Rogers Brubaker

Ethnizität ohne Gruppen

Aus dem Englischen von Gabriele Gockel/Sonja Schuhmacher
343 Seiten
ISBN 978-3-936096-84-2
Erschienen August 2007

Zum Buch

»›Ethnizität ohne Gruppen‹ ist ein eindrucksvolles Buch, das mit Sicherheit ein wesentlicher Bezugspunkt für die Literatur zu Ethnizität, Nationalismus und, so möchte man hoffen, Rasse darstellen wird. Es ist wunderbar unkonventionell, originell in der Argumentation und energisch geschrieben.«
Christian Joppke, International University Bremen

Worüber sprechen wir und was untersuchen wir, wenn von »Ethnien« oder »Nationen« die Rede ist? Nach der kulturalistischen Wende in den Sozialwissenschaften hat man Ethnie und Nation zwar als »vorgestellte Gemeinschaften« dekonstruiert, allerdings keineswegs gebändigt. Die soziale Wirksamkeit von Ethnie, Nation und anderer Gruppenidentitäten ist ungebrochen. Journalisten, Politiker und Wissenschaftler schildern ethnische, rassische und nationale Konflikte regelmäßig als Kämpfe zwischen intern homogenen und extern abgegrenzten ethnischen Gruppen, Rassen und Nationen. Damit übernehmen sie unbedacht die Sprache der Teilnehmer in solchen Kämpfen und tragen zur Verdinglichung von ethnischen Gruppen bei.

Rogers Brubaker, der sich mit seinem Buch über »Staats-Bürger« in Deutschland und Frankreich einen Namen gemacht hat, beschränkt sich nicht auf den Hinweis, dass ethnische Gruppen soziale Konstruktionen sind. Er zeigt, dass Ethnien oder andere gesellschaftliche Gruppen gedacht und gemacht sind, wie und wann dies geschieht und vor allem, wann und warum dies erfolgreich ist oder auch nicht.

Brubaker kritisiert einerseits eine volkstümliche Soziologie, die dem Gruppismus verfallen ist und das zum Mittel zur Erklärung der sozialen Welt bemüht, was selbst erklärt werden muss. Andererseits fordert er die konstruktivistische Soziologie auf, von der kognitiven Psychologie und der Ethnologie zu lernen, indem sie Ethnizität als ein kognitives Phänomen begreift, als eine Weise, die Welt zu sehen und zu deuten. Eine Soziologie jenseits des Gruppismus würde dann nicht mehr fragen »Was ist eine Ethnie?«, sondern »Wie, wann und warum wird ethnisierend gedeutet?«.

Brubaker leistet eine klare, scharfsinnige Begriffsarbeit mit dem Ziel, Handlungsspielräume zu erweitern, und demonstriert seine Kritik des Gruppismus anhand verschiedener brennender aktueller Probleme wie ethnischer Gewalt, der Krise des Multikulturalismus, dem Umgang mit Geschichte oder dem Verhältnis von staatsbürgerlichem und ethnischem Nationalismus.

AutorIn/Hg.

Rogers Brubaker

Professor für Soziologie an der University of California, Los Angeles

mehr

Inhalt

Einleitung  9

1 Ethnizität ohne Gruppen  16

2 Jenseits der »Identität«  46

3 Ethnizität als Kognition  96

4 Ethische und nationalistische Gewalt  129

5 Die Rückkehr der Assimilation?  166

6 »Staatsbürgerlicher« und »ethnischer« Nationalismus  186

7 Ethnizität, Migration und Staatlichkeit in Europa nach dem Kalten Krieg  207

8 1848 im Jahre 1998: Die Politik des Gedenkens in Ungarn, Rumänien und der Slowakei  224

Literatur  278

Dank  321

Personenregister  323

Sachregister  327

 
Originalausgabe Ethnicity without Groups: Cambridge, MA: Harvard University Press 2004