Klaus Naumann

Generale in der Demokratie

Generationsgeschichtliche Studien zur Bundeswehrelite

383 Seiten
ISBN 978-3-936096-76-7
Erschienen März 2007

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Wer sind eigentlich die grauen Herren mit den goldenen Sternen auf den Schultern? Die Öffentlichkeit weiß wenig über sie, und in der Geschichts- und Sozialforschung sind sie noch immer nicht angekommen.

Die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik in den 1950er Jahren war auf Skepsis gestoßen, die Verwendung altgedienter Wehrmachtsoffiziere rief Unbehagen hervor. Skandale erweckten den Eindruck, die Truppe und vor allem ihre Führung stehe mit der Demokratie auf Kriegsfuß.

Das diffuse Bild der Militärelite war und ist von Stereotypen und Vorurteilen geprägt. Erst seit einiger Zeit rücken angesichts der zunehmenden Zahl, Intensität und Problematik von Auslandseinsätzen die Generalität und die Soldaten der Bundeswehr stärker in den Bereich der öffentlichen Wahrnehmung.

Klaus Naumanns Studie lässt sich als eine Art Eröffnungsbilanz des Führungspersonals der neuen Bundeswehr lesen. Er stellt Gruppierungen und Einzelpersönlichkeiten der deutschen Militärelite nach 1945 vor und bietet einen Überblick über die verschiedenen Offiziersgenerationen, die die Bundeswehr geprägt haben – von den »Offizieren ohne Armee« im Vorfeld der Streitkräftegründung über die ehemaligen Reichswehr- und Wehrmachtsoffiziere der Aufbauphase bis zu den jungen »selbstgestrickten« Bundeswehroffizieren der Nachkriegszeit.

Anhand bisher unveröffentlichter oder kaum beachteter Quellenmaterialien und eigener lebensgeschichtlicher Interviews mit ehemaligen Bundeswehrgeneralen, darunter so namhafte Vertreter wie die Generalinspekteure Wolfgang Altenburg und Klaus D. Naumann, zeichnet der Autor das lebendige Porträt einer Bundeswehrgeneralität, die durchaus in der Demokratie »angekommen « ist – und doch den unaufhebbaren Gegensatz von militärischen und zivilen Lebensformen immer wieder aufs Neue zu verarbeiten hat.

AutorIn/Hg.

Klaus Naumann

Dr. phil., Historiker; 1992 – 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Politik und Geschichte der Bundeswehr, Erinnerungspolitik, Nachkriegszeit.

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Inhalt

Vorbemerkung   7

Teil I Unbekannte Wesen   13
Militär, deutscher Nachkrieg und atomares Sicherheitsdilemma   14
Die Bundeswehrgeneralität – Sozialdaten und Forschungsstand   20
Generation und Institution   26
Offiziersgenerationen der alten Bundeswehr   30
Quellenbasis und Aufbau der Studie   35

Teil II Offiziere ohne Armee – ehemalige Militärs im Vorfeld der Bundeswehrgründung   39
Mitmachen oder raushalten? Offiziere im Gruppenexperiment des Frankfurter Instituts für Sozialforschung 1950   40
   Auf der Schwelle der neuen Republik   40
   Das Gruppenexperiment   42
   Die Offiziersgruppen   48
   Die Ex-Offiziere im Meinungsspektrum des Gruppenexperiments   83
   Berufsspezifische Merkmale der Diskussionsstruktur in den Offiziersgruppen   85
   Verwandlungszone (I)   88
»Nützliche, aber gefährliche Experten« – Hans Speier und die ehemaligen Wehrmachtsgenerale, 1951–1955   96
   Militärelite zwischen Ächtung, Expertise und Wiederverwendung   96
   Hans Speiers Blick auf die Ex-Generale   100
   Verwandlungszonen (II)   159

Teil III Lebenskonstruktionen von Bundeswehrgeneralen   169
Gelebtes Leben – erzähltes Leben: Generale im Interview   170
   Der bekennende Außenseiter – Brigadegeneral Karl Kunert   175
   Der Über-Flieger – Generalmajor Peter Lehmann   210
   Überleben als Beruf – General Wolfgang Altenburg   243
   Der Alte unter den Neuen – Generalleutnant Jürgen Schweitzer   277
   Wandel als Bewährung – General Klaus Dieter Naumann   311

Teil IV Vom »Nein, aber« zum »Ja, aber«: Offiziersgenerationen der Bonner Republik – Verwandlungszonen (III)   347
Bewegungsbilder kollektiven Wandels – Binnenansichten einer Militärelite   348
Institutionelle Generationen   356

Abkürzungen   360
Quellen   361
Literatur   362