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InstitutsMontage

22. Reihe: Politik der Sorge


Janosch Schobin: Sorgende Freunde? Fragen an eine andere Lebensform

3. Mai 2010

Freundschaft wird im Spannungsfeld des demographischen Wandels, der Transformation des Wohlfahrtsstaats und der Realität des neuen Geschlechterverhältnisses zum Fluchtpunkt multipler sozialer Hoffnungen. Von ihren Freunden erwarten die Verlassenen, die verlässliche Nestwärme, die fragile Partnerschaften nur brüchig zur Verfügung stellen, die Einsamen versprechen sich von ihnen den horizontartigen Nahraum, den die Verwandtschaftssysteme bei einer Geburtenrate von 1,4 Kindern nicht erzeugen und die Alten suchen in ihren Freundschaften den Respekt, den ein nur auf Lebenserhaltung abstellendes Wohlfahrtssystem nicht zeigt.

Freundschaft wird zur Alternative jenseits von Ehe, Blut und Staat, weil es heißt, sie sei immun gegen die Denunziation als Herrschaftsform, erhaben über den Ideologieverdacht und gleichzeitig so vielgestaltig, dass sie die disparatesten Lebensentwürfe zu umfassen vermag. Aber welche dieser Versprechungen können Freundschaften tatsächlich halten? Welches Bild ergibt sich, wenn man die erwartungsvollen Phantasien beiseite schiebt? Gelten die Aporien unserer Zeit nicht gleichermaßen für die Freunde? Brechen Freundschaften nicht ebenso häufig wie Liebschaften und ist die Zahl der Freunde nicht ebenso begrenzt wie die der Verwandten? Was ist maximal möglich, wenn man die Messleiste des Tatsächlichen anlegt? Diskutiert wird, in welchen Praktiken Freundschaft heute gelebt wird, was von den Freunden erwartet wird und worauf man sich eigentlich beruft, wenn man an sie appelliert.

Janosch Schobin, M. A., Soziologe; Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Moderation: Martin Bauer, M.A., Philosoph, Literatur- und Religionswissenschaftler; Redakteur der Zeitschrift "Mittelweg 36" des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei