InstitutsMontage

22. Reihe: Politik der Sorge
Ann Kathrin Scheerer: Krippe und Krippendiskussion: Ambivalenzen und Alarmaffekte
5. Juli 2010
Der Ausbau von Krippenbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren scheint unter ökonomischen, arbeitsmarktpolitischen, frauen- und bildungspolitischen Gesichtspunkten sinnvoll und unumstritten. Die Diskussion verläuft jedoch mitunter sehr kontrovers: ist kollektive Betreuung für Kleinstkinder wirklich gut und förderlich? Sind ihre Kritiker Anhänger eines rückschrittlichen Frauen- und Mutterbildes? Kann die Politik ausreichend gute Bedingungen der außerfamiliären Fürsorge garantieren? Inwieweit muss oder kann kollektive Betreuung im frühen Kindesalter sogar familiäre Defizite kompensieren?
Diese Fragen überlagern andere, die in der öffentlichen Diskussion zu kurz kommen: Krippenbetreuung bedeutet frühe Trennung von der Mutter und vom familiären Umfeld; welche entwicklungspsychologischen Risiken können damit verbunden sein? Wann wird die Vereinbarkeitsforderung (von Elternschaft und Beruf) zu einer Überforderung für das noch nicht sprachfähige Kind? Die Anerkennung von Ambivalenzen, Interessen- und Bedürfniskonflikten zwischen Eltern und Kind ist die notwendige Voraussetzung, die nonverbale Sprache des bindungsbedürftigen und unter Umständen psychosomatisch alarmierten Kindes zu verstehen und Risikobewusstsein zu erhalten.
Dipl.-Psych. Ann Kathrin Scheerer, Psychoanalytikerin; Leiterin des Arbeitskreises "Außerfamiliäre Betreuung in der frühen Kindheit" der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung
Moderation: Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologe; Leiter des Arbeitsbereichs "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

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