Vorträge und Diskussionen

Das Hamburger Institut lädt (häufig in Kooperation mit unterschiedlichen externen Partnern) in unregelmäßigen Abständen zur Vorträgen und Vortragsreihen ein, es veranstaltet Podiumsdiskussionen und Streitgespräche. Die aktuellen und vergangenen Veranstaltungen sind nach Jahren und Themen chronologisch archiviert.
2009
24. November 2009, Diskussion
Planlos in Afghanistan – Brauchen wir eine militärpolitische Debatte in Deutschland?
5. Mai 2009, Vortrag
Das Grundgesetz und die Freiheit der Kunst – die Geschichte einer Behinderung?
23. April 2009, Diskussion
Wie weiter mit dem Kapitalismus?
Januar - März 2009
Vortragsreihe: Prekarität: Antworten auf neue gesellschaftspolitische Fragen
Die Zahl der Beschäftigten, die in Minijobs, Praktika, Leiharbeit, befristeten, niedrig entlohnten Tätigkeiten oder in staatlich geförderter Beschäftigung tätig sind, ist in den vergangenen Jahren stets gewachsen. In wissenschaftlichen Publikationen und in den öffentlichen Debatte ist von "Prekariät" die Rede. Dieser Begriff hat sich zu einem Signalwort neuer sozialer Ungleichheiten entwickelt. Doch welche Erscheinungsformen haben prekäre Arbeits- und Lebensformen, wo beginnen und wo enden sie? Was forciert prekäre Beschäftigung? Wer kann sie einhegen? Wie wird sie von unterschiedlichen Gruppen der Erwerbsbevölkerung erfahren?
Auffallend ist, dass sich unsichere, unverbindliche und unregelmässige Beschäftigungsformen längst auch in den Bereichen der Erwerbsgesellschaft finden, die einst als sicher galten. Berufliche und soziale Verunsicherung verfestigt sich in den Randlagen der Arbeitsgesellschaft, macht sich aber auch in deren Mitte breit. Das Gesicht der Arbeitswelt verändert sich und fordert gesellschaftspolitische Antworten.
Die Vortragsreihe diskutiert diese sozialen Prozesse, wirtschaftlichen Veränderungen und politischen Herausforderungen auf der Grundlage neuer empirischer Forschungsergebnisse.
21. Januar 2009
Martin Kronauer: Welche Sicherheit braucht die Flexibilität?
28. Januar 2009
Franz Schultheis: Flexibilität-Prekarität
Zwei Gesichter der Unternehmensmodernisierung
4. Februar 2009
Sigrid Betzelt: Sind Frauen die Verliererinnen der „Hartz IV“ – Reform?
11. Februar 2009
Claudia Neu: Vom (Über)Leben in entlegenen ländlichen Räumen
18. Februar 2009
Monica Budowski: Prekärer Wohlstand: ein brauchbares Konzept für die internationale Forschung?
25. Februar 2009
Markus Promberger: Schützt Arbeitsmarktpolitik vor Prekarität?
4. März 2009
Natalie Grimm: Grenzgänger – ein neuer Typus der Arbeitswelt?
23. Februar 2009, Vortrag
Jan-Werner Müller: Das Goldene Zeitalter Revisited.
Zum Demokratie- und Politikverständnis in Westeuropa 1945-1975
9. Februar 2009, Vortrag
Michael Wildt: Stauffenberg und Elser – zweimal Widerstand
2008
10. Dezember 2008, Vortrag
Stig Förster: Wege in den Ersten Weltkrieg
Entscheidungsprozesse im Deutschen Reich, 1887-1914
4. Dezember 2008, Vortrag
Karl Schlögel: Moskau 1937
Über die Grenzen der Erzählbarkeit von Geschichte
24. November 2008, Diskussion
"Shoah" - wiedergesehen
22. bis 23. November 2008, Vortrag
"Shoah"
17. November 2008, Vortrag
Gerd Hankel: 60 Jahre Genozid-Konvention - Bilanz und Ausblick
13. November 2008, Vortrag
Heinz Bude: Wohin treibt die Bundesrepublik?
27. Oktober 2008, Vortrag
Anton Holzer: Feldzug der Henker
Der Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918 in fotografischen Bildern
8. Oktober 2008, Vortrag
Ilya Altmann: The Unknown History of the Holocaust in the Soviet Union, 1941-1945
15. September 2008, Vortrag
Hans Richard Brittnacher: Leben auf der Grenze. Zur medialen Inszenierung des "Zigeuners"
26. Juni 2008, Vortrag
Anson Rabinbach: Antisemitism and the Frankfurter Schule
Januar - April 2008
Vortragsreihe: Gewalt und Moderne
Einiges spricht dafür, das Projekt der Moderne auch als das geschichtliche Unterfangen einer Selbstzivilisierung zu begreifen. In seinem Zentrum steht die Absicht, kollektive wie individuelle Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen einzuhegen. Da sich Gewalt offenbar nur mit Gewalt oder Gewaltandrohung bändigen lässt, ist das Zivilisierungsprojekt der Moderne mit Risiken belastet. Nicht auszuschließen ist, dass die Strategien der Absorption von Gewalt eigene Potenziale zur Gewalterzeugung freisetzen. Tatsächlich spricht die Geschichte der Moderne eine eindeutige Sprache: Gewalt und ihre Vermeidung sind in vielfältiger, schwer zu entwirrender Weise ineinander verschränkt. Deshalb kam schon früh der Verdacht auf, die Einhegung der Gewalt konfrontiere sowohl die politische Gemeinwesen als auch die in ihnen vergesellschafteten Individuen mit Zumutungen, die ihre psychischen, kognitiven und institutionellen Kapazitäten überfordern. So steht nicht zuletzt der Name Sigmund Freuds für die provozierende Vermutung, im Unbehagen an der Kultur werde manifest, dass die Mittel der Zivilisierung ihren Zweck unterminieren.
Die Vortragsreihe nimmt eine notwendigerweise zerklüftete Problemlandschaft in Augenschein. Sie soll sondieren, ob die Moderne dem Dilemma der Gewalteinhegung entkommt. Kann sich Gewalt nachhaltig in Vertrauen verwandeln? Welche Gewinne hat diese Metamorphose erwirtschaftet? Welche Verluste haben sich eingestellt? Für diesen Versuch einer Bilanzierung muss das Zivilisierungsprojekt der Moderne unter verschiedenen Aspekten beleuchtet werden. Diskutiert wird Gewalt folglich in ihrem jeweiligen Bezug zu einem zweiten Phänomenbereich:
24. Januar 2008
Jan Philipp Reemtsma: Gewalt und Vertrauen. Grundzüge einer Theorie der Gewalt in der Moderne
7. Februar 2008
Hans-Gerhard Kippenberg: Gewalt und Religion. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung
14. Februar 2008
Hubert Treiber: Gewalt und Staat. Zu einem prekären Spannungsverhältnis
28. Februar 2008
Michael Wildt: Gewalt und Volk. Geht alle Gewalt vom Volke aus?
27. März 2008
3. April 2008
Bernd Greiner: Gewalt und Krieg. Militärische Gewaltexzesse – eine mikrohistorische Betrachtung
10. April 2008
Christoph Menke: Gewalt und Recht. Benjamins Frage
24. April 2008
Joseph Vogl: Gewalt und Wahnsinn. Amok – zur Geschichte von Gefahr und Gefährlichkeit
17. April 2008, Vortrag
Bernd Oberdorfer: Die Macht der Machtlosen? Der Einfluss religiöser Institutionen und Funktionsträger in Staat und Gesellschaft.
20. Februar 2008, Vortrag
Michael Werner: Welche Sprache(n) für Europa? Zum Verhältnis von Sprache, Zugehörigkeit und Übersetzungsarbeit
2007
7. November 2007, Vortrag
Heinz Bude: Politik der Freundschaft
1. November 2007, Vortrag
Hauke Brunkhorst: Legitimationsprobleme der Weltgesellschaft. Demokratische Solidarität unter Druck
27. September 2007, Vortrag
Andreas Klärner: Zwischen Militanz und Bürgerlichkeit
25. Juni 2007, Vortrag
Isabell Hull: "Militärische Notwendigkeit". Auswärtiges Amt und Kriegsvölkerrecht 1914-1918
20. Juni 2007, Vortrag
Barbara Sichtermann: Lernen, beten, Kinder kriegen. Zu einigen Prozessen der Repolitisierung des Privaten
9. Juni 2007, Vortrag
Nacht des Wissens
10. Mai 2007, Diskussion
Völkerstrafrecht in der Praxis
29. März 2007, Vortrag
Wendy Lower: "Griff nach Lebensraum": Nazi Imperial Dreams and Realities in Eastern Europe
19. Februar 2007, Vortrag
Jan Philipp Reemtsma: Dämonen? Dostojewski als Analytiker des modernen Terrorismus
2006
7. Dezember 2006, Vortrag
Günther Teubner: Die anonyme Matrix: Zu Menschenrechtsverletzungen durch "private" Akteure
23. Oktober 2006, Vortrag
Valentin Groebner: Fleisch und Blut, Haut und Haar: Vermarktete Körperteile - eine historische Recherche
3. Juli 2006, Vortrag
Nikola Tietze: Zinedine Zidane oder das Spiel mit den Zugehörigkeiten
31. Mai 2006, Vortrag
Peter Longerich: Davon haben wir nichts gewusst. Die Judenverfolgung als "öffentliches Geheimnis".
11. Mai 2006, Diskussion
The International Criminal Court Facing Its First Case
24. April 2006, Vortrag
Mark Roseman: Mit Körperbildung und Kant gegen Hitler? Lebensreform und Widerstand im Dritten Reich
23. März 2006, Vortrag
Richard Evans: Evolving Legal Concepts of Genocide
2. Februar 2006, Vortrag
Karol Sauerland: Vergiftete Atmosphäre? Die polnisch-jüdischen Beziehungen seit den 1930er Jahren
2005
November - Dezember 2005
Vortragsreihe: Ehrenmorde? Muslimische Kulturen und Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland
Analysen, Kontroversen, Perspektiven
Im Februar 2005 wurde Hatun Sürücü - vermutlich von ihren Brüdern im Auftrage ihres Vaters - in Berlin ermordet. Die türkisch-kurdische Familie hatte ihre Ehre durch den Lebensstil ihrer Tochter verletzt gesehen. Dieser Mord ist kein Einzelfall, zwischen 1999 und 2004 wurden nach Aussagen des hessischen Sozialministeriums 45 Morde in Deutschland begangen, die die Täter als Sühne für eine Ehrverletzung bezeichnen. Die Dunkelziffer, so amnesty international, liege höher.Die deutsche Öffentlichkeit nahm den Mord an Hatun Sürücü zum Anlaß, den Integrationswillen türkischer, sehr schnell aber speziell muslimischer Migrantinnen und Migranten zu bezweifeln. Vertreterinnen und Vertreter einer multikulturellen Gesellschaft sahen sich als naive Träumer diffamiert. Zudem wurde diskutiert, ob die alltägliche Gewalt gegen Frauen als integraler Bestandteil eines anderen kulturellen Kontextes anzusehen und wenn ja, wie darauf zu reagieren sei. Angeheizt wurde die Diskussion auch durch die Neuauflage alter Argumente zu Zwangsehen und Beschneidungen und dem sogenannten Kopftuchstreit. Die Empörung war groß, die Diskussionen verliefen extrem emotional.
Die Vortragsreihe hat das Ziel, diese Diskussionen in den Rahmen von allgemeinen Fragen nach Zuwanderung und Integrationspolitik, sozialen Strukturen und Gewaltphänomenen, Geschlechterverhältnissen und muslimischen Selbstverständnissen sowie Ehrbegriffen zu stellen.
In den öffentlichen Debatten rückten der Islam und die (un)mögliche Tolerierbarkeit muslimischer Religionspraxis immer stärker in den Fokus, häufig mit direkten Verweisen auf den 11. September und einen sich verstärkenden islamischen Fundamentalismus. Gesellschaftspolitische, rechtliche und institutionelle Herausforderungen wurden und werden dabei oft auf das Problem einer kulturellen Unvereinbarkeit zwischen den zugewanderten Muslimen und den Leitideen der bundesdeutschen Gesellschaft reduziert. Einen zentralen Stellenwert in diesen Deutungsmustern nimmt der Vorwurf ein, im Islam sei Frauenfeindlichkeit fest verankert.
Einzelne – tragische und spektakuläre – Ereignisse wie die sogenannten Ehrenmorde scheinen die Thesen 1. vom weitgehenden Scheitern aller Integrationsbemühungen, 2. von den „unwilligen“ und „fremden“ Migranten und 3. den viel zu toleranten Deutschen zu belegen. Eigensinn und Vielfalt des Umgangs mit dem Islam, geschlechter-, sexualitäts- und klassenspezifische Aneignungsformen der religiösen Tradition bleiben ebenso ausgeblendet wie widersprüchliche Auseinandersetzungen mit islamischen Anforderungen oder die Frage danach, wie repräsentativ die ausgewählten Phänomene für bestimmte communities eigentlich sind.
Die Veranstaltungsreihe wird daher multiperspektivisch die historische, soziokulturelle und juristische Auseinandersetzung mit dem Leben von islamischen Migrantinnen und Migranten in Deutschland in den Blick nehmen. Die Entwicklung der Migrations- und Integrationspolitik steht ebenso auf der Agenda wie der Blick auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Gefragt wird, warum die bisherige Debatte auf diese Weise verlaufen ist und auf welche Weise man in Zukunft über dieses Thema sprechen kann und muss.
10. November 2005
17. November 2005
Peter Wetzels: Kultur der Ehre? Hintergründe von Gewaltphänomenen bei jungen Migranten.
24. November 2005
Anette Grünewald: Zur Bewertung von sogenannten Ehrenmorden im Strafrecht
8. Dezember 2005
15. Dezember 2005
23. Juni 2005, Vortrag
Thomas Frank: The Future of War as a Challenge to International Law
