Maria S. Rerrich

Die ganze Welt zu Hause

Cosmobile Putzfrauen in privaten Haushalten

168 Seiten, mit 2 Graphiken und 9 Abbildungen
ISBN 978-3-936096-67-5
Erschienen September 2006

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Heute putzen Frauen aus aller Welt Wohnungen in Deutschland, und in diesen privaten Haushalten treffen qualitativ sehr unterschiedliche Bedarfslagen aufeinander.

Einerseits verlassen zahlreiche ausländische Frauen ihre Heimat, um in Deutschland Geld zu verdienen, wo sie auch bei guter Qualifikation oft nur im Haushalt Verdienstmöglichkeiten finden. Andererseits wird ihr Arbeitseinsatz gerade dort rege nachgefragt, weil hierzulande andere Ressourcen zur Verrichtung von Haus- und Familienarbeit in letzter Zeit knapper geworden sind.

Der Haushalt gilt noch immer weitgehend als Zuständigkeitsbereich und Betätigungsfeld von Frauen. Das verbindet Frauen trotz aller Differenzierungen, ob als Putzfrauen, Hausfrauen oder berufstätige Managerinnen des Alltags, ob als Mütter und Großmütter kleiner Kinder oder Töchter und Schwiegertöchter alter Eltern, ob bezahlt oder unbezahlt. Damit reihen sich größere und kleinere Abhängigkeiten (nicht nur, aber vor allem) zwischen Frauen aneinander – Abhängigkeiten, die inzwischen nicht selten den halben Globus umfassen. Zugleich entstehen, bisher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, neue gesellschaftliche Strukturen von Über- und Unterordnung.

Maria S. Rerrich führte in Hamburg und München Interviews mit cosmobilen Putzfrauen und sprach auch mit Arbeitgeberinnen und einschlägig arbeitenden Experten aus der Verwaltung, Politik und Sozialen Arbeit. Sie ermöglicht so einen Einblick in die Lebensführung der zum Teil illegal in Deutschland lebenden Frauen, fragt, wie ihre sozialen Netzwerke funktionieren, wie sie wohnen und ihre Freizeit verbringen, was sie tun, wenn sie krank sind.

Zudem nimmt sie die noch immer weit verbreitete Alltagsvergessenheit von Männern in der Politik wie in den privaten Beziehungen in den Blick und fragt danach, warum die Beschäftigung von Putzfrauen inzwischen auch in den gesellschaftlichen Gruppen üblich ist, die einmal eine radikal andere Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern auf ihre politische wie private Tagesordnung gesetzt haben.

 

 

AutorIn/Hg.

Maria S. Rerrich

Prof. Dr. rer. pol., geb. 1952 in Budapest, ist seit 1993 Professorin für Soziologie am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule München.

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Inhalt

I. Einleitung 9
Zwei Putzfrauen in Deutschland, die für viele stehen 13
Dieses Buch speist sich aus vielen Quellen 19
Einige Anmerkungen über Schwerpunkte und Begriffe 25
Zum Aufbau des Bandes 27

II. Dienstmädchen gab es schon immer 29
Zum technischen Wandel der Arbeit im Haushalt 34

III. Die aktuellen Rahmenbedingungen der bezahlten Haushaltsarbeit – einige Zahlen, Fakten und Hintergrundinformationen 36
Wie haben sich unsere Wohnungen verändert? 39
Zur Struktur der Arbeitgeberhaushalte 40
Wer arbeitet als Putzfrau in Deutschland? Einige typische Differenzierungen 42

IV. Nach Deutschland von daheim – Wie Frauen aus aller Welt den Weg in unsere Haushalte finden 47
Warum machen sich Frauen ausgerechnet nach Deutschland auf? 49
Biographie im Gepäck: Ressourcen und Belastungen aus dem früheren Leben 54
Wofür Netzwerkbeziehungen genutzt werden 57
Über die Beförderung von Menschen, Geld, Waren und Information 60

V. Das Alltagsleben in Deutschland 67
Gesundheit und Krankheit 73
»Werktag« und »Feiertag«, »Arbeit«, »Freizeit« und »Urlaub« im Leben der Haushaltshilfen 77
Alltägliche Rückschläge 81
Zur Rolle von Religion und Kirche 85
Aus meinen Feldnotizen: Pfingstsonntag 2004 in Hamburg 87

VI. Erfahrungen mit den Arbeitgebern 91
Versteckte Versorgungswünsche: Was Putzfrauen sonst noch leisten 98

VII. In der Schattenwelt der Illegalität 106
Leben in der Schattenwelt 112
Arbeiten in der Illegalität 115

VIII. Weltweite Verknüpfungen von Alltagsabhängigkeiten zwischen Frauen 117
Warum sind wir in Deutschland auf ausländische Haushaltshilfen angewiesen? 117
Zur Alltagsvergessenheit der Männer 121
Die Folgen in den Heimatländern der Haushaltshilfen 130
Ein Blick über Deutschland hinaus – Haushaltsarbeiterinnen unterwegs rund um den Globus 134

IX. Und ewig so weiter? Plädoyer für eine Repolitisierung des Privaten 140
(Nicht ganz so neue) Interessengegensätze von Frauen um Hausarbeit 141
Das »dirty little secret« des deutschen Wohlfahrtsstaates – und wie könnte es weitergehen? 144

Anhang 153
Auswahlbibliographie 153
Haushaltshilfen in der gesetzlichen Unfallversicherung 166
Danksagung 167