Michael Mann

Die dunkle Seite der Demokratie

Eine Theorie der ethnischen Säuberung

Aus dem Englischen von Werner Roller
861 Seiten, 10 Tabellen und 3 Karten
ISBN 978-3-936096-75-0
Erschienen März 2007

Zum Buch

Mörderische ethnische Säuberungen sind, so die zentrale These Michael Manns in diesem Buch, die dunkle Seite der Demokratie. Ethnische Säuberungen haben sich nicht nur gemeinsam mit dem Prozess der Demokratisierung ausgebreitet, vielmehr haftet dem demokratischen Nationalstaat selbst ein organizistischer Nationalismus an, der danach strebt, demos und ethnos, Staatsvolk und Abstammungsgemeinschaft, deckungsgleich zu machen – wenn nötig mit Gewalt.

Michael Mann, Professor für Soziologie an der University of California in Los Angeles, hat eine umfassende Studie des Phänomens der ethnischen Säuberung verfasst, die schon als dichte Beschreibung der wichtigsten Fälle – des Siedlerkolonialismus in Nordamerika, des Massenmordes an den Armeniern, der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, der kommunistischen Gewalt unter Stalin, Mao und Pol Pot, des ethnischen Bürgerkriegs in Jugoslawien, des Genozids in Ruanda – beeindruckt. Die historisch-soziologische Analyse zielt darauf ab, anhand dieser empirischen Daten systematische Erkenntnisse und theoretische Erklärungen herauszuarbeiten. So fragt Michael Mann, wann es zu einer mörderischen ethnischen Säuberung kommt und wann nicht. Wo und wann treten organizistische Vorstellungen von Demokratie auf und wo werden sie gefährlich? Wer sind die Täter und was lässt sie zu Tätern werden, wie normal und gewöhnlich sind sie?

Michael Mann nutzt die in seiner Geschichte der Macht destillierte Theorie der Entstehung des modernen Nationalstaats, um ethnische Säuberungen als Entwicklungstendenz der Moderne zu deuten. Gegen eine naive Idealisierung der Demokratie stellt er fest, dass demokratisch verfasste Nationalstaaten auf den Gräbern ethnisch gesäuberter Gebiete errichtet worden sind, und prophezeit, dass zumindest auf der Südhalbkugel der Erde dieser Prozess der Errichtung ethnisch homogener Staaten noch nicht abgeschlossen ist. Seine Analyse bietet jedoch auch historische Gegenbeispiele, wie etwa Indien oder Indonesien, die zeigen, dass nicht minder konfliktreiche Prozesse der Staatenbildung nicht zwingend mit ethnischen Säuberungen einhergehen müssen.

 

 

AutorIn/Hg.

Michael Mann

Prof. Dr., Staatsbürger der USA und Großbritanniens, lehrt seit 1997 als Professor für Soziologie an der University of California in Los Angeles. Er studierte Geschichte an der University of Oxford, promovierte dort 1971 in Soziologie und lehrte später an der London School of Economics.

mehr

Inhalt

Vorwort   7
1 Das Thema   10
2 Ethnische Säuberungen in der Geschichte   58
3 Zwei Versionen von »Wir, das Volk«   87
4 Genozidale Demokratien in der Neuen Welt   109
5 Armenien, I: In die Gefahrenzone   166
6 Armenien, II: Genozid   207
7 Nationalsozialismus, I: Radikalisierung   263
8 Nationalsozialismus, II: Fünfzehnhundert Täter   312
9 Nationalsozialismus, III: Karrieren von Völkermördern   352
10 Deutschlands Verbündete und Hilfstruppen   410
11 Kommunistische Säuberungen: Stalin, Mao, Pol Pot   467
12 Jugoslawien, I   520
13 Jugoslawien, II   563
14 Ruanda, I   633
15 Ruanda, II   663
16 Kontrafaktische Fälle: Indien und Indonesien   699
17 Der Kampf gegen ethnische Säuberungen in der Welt von heute   740

Bibliographie   782

Register   825

 
Originalausgabe The Dark Side of Democracy: Explaining Ethnic Cleansing: Cambridge, UK: Cambridge University Press 2005