Bernd Greiner

Die Morgenthau-Legende

Zur Geschichte eines umstrittenen Plans

441 Seiten, 66 Abbildungen
ISBN 978-3-930908-07-3
Erschienen Mai 1995

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Die Geschichte Morgenthaus und seiner Anhänger, erzählt anhand weithin unbekannter Quellen, erlaubt einen ungewöhnlichen Blick auf die frühen deutschen Nachkriegsjahre und erklärt zum Beispiel, warum auch die Atombombe für das deutsche Wirtschaftswunder verantwortlich ist.

Henry Morgenthau, Jr. hat hierzulande noch immer einen üblen Leumund. Wegen einer Denkschrift, die er im September 1944 vorlegte, wird Morgenthau gern als »jüdischer Racheengel« geschmäht.

Er habe, so die landläufige Rede, Deutschland in ein »Ackerland« verwandeln und 80 Millionen Menschen dem Hungertod preisgeben oder zur Auswanderung zwingen wollen.

Anhand der umfangreichen, bisher nur bruchstückhaft ausgewerteten Tagebücher des amerikanischen Finanzministers Morgenthau wird klar, daß man bereits in den frühen vierziger Jahren über die enge Verzahnung deutscher Großbetriebe mit den Nazis informiert war. Als er seine umstrittenen Gedanken zu Papier brachte, schien es, als würden - von Hitler und seiner engsten Umgebung abgesehen - die für Krieg und Völkermord Verantwortlichen ungestraft davonkommen. Rechtsgelehrte bezweifelten, daß es eine juristische Handhabe wider Verbrechen gegen die Menschlichkeit gab, »Realpolitiker« sahen in Deutschland den zukünftigen Partner zu Eindämmung des Kommunismus. Ihnen wollte Morgenthau in die Parade fahren und zugleich eine Debatte in Gang setzen, wie Deutschland und andere Aggressoren daran gehindert werden könnten, erneut einen Krieg vom Zaun zu brechen.

Henry Morgenthau trat bereits im Sommer 1945 von seinem Regierungsamt zurück, doch der Streit um Deutschlands Zukunft ging weiter. In der Militärregierung saßen ein paar Dutzend Linksliberale, die wie Morgenthau der Meinung waren, daß man zur Bändigung des Militarismus in das soziale und wirtschaftliche Gefüge Deutschlands eingreifen müßte. »Wirtschaftliche Entwaffnung«, »Entflechtung der Kartelle« und Prozesse gegen belastete Industrielle und Banker standen auf ihrer Tagesordnung. Auch sie scheiterten kläglich.

AutorIn/Hg.

Bernd Greiner

Prof. Dr. phil., Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist, seit 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung, lehrt am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaft der Universität Hamburg.

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Inhalt

Vorwort   9

Einleitung: Die Morgenthau-Legende   14

Geschocktes Denken   29
Auf der Spur des Behemoth   31
»Die Demokratien verspielen ihre Seele«   47
Ohne Stalin gegen Hitler?   62

Henry Morgenthaus Notbremse   79
Vater und Sohn   81
Goodfellas   98
Warum Auschwitz nicht bombardiert wurde   121
Können Amerika und Rußland zusammenarbeiten?   147
»Lassen Sie es von jemand anderem verwässern!«   169
»Byrnes und ich lachten nur darüber«   191

Von Washington nach Berlin - und unerledigter Dinge zurück   211
Eine Bombe für alle Fälle   213
Keine Rosen für den Staatsanwalt   238
Kreuzzügler   254
James Stewart Martin: Ein Angebot zur Güte   274
»Das Gesetz entspricht nicht dem deutschen Rechtssystem«   290
Vier apokalyptische Reiter   312
Deutscher Boykott   335
Nachhutsgefechte in Berlin ... 356
... und in Nürnberg   374
»Sind oder waren Sie Mitglied der Morgenthau-Partei?«   392

Abkürzungsverzeichnis   411
Auswahlbibliographie   413
Register   423