Oleg Chlewnjuk

Das Politbüro

Mechanismen der Macht in der Sowjetunion der dreißiger Jahre

Aus dem Russischen von Heinz Deutschland/Ruth Deutschland
422 Seiten
ISBN 978-3-930908-38-7
Erschienen Oktober 1998

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»Das Politbüro« ist eine ausführliche, durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse gesicherte Studie des politischen Machtzentrums der Sowjetunion vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche der dreißiger Jahre und des Konflikts mit dem Alleinherrschaftsanspruch Stalins.

Das Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war in den zwanziger Jahren das politische Machtzentrum des Landes. Da die Moskauer Archive jedoch bis 1991 weitgehend verschlossen waren, konnten weder die Kompetenzen noch die Arbeitsweise des Politbüros analysiert werden. Der international anerkannte russische Historiker Oleg Chlewnjuk konnte für seine Studie über die politische Macht in der UdSSR der dreißiger Jahre jedoch zahlreiche Originaldokumente aus dem Präsidialarchiv und anderen Moskauer Geheimarchiven nutzen.

Seine hier erstmals auf deutsch vorliegende Untersuchung zeichnet sehr genau nach, wie das Politbüro als kollektives Führungsorgan durch Stalins Alleinherrschaft abgelöst wurde. Anhand der Beschlußprotokolle der Politbürositzungen beschreibt und analysiert Chlewnjuk diesen Prozeß der Instrumentalisierung und schließlich Entmachtung des Politbüros durch den Diktator in den dreißiger Jahren.

Er setzt dabei die Veränderungen in den politischen Führungsstrukturen in Zusammenhang mit den wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen und Umbrüchen, beschreibt Säuberungskampagnen, Massenterror und den Widerstand dagegen, verfolgt den Aufstieg neuer Führungskräfte in Partei und Staat. Zugleich werden Willkür, Zufall, Sympathie und Antipathie in ihrer Rolle als zentrale Mechanismen der politischen Entscheidung und der Manifestation politische Alleinherrschaft deutlich. Die Verantwortung für den von der sowjetischen Führung initiierten Terror muß demnach in größerem Maße als gemeinhin angenommen Stalin selbst zugeschrieben werden.

AutorIn/Hg.

Oleg Chlewnjuk

geb. 1959, ist einer der bedeutensten Vertreter einer neuen Generation von russischen Historikern. Er studierte Geschichtswissenschaften und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv der Russischen Föderation (Moskau). Bereits 1992 veröffentlichte er in Moskau sein Buch »Das Jahr 1937. Stalin, NKWD und die sowjetische Gesellschaft« und 1993 »Stalin und Ordshonikidse«. »Das Politbüro« ist sein drittes Buch zur sowjetischen Geschichte der dreißiger Jahre.

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Inhalt

Einleitung  7
Der Untersuchungsgegenstand  8
Die Quellen  14

Die Zerschlagung der »Rechten« und die Stärkung der Macht Stalins  34
Die politischen Folgen des »großen Umschwungs«  34
Neue Attacken gegen die »Rechten«  54
Stalin kontra Syrzow und Rykow  66

Die Jahre 1931 - 1933: Krisen, »Reformen«, Gewalt  83
Das Scheitern der Politik des »großen Sprungs«  94
Anzeichen für neue »Fraktionen«: »Minireformen« und der »Fall Rjutin«  103
Ursachen und Bedeutung realer Konflikte  114

Das »Tauwetter« des Jahre 1934  138
Die Festigung des »gemäßigten« Kurses  138
Das Politbüro nach dem XVII. Parteitag  152
Stalin und Kirow  162
Die Korrektur des zweiten Fünfjahrplans  182

Die Jahre 1935/36: Terror und »Versöhnung«  190
Nach der Ermordung Kirows  191
Neue Verantwortungsträger  212
Stalin und Ordschonikidse  221

Das Politbüro und die »große Säuberung«  246
Ursachen und Vorbereitung der Massenrepressalien  248
Der Mechanismus der Massenrepressalien  270
Stalin und Jeschow  282

Das neue System der höchsten politischen Macht  305
Die Repressalien im Politbüro  305
Alte und neue Mitstreiter Stalins  329
Das Politbüro und der Rat der Volkskommissare am Vorabend des Krieges 348

Schlußbemerkungen  361

Anhang  373
Anlagen  373
Anmerkungen  382
Literatur  408
Abkürzungsverzeichnis  416
Personenregister  417