InstitutsMontage

22. Reihe: Politik der Sorge
Heinz Bude: Selbständigkeit und Sorge
12. April 2010
Ausgangspunkt ist die Diagnose einer zwiespältigen Situation: Die Leute suchen die Selbständigkeit für ihr Leben und machen sich doch Sorgen ums Ganze. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass der Individualismus in der Lebensgestaltung seine Voraussetzung in sozialen Strukturen hat, die einen im Bedarfsfall vor dem Absturz ins Nichts schützen, die einen mit der Erziehung der Kinder nicht alleine lassen und die einem zur Hilfe kommen, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann.Man fühlt sich in einer Gesellschaft der Individuen und erfährt sich zugleich als abhängig von einer Gesellschaft der Anderen. Was man bei dem deutschen Idealisten Hegel oder beim amerikanischen Pragmatisten George Herbert Mead noch als einen dialektischen Zusammenhang verstehen konnte, stellt sich heute als prekäre Konstellation dar. Denn in dem Maße wie die Einzelnen sich selbst gehorchen wollen, riskieren sie die Verpflichtungen der Anderen. Die Frage nach dem Sozialen impliziert daher auch solche nach unserem Selbstverständnis: Welche Abhängigkeiten können wir ertragen und welche Unabhängigkeit brauchen wir? Es gibt offenbar Ambivalenzen. Die Hölle sind die Anderen! Und die Hölle sind wir selbst!
Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologe; Leiter des Arbeitsbereichs „Die Gesellschaft der Bundesrepublik“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel
Moderation: Friederike Bahl, M.A., Soziologin; wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich „Die Gesellschaft der Bundesrepublik“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

Per Mail weiterempfehlen