Pierre Rosanvallon

Die Gesellschaft der Gleichen

Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt
384 Seiten
ISBN 978-3-86854-257-8
Erschienen März 2013

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Ein Riss geht durch die Demokratien der westlichen Gesellschaften. Immer größer werdende Einkommensunterschiede setzen das soziale Band bis zum Zerreißen unter Spannung. Zwar haben die Bürgerinnen und Bürger ihre Fähigkeit, sich einzumischen und ihren Einfluss geltend zu machen, beständig erhöht. Doch während sich die politische Bürgerschaft auf dem Vormarsch befindet, schwindet sie als soziale Körperschaft dahin. In dieser Kluft liegt die größte Gefahr für die Demokratie selbst. Das Überleben der Demokratie als »politische Form« ist – so Rosanvallon – an einen Vergesellschaftungsmodus, an eine »soziale Form« gebunden, in der sich Gleiche als Freie und Freie als Gleiche begegnen können.

Lassen sich Gleichheit und Freiheit sozial und politisch versöhnen? Kann die Gesellschaft der Gleichen tatsächlich auch eine Gesellschaft von Bürgerinnen und Bürgern sein, die sich in ihren Unterschieden, in ihrer Individualität wechselseitig anerkennen? Fragen, die Rosanvallon unmissverständlich bejaht. Insofern richtet er sich gegen jene neoliberalen Positionen, die im Namen vermeintlicher Leistungsgerechtigkeit das Lob der Ungleichheit anstimmen. Indem die Empörung gegenüber eklatanten Ungleichheiten als Ausdruck niedrigen Sozialneids diskreditiert wird, werden Gleichheitspostulate politisch denunziert.

Rosanvallon spannt vor seinen Leser/innen ein sozial- sowie begriffsgeschichtliches Panorama auf, das die Geschichte der Gleichheitsvorstellungen vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart des frühen 21. Jahrhunderts darstellt. Die sich abzeichnende Zerstörung der sozialen Matrix, die Basis jeder Demokratie, ist die zeitdiagnostische Beobachtung, an der sich Rosanvallons Ausführungen orientieren.

AutorIn/Hg.

Pierre Rosanvallon

Pierre Rosanvallon ist Professor für Neuere und Neueste politische Geschichte am Collège de France und directeur de recherche an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS).

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Inhalt

Einleitung – Die Krise der Gleichheit    9

I Die Erfindung der Gleichheit    21
Die Welt der Gleichen    23
Die Gesellschaft unabhängiger Individuen    33
Die Gemeinschaft der Bürger    47
Die Marginalisierung der Unterschiede    62
Errungenschaften und Unvollendetes    76

II Die Pathologien der Gleichheit    93
Die gespaltene Gesellschaft    95
Die liberal-konservative Ideologie    108
Der utopische Kommunismus    135
Der Nationalprotektionismus    159
Der konstitutive Rassismus    177

III Das Jahrhundert der Umverteilung    195
Die Umverteilungsrevolution    197
Die historischen und politischen Faktoren eines Bruchs    206
Die Entindividualisierung der Welt    224
Die Konsolidierung des redistributiven Sozialstaats    234

IV Der große Gegenschlag    247
Die unvermeidliche Moralkrise der Solidarinstitutionen    249
Die Ökonomie und die Gesellschaft der Singularität    259
Das Zeitalter der Verteilungsgerechtigkeit    270
Die totale Konkurrenzgesellschaft    276
Radikale Chancengleichheit    286

V Die Gesellschaft der Gleichen (Erster Entwurf)    301
Von der Verteilungsgleichheit zur Beziehungsgleichheit    303
Singularität    309
Reziprozität    319
Kommunalität    328
Auf dem Weg zu einer allgemeinen Ökonomie der Gleichheit   342

Bibliografie    355
Personenregister    380

 
Originalausgabe La société des égaux: Éditions du Seuil, Paris