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Tagungen

Workshop

"Bürgerliche Gesellschaft"

19. Januar 2010

Bericht

Der erste Schub der jüngsten Bürgerlichkeitsdebatte ist abgeebbt. War die bundesdeutsche Thematisierung neuer Bürgerlichkeit nur eine ephemere Mode? Joachim Fischer verneint dies dezidiert. Seiner Meinung nach leben wir heute in der bürgerlichen Gesellschaft. Dabei geht er weiter, als nur die Reemergenz bürgerlicher Lebensformen und Lebensführungsmodelle in Mitteleuropa zu konstatieren. Ihm zu Folge leben wir im bürgerlichen Zeitalter par excellence- und zwar weltweit.

Der Workshop war darauf angelegt zunächst nach dem Bestand an Phänomenen zu fragen, der die gewagte These motiviert. Lassen sich z.B. die gleichförmigen Suburbs der neuen globalen Mittelschichten so erklären? Und was ist mit den Ausgeschlossenen in der dritten Welt? Fischer vermutet, dass ein Großteil der strukturellen Probleme moderner Gegenwartsgesellschaften auf die Konflikte von Assoziations-, Bildungs- und Besitzbürgertum zurückzuführen sind. In der Debatte wurde die Frage aufgeworfen, ob die zur Verhandlung gestellten Phänomene möglicherweise besser in einem anderen Rahmen, z.B. dem der Luhmannschen Systemtheorie oder einer kritischen Politischen Ökonomie, beschrieben werden können. Die Bedenken führten zwar nicht in eine strikte Theorierevision, konnten aber letztlich nicht ganz ausgeräumt werden.