Heinz Bude

Die ironische Nation

Soziologie als Zeitdiagnose

187 Seiten
ISBN 978-3-930908-47-9
Erschienen März 1999

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Am Ende der neunziger Jahre zieht Heinz Bude eine soziologische Bilanz dieses Einigungs- und Wendejahrzehnts und fragt: Was haben wir an der alten Bundesrepublik verloren?

Im Moment des Abschieds tritt schmerzlich ins Bewußtsein, was man verloren hat. Die alte Bundesrepublik ist heute Gegenstand vielfältiger Liebeserklärungen. Der kleine praktische Staat der Bonner Republik wird als zivile Mischung aus Effizienz und Bescheidenheit gefeiert. Wie war das möglich?

Noch fehlt ein Begriff für dieses Provisorium langer Dauer, das plötzlich Geschichte geworden ist. Unter dem Titel der ironischen Nation gibt der Band eine Antwort auf die Frage nach den Entstehungsgründen der alten und neuen Bundesrepublik.

Im Vergleich zur DDR wird deutlich, wie sich Ironie und Tragik der Deutschen in der Nachkriegszeit verteilt haben. Dort wurde mit antifaschistischer Emphase ein Gegenstaat gegründet, hier mit postfaschistischem Integrationsbewußtsein weitergemacht. Aber zuletzt erwies sich das historische Abbruchunternehmen im Westen als zukunftsträchtiger als das volkseigene Aufbruchprojekt im Osten.

Der Band versammelt soziologische Beschreibungen aus dem Vereinigungs- und Wendejahrzehnt der neunziger Jahre. Es geht um den Abstand zwischen den alten und den neuen Bundesländern, um das Entstehen einer Jugendbewegung von rechts und die plötzlichen Ausbrüche wilder Empörung. Aber es werden auch einige ins allgemeine Kulturgut abgesunkene soziologische Selbstverständlichkeiten der kritischen Prüfung unterzogen: So scheinen die Familie stabiler und die Religion beharrlicher zu sein, als man in unserer libertären und säkularisierten Gesellschaft gemeinhin glaubt.

Doch eine Diagnose unserer Zeit muß schließlich auch die Soziologie selbst befragen. Wie kann man weitermachen nach dem »Zivilisationsbruch«? Für Bude ist die Soziologie Überlebenswissenschaft. Die Differenzierung der Gesellschaft in verschiedene soziale Systeme, Funktionsbereiche und Handlungssphären ist eine Bedingung sowohl der Moderne wie auch der Barbarei. So steht die Soziologie ratlos am Ende ihres Jahrhunderts.

AutorIn/Hg.

Heinz Bude

Prof. Dr. phil., einer der führenden zeitgenössischen deutschen Soziologen; war von 1992 bis Ende 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung; seit 2000 Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Seine Diagnosen zu Themen wie Armut und Exklusion, die Berliner Republik, die Rolle der Kirchen oder zum Bildungsstand finden ein großes Echo in der Öffentlichkeit und in den überregionalen deutschen Medien.

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Inhalt

Vorwort  7

Die ironische Nation  10

Deutsche Elite  26

Bewegung von rechts  40

Die Differenz nach der Einheit  57

Empörung ohne Moral  71

Das sozialdemokratische Argument  86

Kultur als Problem  106

Die Zukunft der Religion  123

Die Stabilität der Familie  139

Die Stadt und ihr Preis  150

Am Ende ratlos  173

Nachweise  186