Christian Schneider/Cordelia Stillke/Bernd Leineweber

Das Erbe der Napola

Versuch einer Generationengeschichte des Nationalsozialismus

Sonderausgabe
394 Seiten
ISBN 978-3-86854-205-9
Erschienen Februar 2009

Zum Buch

Hier sollte die künftige »Führergeneration« des Staates systematisch herangezogen werden. Die pädagogische Methodik der Napola beruhte auf dem Wechselspiel von Verführung und Zerstörung: Zerstörung der Individualität der Schüler durch die konsequente Entfernung aus dem zivilen Leben, durch extremen körperlichen Drill und ideologische Abrichtung. Verführung durch außergewöhnliche - und für Jugendliche attraktive - Angebote (vom Reiten bis zum Segelfliegen) und das Karriereversprechen einer künftigen Eliteposition.

Keiner, der eine dieser Schulen durchlaufen hat, ist davon unberührt geblieben. Viele haben ihren dort erteilten »Auftrag« erfüllt. Sie haben führende Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft erreicht - freilich nicht mehr im totalitären Staat des Nationalsozialismus, sondern, nach 1945, in der jungen bundesrepublikanischen Demokratie.

Wenn das Konzept der Eliteerziehung weitgehend aufgegangen ist, was ist dann aus dem »anderen« Teil der Erziehung, der Bindung an Führer und Vaterland, dem injizierten Glauben an rassische Überlegenheit und historische Sendung des deutschen Volkes geworden? Wie wirkt sich die »nationalsozialistische Imprägnierung« nach dem als traumatisch erfahrenen Bruch von 1945 aus?

Das Buch geht den unbewußten Identifikationen und Prägungen nach, die das historische Ende des Nationalsozialismus überdauert haben. Die Autoren haben in Tiefeninterviews nicht nur ehemalige Napolaschüler befragt, sondern auch ihre Nachkommen, um die Frage zu beantworten, ob es eine Erbschaft dieser Zeit gibt, die unbewußt auch in den Folgegenerationen weiterwirkt. Mit diesem Buch liegt die erste psychoanalytisch fundierte »Generationengeschichte« zu der immer wieder geforderten »Psychohistorie der Deutschen« vor.

AutorIn/Hg.

Christian Schneider

PD Dr. phil., Kulturwissenschaftler und Psychoanalytiker, lehrte als Privatdozent am Institut für Psychoanalyse der Universität Kassel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die von ihm begründete Disziplin der psychoanalytischen Generationengeschichte und die Produktion von Weinen und Filmen.

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Cordelia Stillke

Dr. phil., Sozialwissenschafterlin und Psychoanalytikerin. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Bernd Leineweber

Jg. 1943, ist Soziologe. Er lebt als freier Schriftsteller in Heidelberg und Italien.

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Inhalt

Danksagung   7

Einleitung   9

Teil 1: Das System

Die »Nationalpolitischen Erziehungsanstalten«. Institution und Geschichte   33

Schule des Terrors. Elemente der totalen Erziehung   47

Teil 2: Die Prägung

Hinter dem Schleier der Geschichte: Robert Teschner   95

Der Einflieger: Harald Völklin   133

Drei Szenen und ein Gegenbild: Lothar Fischer und die Erziehung des Gefühls   150

Botschaften von glücklichen Inseln: Gerhard Iddel   159

Hitlers Schwäche und die Macht der Bilder: Frank Ossendorfs Trauma   178

Zwischenbemerkung   189

Teil 3: Folgen in der zweiten Generation

Der »intergenerationelle Traumtext«: Zur psychischen Struktur des Generationenzusammenhangs   195

Aus dieser Welt können wir fallen: Burkhard Ossendorf und seine Geschwister   213

Landen in Deutschland: Günther Völklin   232

Die treue Tochter: Anna Schwarzbacher   252

Die rebellische Tochter: Monika Kramers Auszug in die Fremde   269

Der geschichtsverrückte Genealoge: Peter Teschner   290

Teil 4: Zur Generationengeschichte des Nationalsozialismus

Projizierte Negativität im Generationenverhältnis   321

Eine transgenerationelle Motivstudie: Das Beispiel der Familie T.   337

Die dritte Generation: Ein Ausblick   354

Epilog   377

Auswahlbibliographie   379