Andrej Angrick

Besatzungspolitik und Massenmord

Die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941-1943

796 Seiten, 37 Abbildungen und 4 Karten
ISBN 978-3-930908-91-2
Erschienen Oktober 2003

Zum Buch

»Wer sich mit der deutschen Besatzungspraxis und dem deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion beschäftigt, wird auf dieses Buch nicht verzichten können.«
Osteuropa, Christoph Mick

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion nahmen auch Heydrichs mobile Mordverbände – die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD – ihre Tätigkeit auf. Ähnlich wie ihre Vorläufer in Polen agierte die Einsatzgruppe D dabei im Windschatten der deutschen Angriffstruppen und drang von Rumänien aus über die Krim bis in den Kaukasus vor.

Der Historiker Andrej Angrick schildert nicht nur die Kampfhandlungen an der Ostfront, sondern untersucht auch die Funktion und Aufgaben der Einsatzgruppen, die nicht nur rein militärischer Natur waren: Im rückwärtigen Heeresgebiet setzten die Einsatzgruppen konkrete Maßnahmen um, die auf die ethnopolitische Neuordnung Europas durch das nationalsozialistische Regime abzielten, und waren für nachrichtendienstliche Operationen der »Gegnerbekämpfung« verantwortlich.

Minutiös zeichnet der Autor das mörderische Vorgehen der Einsatzgruppe D zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer nach und analysiert dabei Tatmotive und Tatumfeld, Handlungsspielräume und Eigeninitiativen der Akteure sowie die politisch-ideologischen Vorgaben Himmlers und Heydrichs. Die Einsatzgruppe mußte sich dabei im Spannungsfeld verschiedener Kräfte, Interessen und Institutionen gegen Diplomaten, Militärs und den deutschen Verbündeten Rumänien behaupten.

Ganz bewußt lenkt Andrej Angrick den Blick auch auf die Opfer der Ostexpansion des nationalsozialistischen Deutschland, also vor allem die jüdische Bevölkerung, Kranke, Zigeuner und Kriegsgefangene. Der Versuch, die Opfer der Einsatzgruppen aus ihrer Anonymität wieder ins historische Bewußtsein zu rücken, basiert vornehmlich auf Quellen, die im Rahmen der westdeutschen Strafverfahren zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und der Nürnberger Prozesse entstanden.

Die Tätigkeiten und das Bild der Einsatzgruppe wurden zentral von Otto Ohlendorf, einem der einflußreichsten Männer der aufstrebenden jungen NS-Elite, geprägt, den Heinrich Himmler im Juni 1941 als Leiter der mobilen Einheit der Sicherheitspolizei und des SD ernannt hatte. Aus der vergleichenden Analyse von Karriereverläufen einer Gruppe ausgewählter Akteure im Mordapparat der Einsatzgruppe D entwickelt Andrej Angrick auf der Grundlage verschiedener Täterprofile eine differenzierte Typologie des »vor Ort« in den deutsch besetzten Gebieten tätigen Personals der Einsatzgruppe.

AutorIn/Hg.

Andrej Angrick

Dr. phil., arbeitet bei der Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur zusammen mit Peter Klein an einer Darstellung zur Geschichte des Rigaer Ghettos.

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Inhalt

Einleitung 7

Zur Quellenüberlieferung 23

Die Kriegssituation 1940 und der Entschluß zum Überfall auf die Sowjetunion 33

Die operative Wendung nach Osten als strategisches Mittel des »Endsieges« 34
Die Konzeption des Unternehmens »Barbarossa« als Vernichtungs- und Ausbeutungskrieg 41
Die Planung über die Neueinteilung der eroberten Gebiete und die einzusetzende Administration 69
Das RSHA und die Aufstellung der Einsatzgruppen 74
Das AOK 11 und die deutschen Truppen in Rumänien 113

Über die Grenzen der Sowjetunion: Das Jahr 1941 131

Das Morden beginnt 131
Der Einsatz im rumänischen Interessengebiet 139
Tätigkeitsaufnahme« der Einsatzgruppe D 139
Der Konflikt zwischen Einsatzgruppe und Armeeführung und der weitere Vormarsch 172
Die Elendstrecks am Dnjestr, Erweiterung der Aufgaben und das »Vorkommnis« in Kodyma 190
Die Elendstrecks am Dnjestr 191
Der Beginn der Partisanenbekämpfung, die Einfuhr der Ernte und das Massaker von Kodyma 206

Zwei Seiten einer Medaille: Vernichten und schützen 225

»Die Russen und Ukrainer werden nicht getötet, glaube dem nicht, aber die Juden werden vertilgt vom Jüngsten bis zum Ältesten« 225
»Die Volksdeutschen der besetzten Gebiete stehen unter dem Schutz der deutschen Wehrmacht« 254
Von der Küste des Schwarzen Meeres auf die Krim und zum Asowschen Meer 294
Der Fall Odessas und der weitere Vormarsch der 11. Armee 294
Durch die Nogaische Steppe zum Asowschen Meer: Der Vormarsch des Sk 10a und des Ek 12 bis zur Jahreswende 1941/42 307
Die Vernichtungspolitik auf der Krim im Jahr 1941 324
Auf der Suche nach neuen Mordmethoden 361

Die Männer der Einsatzgruppe D im Kräftespiel von Himmlers SS 386

Das Sozialprofil der Mannschaften 386
Das Sozialprofil der Führung 408
Der Mensch hinter der Uniform 429

Das Jahr 1942, die Kämpfe auf der Krim und der Mord in der Etappe 452

Das Schicksal der Kriegsgefangenen und die Suche nach Kollaborateuren 452
Partisanenbekämpfung und die Vernichtungsmaßnahmen im ersten Halbjahr 1942 485

Operation »Blau« – Hitlers »Zweiter Feldzug«: Das deutsche Heer im Kaukasus 545

Der Rückzug aus dem Kaukasus, die Partisanenbekämpfung im Pripjetgebiet und die Auflösung der Einsatzgruppe D 670

Epilog: Die Strafverfolgung der Täter und ihre Rückkehr in die deutsche Zivilgesellschaft 716

Zusammenfassung 731

Abkürzungen 738
Verzeichnis der Karten 742
Quellen und Literatur 743
Ungedruckte Quellen 743
Justizakten 747
Gedruckte Quellen, Dokumentensammlungen und Quelleneditionen, Tagebücher, Memoiren, Erinnerungsberichte und Romane 749
Darstellungen, Aufsätze und Gutachten 753
Danksagung 769
Personenregister 771
Ortsregister 786