Gudrun Schwarz

Eine Frau an seiner Seite

Ehefrauen in der »SS-Sippengemeinschaft«

340 Seiten, 34 Abbildungen
ISBN 978-3-930908-32-5
Erschienen Oktober 1997

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Die SS gilt bis heute als Männerorden, obwohl Heinrich Himmler bereits 1929 verkündet hatte, er wolle aus der SS eine Sippengemeinschaft von Männern und Frauen formen, eine »rassische Oberschicht des germanischen Volkes« als Führungselite eines von den Nazis beherrschten Europas.

Sein 1931 erlassener »Verlobungs- und Heiratsbefehl« dekretierte, daß SS-Männer nur Frauen heiraten durften, die sich freiwillig der geforderten rassischen und politischen Überprüfung unterzogen und zugleich bereit waren, im Himmlerschen Sinn auf ihr gesellschaftliches Umfeld einzuwirken. Auf der Basis dieser Ideologie wurden zwischen 1931 und 1945 240 000 Ehen von SS-Angehörigen geschlossen.

Die Soziologin Gudrun Schwarz hat beispielhaft Lebensläufe von SS-Ehefrauen untersucht und schildert einen durch die NS-Ideologie geprägten Familienalltag, der den Mann emotional entlasten sollte. Viele Ehefrauen waren nicht nur Mitwisserinnen der Taten ihrer Männer, sondern aktive Komplizinnen und Mittäterinnen. Sie besuchten ihren Mann am Einsatzort oder wohnten jahrelang in den Siedlungen am Rande der Konzentrationslager, wo sie ihre Kinder aufzogen, Feste feierten, den »Arbeitsplatz« ihrer Männer besichtigten und sich auf die ihnen verheißene Rolle der neuen Herrscherinnen im Osten vorbereiteten - eine psychologisch nicht zu unterschätzende Kompensation für die geforderte Folgsamkeit und Unterwürfigkeit in der Ehe.

Gudrun Schwarz führt ein Amalgam rassistischer Dispositionen, sozialen Ehrgeizes, wirtschaftlichen Strebens und autoritärer Charakterstrukturen vor, das es am Ende einigen der beteiligten Frauen sogar möglich machte, Auschwitz als eine »Idylle« zu bezeichnen.

»Eine Frau an seiner Seite« ist ein Beitrag zur Demontage des Bildes der Frau als Opfer der Verhältnisse, das sich - getragen von Forschung, Justiz und Politik - in der deutschen Nachkriegsgesellschaft etablieren konnte.

AutorIn/Hg.

Gudrun Schwarz

Dr. phil, geb. 1948, Soziologin, von Juli 1995 bis Juni 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich »Theorie und Geschichte der Gewalt« am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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Inhalt

Einleitung   7

Die SS: Orden und Sippengemeinschaft   17
Der Verlobungs- und Heiratsbefehl   24
Eheweihe   53
Himmlers Sorge und Fürsorge   62
Prominente Ehefrauen   82
Zweitfrauen: die »Friedel-Ehe«   89

Schuld und Verantwortung von SS-Ehefrauen   99
Wohnen beim Konzentrationslager   112
Verliebt, verlobt, verheiratet   170
Besuche der SS-Ehefrauen am Arbeitsplatz des Mannes   187
Ehefrauen werden selbst tätig   200
Kinder am Einsatzort der Väter   216
Liebesgrüße an die Daheimgebliebenen: Briefe, Pakete und Fotos   224

Frühjahr 1945   239
Die Sippengemeinschaft taucht unter   239
»Neue Heimat« in Übersee   259
Sie tauchen wieder auf...   270

Schlußbemerkung   279

Quellen und Literatur   284
Archivalien   284
Zeitschriften   286
Zeitgenössische Schriften bis 1945   286
Literatur nach 1945   287
Danksagung   304