Klaus Naumann

Einsatz ohne Ziel?

Die Politikbedürftigkeit des Militärischen

138 Seiten
ISBN 978-3-936096-98-9
Erschienen September 2008

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Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan gerät zum Offenbarungseid. Hier zeigen sich beispielhaft die Fehlleistungen und Strukturdefizite der deutschen Sicherheitspolitik – ihre Begründungsschwächen und die überzogenen Ansprüche, der geringe Mitteleinsatz und die kurzatmigen Mandate, die realitätsblinden Aufträge mit gravierenden Strategie- und Koordinationsmängeln, das Missverhältnis zwischen den militärischen und den zivilen Komponenten. Das Versagen hat System. Den Übergang von »Verteidigung« zu »Sicherheit« hat die politische Klasse nicht bewältigt, denn sie lebt noch aus dem Fundus der Bonner Republik. Weder die politischen Strukturen noch das politische Personal sind auf die neuen Bedingungen globaler Sicherheitsvorsorge eingerichtet. Auch die Militärelite hat die neuen politischen Lektionen noch nicht gelernt, sondern verharrt in professionalistischer Selbstbeschränkung. Beides zusammen begünstigt eine Vertiefung der Kluft zwischen der Sicherheitspolitik, dem Militär und einer Bürgergesellschaft, die sich aus militärischen Verpflichtungen weitgehend verabschiedet hat. Klaus Naumann liefert in diesem Band eine Bestandsaufnahme der fehllaufenden Entwicklungen. Er gibt Anstöße zu einer Neujustierung der sicherheitspolitischen Strukturen und formuliert die neuen Anforderungen an die Sicherheitseliten.

AutorIn/Hg.

Klaus Naumann

Dr. phil., Historiker; 1992 – 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Politik und Geschichte der Bundeswehr, Erinnerungspolitik, Nachkriegszeit.

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Inhalt

Einleitung – Das afghanische Menetekel   7

Primat der Politik – Die Strategiefähigkeit der politischen Klasse   23
Interessen als Kompass? – Einsatzkriterien als Entscheidungsersatz?   27
Die Multilateralismusfalle   31
Das Kontroll-Dilemma   34
Strategischer Dilettantismus   38
Strategie der Sicherheit – Sicherheit durch Strategie   40

Primat des Politischen – Die Elitefähigkeit des Militärs   48
Führungsschwächen im Einsatz   49
Eine neue Balance   54
Leiden am Erfolg (I) – Die zivil-militärische Tradition   60
Die politisch-militärische Selbstblockade   63
Militärische Elitensozialisation – Am Bedarf vorbei   67
Tradition als Ressource – Lehrmeister Atomkrieg   70
Was kommt nach der Funktionselite?   80

Primat der Staatsbürgerlichkeit – Das Problem der militärischen Obligation   90
Ein Gebot der Staatsklugheit   94
Leiden am Erfolg (II) – Was war der »wehrhafte Staatsbürger«?   98
Militärische Obligation und »erweiterte« Sicherheit   103
Eine neue Erzählung vom Staatsbürger   111

Nachbemerkung – Eine neue Kunst des Verbindens   117

Literaturverzeichnis   126