Luz Arce

Die Hölle

Eine Frau im chilenischen Geheimdienst

Aus dem Spanischen von Astrid Schmitt-Böhringer
Eine Autobiographie
406 Seiten
ISBN 978-3-930908-65-3
Erschienen März 2001

Zum Buch

»›Die Hölle‹ ist ein stark erschütterndes Buch. Ist Zeugnis, Lebens-, Überlebensbericht. Ist ein die Grenzen der Nation sprengendes Dokument der Zeitgeschichte.«
Deutschlandfunk, Rosemarie Bollinger

Als junge Frau gehörte Luz Arce zur paramilitärischen Leibwache Allendes. Nach dem Putsch am 11. September 1973 ging sie in den Untergrund. Einige Monate später wurde sie von der Geheimpolizei DINA verhaftet. Durch die Hölle der Folter gebrochen und um das Leben ihres ebenfalls gefangenen Bruders zu retten, erklärte sie sich bereit, Freunde zu verraten und ihren Folterern neue Opfer auszuliefern. Fünf Jahre lang arbeitete sie als Beamtin für die Geheimdienste DINA und CNI.

1980 konnte sie ihre Entlassung erreichen, und es begann eine zweite Hölle: Sie fand nicht ins normale Leben zurück, zerbrach beinahe an den seelischen und körperlichen Folgen der Haft. Am Ende beschloß sie, mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit zu treten und um der Wahrheit willen alle Anfeindungen zu ertragen.

Luz Arce sagte als Zeugin vor der Regierungskommission »Verdad y Reconciliación« (»Wahrheit und Versöhnung«) gegen Geheimdienstler aus, die der Folter, des Mordes und des Verschwindenlassens von Menschen angeklagt waren. Dort stand sie erneut jenen hochrangigen Geheimdienstmitarbeitern gegenüber, die erst ihre Folterer, dann ihre Vorgesetzten waren - einer davon zeitweise sogar ihr Liebhaber.

Luz Arces Schilderungen von Verhören, Mißhandlungen und Folterungen in den geheimen Zentren der Diktatur gehören zu den eindringlichsten und erschütterndsten Zeugnissen dieser Art. Ihr Buch ist ein Dokument der Zeitgeschichte, das tiefe Einblicke in das Innenleben« des Repressionsapparats einer Militärdiktatur erlaubt. Zugleich ist es ein aktuelles politisches Buch, denn es zeigt, wie schwierig die juristische und soziale »Bewältigung« der Verbrechen einer Militärdiktatur ist.

AutorIn/Hg.

Luz Arce

wurde 1948 in Santiago, Chile, geboren. Sie studierte Sport an der Universidad de Chile und war anschließend als Sportlehrerin tätig. Später studierte sie Kunst an einer Abendschule und begann 1989 mit einem Theologiestudium.

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Inhalt

Prolog  11
Vorbemerkung  14

ERSTER TEIL  17

Erste Erlebnisse  19
Im GAP  21
Mitglied der Sozialistischen Partei  24
GEA (Grupos Especiales de Apoyo)  25

11. September 1973  30

Der Untergrund 38
Die persönliche Option  39
Kontakttermin in der Avenida Italia  41
Parteiarbeit  43
Ricardo Ruz Zañartu  45

In der Yucatán-Kaserne  49

Tejas Verdes  56

Militärhospital (Hosmil)  62
Andere Gefangene im Hosmil  67
Gespräch mit dem stellvertretenden Chefarzt  70
Der Militärpfarrer und die Eucharistie  72

Alptraum im Bad  74
Rodolfo, Soldat der Luftwaffe  76
Ende der ersten Verhaftung  78

Freiheit unter Aufsicht  80

Zweite Verhaftung  88
Mein Großvater  91
Gegenüberstellung mit dem Soldaten Rodolfo  98
Im Turm der Villa Grimaldi  101

Wieder in Yucatán  105
Ricardo Lawrence Mires  108
Die Kollaboration  111
Immer einen Schritt weiter   121

Alpträume  123
Marcelo Moren Brito  126
Wieder in Yucatán  128
Ein Parteigenosse  129
Mario Aguilera Salazar  130

Ein neuer Haftort  133
Sie sind Luz, das Licht, ich bin Sombra, der Schatten  135
Osvaldo Romo  140
Cuatro Alamos  144
Das Ungeborene  145

ZWEITER TEIL  147

Ollagüe  149

Verräterin und Hure  158
Palmira Isabel Amuna Guzmán, alias »Pepa«  162
Leutnant »Pablo«  163

Mein Lungenleiden und die letzte Begegnung mit meinem Bruder  167
Überlegungen in Ollagüe  168
Hunger nach Brot  170
Begegnung mit meiner Familie  170
Weibliches Personal in Ollagüe  171

Lumi Videla Moya  174
Sergio Pérez Molina  180

Der Tag, an dem Miguel starb  182
Alejandras Selbstmordversuch  184
Hauptmann Ferrer, alias Max Lenou  185

Terranova - Villa Grimaldi  189
Noch ein Weihnachtsgeschenk  192
Weihnachten 1974  193
Neujahr in Terranova  194
Verfahren  199

Mein Sohn und das Vormundschaftsgericht  201
Die Bildung der Gruppe »Vampir«  202
Rolf Wenderoth Pozo  203

Ein Genosse: »Joel«  212
Bill Beausire Alonso  213
Hugo Martínez, alias »Tano«  214
Die acht aus Valparaíso  216
Lautaro Videla wird verhaftet  218
Marcelo Moren Britos Neffe  219
Die Pressekonferenz  219
Das Häuschen neben dem Turm 220

Die Reise von Major Wenderoth  221
Der Tod General Bonillas 223
Verhaftung von Alfredo Rojas  224
Delia  225
Ariel Mancilla  226
Pedro Espinozas Reise  227

Das Zigarettenetui  229
Leonardo Schneider, alias »El Barba«  234

Beamtin der DINA  235
Die Flucht von »Marcos«  236
Verhaftung von Ricardo Lagos, Exequel Ponce und Carlos Lorca Tobar  237
In den Hochhäusern von San Borja  237
Die 119  239
Ein Zwischenfall mit Fuentes Morrison  240
Zusammenstoß in Malloco  240

Weihnachten in Terranova  244
Patricio  245
Hasbún und Contreras  249
Aussage vor den Vereinten Nationen  249

Dokumentarin beim Geheimdienst  251
Edgardo Enríquez Espinoza  253
OAS-Konferenz in Chile  254
Carmelo Soria  254
Die DINA hinter verschiedenen Straftaten  255
Begegnung meines Sohnes mit seinem Vater  256

Nationale Schule für Geheimen Nachrichtendienst  258

Die Zeit nach der ENI  267
»Chaty«, Leutnant des Heeres  268
Uruguayische Identität  269
Von der DINA zur CNI  271

Oberst Contreras  273

Contreras' Beförderung zum General  278
Contreras wird abgelöst  281
Michael Townley  282
Abschied im Haus des Generals  284
Zwischenfall mit Oberst Pantoja  285
Rolf Wenderoths Versetzung  286
Zwischenspiel in San Antonio  289

Die CNI stellt Nachforschungen über die DINA an  291
Erneute Unterredung mit Pantoja  292
Oberst Suau  293
Ermittlungsverfahren und Zwischenfall mit Oberst Concha  295

DRITTER TEIL  299

In der Computer-Einheit der CNI  301
Ruhe und Unsicherheit  303
Entlassungsgesuch  307
Die Bruchstücke einer Identität  311

Operation Celeste  314
Ein Zwischenfall im »München«  317
Bei Dolly  318
Besuch aus Chile  321
Reise nach Santiago  323
Zurück in Montevideo  325
Rückkehr nach Chile  327
Der Tod von Ricardo Ruz  328

Begegnung mit Juan Manuel  330
Erneut im Untergrund  333
Familiensorgen und Familienglück  333
Die Bekehrung und Pater Gerardo  335
Pater Josè Luis  338

Aussage vor der Nationalen Kommission »Wahrheit und Versöhnung«  340
Carlos Fresno  344
Begegnung mit Erika und Viviana  346

In Europa  349
In erster Linie Christin  350
Vom Haß und der Wiederbegegnung 351
Gloria Olivares  352
Die chilenische Kriminalpolizei  354

Vor Gericht  355
Gegenüberstellung mit Rolf Wenderoth Pozo  356
Gegenüberstellung mit Gerardo Urrich und Manuel Carevic  358
Basclay Zapata, alias »Troglo«  360
Fernando Lauriani  362

Miguel Krassnoff Martchenko  366
Gegenüberstellung mit Mercelo Moren Brito  367
Gegenüberstellung mit Ricardo Lawrence Mires  369
Andere Ermittlungen  370

María Alicia, alias »Carola«, Alejandra und Luz  372
Dobra Lusic Nadal  375
»Ich habe nicht für mich allein gearbeitet«  375
Von der Sklaverei und der Freiheit  376
Wie soll ich den hassen, der morgen mein Bruder sein kann?  378

Die stählerne Faust  383

Nachwort  385
Personenregister  398
Decknamen  404