Frühjahr 2006 wird im Rahmen der InstitutsMontage der neue Blick auf ein altes Thema an ausgewählten Beispielen vorgestellt, darunter Themen, die seit vier Jahren am Hamburger Institut für Sozialforschung von einer Forschergruppe bearbeitet werden.

 

10. Oktober 2005

Bernd Greiner: Nicht Aufhören Können. Die Vietnampolitik Richard Nixons als Paradigma des Kalten Krieges

7. November 2005

Klaus Naumann: Streitkräfte unter Hochspannung - Die Bundeswehr des Kalten Krieges

5. Dezember 2005

Dierk Walter: Welcher Krieg? Die britischen Streitkräfte zwischen Kaltem Krieg, globalem Krieg und Kolonialkrieg, 1945-1970

9. Januar 2006

Uta Andrea Balbier: Kalter Krieg auf der Aschenbahn
Die Rolle des Sports in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz

6. Februar 2006

Jan Philipp Reemtsma: Die Spaltung der Welt im Werk Arno Schmidts

6. März 2006

Inge Marszolek: Symbolische Inszenierungen und Repräsentationen des Kalten Krieges

 

März - Juni 2005
InstitutsMontag: 13. Reihe: Die RAF und der internationale Terrorismus

In der Geschichte der Bundesrepublik hat keine andere Organisation die Demokratie so sehr herausgefordert wie die Rote Armee Fraktion (RAF). Die Frage, wie auf ihre Kriegserklärung an den Staat angemessen zu reagieren sei, hat seinerzeit an das Grundgerüst des verfassungs-rechtlichen Selbstverständnisses gerührt. Obwohl die Ansicht verbreitet ist, daß dieses historische Kapitel so gut wie aufgeklärt sei, steckt die quellengestützte Forschung eher noch in den Anfängen.

Von allen Aspekten, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind, liegt besonders der der internationalen Verflechtungen, am stärksten im Dunkeln. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil die RAF mit dem bewaffneten Kampf erst begonnen hat nachdem ihre Gründungsmitglieder zuvor in palästinensischen Trainingslagern ausgebildet worden sind.

Die historische Erforschung des RAF-Terrorismus hat sich weitgehend auf den bundesdeutschen Kontext konzentriert. Angefangen mit der Nacherzählung der Biographien von Ulrike Meinhof, Andreas Baader und anderer vor dem Hintergrund einer nur unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wurde eine quasi-nationale Optik verfolgt. In dem sich dabei herausschälenden Narrativ ist die internationale Dimension mit der Schlüsselstellung palästinensischer Organisationen bislang stark vernachlässigt worden. Erst durch die Sichtbarmachung dieser transnationalen Dimension ist es möglich, die Frage nach den historischen Wurzeln, den Zielsetzungen und den Eigentümlichkeiten des bundesdeutschen Terrorismus auf komparative Weise genauer beantworten zu können.

Die InstitutsMontage befassen sich in verschiedenen Vorträgen mit der Gründung von Parallelorganisationen in vergleichbaren Industrienationen, die sich einem ähnlichen Kontext – der Radikalisierung einer Studentenbewegung im Zuge einer weltweiten Protestbewegung gegenüber dem Vietnamkrieg der USA – verdanken. Möglicherweise erlaubt ein Vergleich der RAF mit Gruppierungen wie den "Roten Brigaden" in Italien, den "Weathermen" in den USA und der "Roten Armee" in Japan, ihre Geschichte genauer spezifizieren und analytisch besser begreifen zu können.

 

7. März 2005

Wolfgang Kraushaar: Im Schatten der RAF. Zur Entstehung der Revolutionären Zellen

4. April 2005

Claudia Derichs: Die japanische Rote Armee im internationalen Kontext

2. Mai 2005

Dorothea Hauser: Deutschland, Italien und Japan: Die ehemaligen Achsenmächte und der Terrorismus der siebziger Jahre

6. Juni 2005

Jan Philipp Reemtsma: Was heißt "die Geschichte der RAF verstehen"?

 

November 2004 - Februar 2005
InstitutsMontag: 12. Reihe: Der neue/alte Antisemitismus

In der Reihe sollen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschrieben und in ihren historischen, empirischen und theoretischen Einbettungen untersucht werden, um Wandel und Kontinuitäten sichtbar zu machen. Gibt es markante, für Veränderungen typische Charakteristiken oder verstecken sich dahinter nur allzu bekannte Codes? Gibt es eine Verschiebung vom nationalen Antisemitismus zu einem postnationalen? Diesen und anderen Fragen wird in der Vortragsreihe nachgegangen.

 

1. November 2004

Klaus Holz: Neuer Antisemitismus? Wandel und Kontinuität der Judenfeindschaft in Europa

6. Dezember 2004

Werner Konitzer: Antisemitismus und Moral

10. Januar 2005

Julijana Ranc: Juden, Tschekisten, Ungläubige - postsowjetische Ressentiments auf deutsch

7. Februar 2005

Ulrich Bielefeld: Der gegenwärtige Antisemitismus
Tendenzen und Interpretationen

 

März - Juni 2004
InstitutsMontag: 11. Reihe: Europa der Ressentiments?
Der neue/alte Antisemitismus

Antisemitismus nach 1945 weiß immer vom tatsächlich durchgeführten Massenmord. Seit 1948 gibt es zudem den Staat Israel. Antisemitismus war keine bloße und unappetitliche, aber politisch funktionalisierbare Einstellung mehr, er war sozial und politisch weitgehend tabuisiert. Fast 60 Jahre später ist der Antisemitismus erneut aktuell und es gibt neue Trägergruppen. Tendenziell fällt das Tabu, mit dem der Antisemitismus belegt war. Es stellt sich die Frage, ob er sogar wieder soziale und politische Funktionen in post-souveränen nationalen Gesellschaften erhalten kann. Gerade für den Antisemitismus gilt: es ist notwendig, sich seiner alten Form zu vergewissern und die aktuellen Entwicklungen zu beobachten. In der Vortragsreihe soll, soweit es möglich ist, versucht werden, den gegenwärtigen Antisemitismus zu beschreiben und zu erfassen und die Kontinuitäten und Variationen zu bestimmen.

 

1. März 2004

Michel Wieviorka: Die Erneuerung des Antisemitismus. Der französische Fall

5. April 2004

Juliane Wetzel: Antisemitismus in Europa

3. Mai 2004

Michael Wildt: Volksgemeinschaft und Antisemitismus.
Zur Gewalt gegen Juden in Deutschland 1930 bis 1939

7. Juni 2004

Peter Pulzer: Kontinuität oder Neuentwicklung? Der gegenwärtige politische Antisemitismus

 

November 2003 - Februar 2004
InstitutsMontag: 10. Reihe: Generationen in der intellektuellen Geschichte der Bundesrepublik

Die Reihe befaßt sich mit dem intellektuellen Leben der Bundesrepublik als Abfolge, Überschneidung und Konfrontation von Generationen, die ihre Erfahrungsbilanzen, Erinnerungsformen und Weltdeutungen als Geist ihrer jeweiligen gesellschaftlichen und geschichtlichen Situation erfassen und verteidigen. Man erkennt Wahlverwandtschaften zwischen sich politisch sonst diametral gegenüberstehenden Autoren, die vor allen damit zusammenhängen, dass sie einer Generation entstammen. Dadurch berühren sich Positionen, die eigentlich auf unterschiedlichen Seiten stehen, und entfernen sich Denker, die man gewöhnlich im Kontext einer Schule sieht. So entsteht ein Bild von der intellektuellen Geschichte der Bundesrepublik, die von Brüchen und Kontinuitäten, von Polaritäten und Allianzen, von Kehrtwendungen und Anschlüssen gleichermaßen geprägt ist.

 

3. November 2003

Heinz Bude: Die Heroen des Anfangs. Die Gründergeneration der westdeutschen Nachkriegssoziologie.

1. Dezember 2003

Lutz Niethammer: "Ego-Histoire" in Generationenperspektive

5. Januar 2004

Nicolas Berg: Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Eine Gedächtnis- und Generationengeschichte

2. Februar 2004

Klaus Naumann: Institution und Generation? Prägungen des Offizierkorps der Bundeswehr

 

April - Juli 2003
InstitutsMontag: 9. Reihe: Die Bürger der Bundesrepublik

Die Vortragenden fragen nach der Kontinuität und Diskontinuität von Bürgertum und Bürgerlichkeit nach 1945. Welchen Anteil hatten die bürgerlichen Kreise und bürgerlichen Werte an der Einführung einer demokratisch stabilen Gesellschaft in der Bundesrepublik?

Gefragt wird nach Werten und Formen des Bürgertums nach 1989 und dessen Rolle im nunmehr post-sozialistischen Staat. Hatten und haben sie Anteil an einem Wandel der dortigen Gesellschaft?

 

7. April 2003

Klaus Naumann: Schlachtfeld & Geselligkeit - Die ständische Bürgerlichkeit des Bundeswehroffiziers

5. Mai 2003

Manfred Hettling: Wie aktuell ist die bürgerliche Tradition?

7. Juli 2003

Heinz Bude: Bürgertumsgenerationen