Berthold Vogel

Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft

134 Seiten
ISBN 978-3-936096-77-4
Erschienen März 2007

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Gesellschaftliche Ungleichheit, die Frage nach dem Oben und dem Unten, nach dem Zentrum und der Peripherie des Sozialen ist auf die Tagesordnung der öffentlichen Rede über den Zustand und die Zukunft unseres Gemeinwesens zurückgekehrt. Politik und Publizistik werfen einen Blick auf die bedrängten und besorgten Mittelschichten, auf das »abgehängte Prekariat« und die deklassierten Randlagen, aber auch die Verantwortung und Solidarbereitschaft der Oberklasse wird unter dem Stichwort »Reichensteuer« zum Thema. Diese Auseinandersetzung mit der Verschärfung sozialer Ungleichheiten wird von der Debatte um die Zukunft des Wohlfahrtsstaates, seiner Institutionen und Sicherungssysteme, seiner Infrastrukturen und Vorsorgeeinrichtungen umrahmt.

Mag einem Gutteil der Gesellschaftswissenschaften der Staat im Laufe der Jahre aus dem Blick geraten sein, der Gesellschaft ist der Staat jedenfalls nicht abhanden gekommen. Staatliches Handeln berührt auf politischem und ordnet auf rechtlichem Weg die vielfältige Lebenswirklichkeit weiter Kreise der Bevölkerung. Die institutionelle Architektur, die finanzielle Ausstattung und die normative Kraft des Staates haben sich fraglos in grundlegender Weise verändert. Doch der Wohlfahrtsstaat als ein formativer sozialer Prozess, der Ungleichheiten schafft, ordnet und dämpft, hat an mentaler und struktureller Präsenz nicht verloren. Vieles spricht daher dafür, die sozialen Veränderungen stärker vom Staat her zu denken.

Berthold Vogel untersucht die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft und diskutiert vor dem Hintergrund verschärfter sozialer Ungleichheit die Frage, ob es nicht lohnenswert sein könnte, neuerlich die Kunst der politischen Verwaltung zum Gegenstand öffentlicher Debatten zu machen.

 

 

AutorIn/Hg.

Berthold Vogel

Berthold Vogel, Prof. Dr. disc. pol., geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen an der Georg-August-Universität. Von 2006 bis 2016 Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte sind politische Soziologie sozialer Ungleichheit, Wandel der Arbeitswelt und Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates.

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Inhalt

Vorrede    9

Die Forsthoff’sche Formel    13
Die neue Gegenwärtigkeit des Staates    25
Der Wohlfahrtsstaat als Ort sozialer Konflikte    31
Der sorgende Wohlfahrtsstaat    40
Der gewährleistende Wohlfahrtsstaat    47
Markt und Kontrakt als partikulare Steuerungsprinzipien    60
Soziale Verwundbarkeit und die Prekarität des Wohlstands    71
Soziale Minusvisionen und berufliche Opportunitäten    86
Verwaltungs- und Regierungskunst    99
Nachbemerkung    116

Literatur    126
Zum Autor    133