Lætitia Bucaille

Generation Intifada

Aus dem Französischen von Ilse Utz
207 Seiten
ISBN 978-3-930908-93-3
Erschienen März 2004

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Am Beispiel einzelner Schicksale schildert Lætitia Bucaille die Schwierigkeiten des Friedensprozesses und analysiert die Enttäuschungen, Frustrationen, Wünsche und Hoffnungen der palästinensischen Bevölkerung. Dadurch ermöglicht sie, die Ursachen eines Konflikts zu verstehen, der ungeachtet der Aussichten auf einen zukünftigen Frieden nie zu enden scheint.

Der Frieden zwischen Israel und Palästina scheint unerreichbar. Beinahe täglich sehen wir Bilder von gesprengten israelischen Bussen, zerschossenen palästinensischen Häusern, von Toten und Verwundeten.

Lætitia Bucaille beschreibt das Leben der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen unter der israelischen Besatzung und zeichnet beispielhaft die Lebensgeschichten von Sami, Najy, Bassam und einigen anderen jungen Kämpfern (Shebab) nach. Sie leben in Ramallah, im Flüchtlingslager in Balata oder in Jabalia und nahmen aktiv an der ersten Intifada teil. Sie stritten für die Unabhängigkeit Palästinas, saßen in israelischen Gefängnissen, befürworteten die Verhandlungen zwischen der PLO und Israel und unterstützten Yassir Arafat als Führer der palästinensischen Autonomiebehörde.

Diese Männer leben heute in einem von Gewalt geprägten Milieu, dessen Grenzen zur Kriminalität längst verwischt sind. Ihre zivile Lebensperspektive ist durch die Gewalt und die Besatzungspolitik Israels entrückt und ihr gesellschaftlicher Einfluß, den sie durch den Erfolg der Intifada nach 1987 innehatten, haben sie durch die politische und ökonomische Verwüstung der palästinensischen Gesellschaft eingebüßt. Quer durch diese Gesellschaft tun sich heute Gräben auf, denn der Führungsschicht ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel mindestens ebenso wichtig geworden wie der Kampf für einen eigenen Staat.

Das Scheitern des politischen Prozesses der Friedensverhandlungen führt bei der Mehrheit der Bevölkerung zu Apathie, zugleich aber kommt es zu einzelnen radikalisierten, ebenso verzweifelten wie aussichtslosen Gewalttaten, deren Akteure immer jünger werden.

Die zweite, sogenannte Al-Aqsa-Intifada, deren Auslöser der Besuch Sharons auf dem Tempelberg war, versucht erfolglos die erste von einem breiteren Konsens getragene Bewegung anzuknüpfen. Angesichts der auseinanderstrebenden Interessen innerhalb der palästinensischen Gesellschaft wird deren Zusammenhalt nun durch die bewaffneten Aktionen der jungen Shebab gefährdet. Israel rechtfertigt die Repressionen mit seinem Sicherheitsbedürfnis. Doch liegt eine Schwächung Palästinas langfristig, so die Autorin, auch nicht im Interesse Israels – es braucht Palästina als Partner, soll ein Zusammenleben mit seinem arabischen Nachbarn gelingen.

 

 

AutorIn/Hg.

Lætitia Bucaille

Politikwissenschaftlerin, ist Assistant Professor am Politikwissenschaftlichen Institut der Universität Bordeaux 2. Sie arbeitet bereits seit vielen Jahren über den Konflikt zwischen Palästina und Israel und veröffentlichte 1998 das Buch »Gaza. La violence de la paix«.

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Inhalt

Einleitung  7

Die palästinensische Intifada: Der Aufstand gegen die israelische Besatzung 1987-1994  13
In israelischen Gefängnissen  18
Verfolgte Untergrundkämpfer  21
Das erzwungene Exil  25
Die Führung der Intifada  28
Der Besatzungsalltag  32
Puritanismus und soziale Revanche  37
Die fehlgeleitete Volksnähe  43

Die Einführung der palästinensischen Autonomie 1994-2000  47
Das Ende der Besatzung im Gazastreifen  49
   Erleichterung  49
   Die Aufstellung der Sicherheitskräfte  55
   Die Mobilisierung gegen die Islamisten  57
Das rebellische Nablus  59
   Abrechnung und Klassenkampf  59
   Der Sieg der Notablen  66
   Die Shebab zwischen Alltagbewältigung und Verbitterung  70

Risse in der palästinensischen Nation  77
Die Flüchtlinge in den Lagern  79
   Zwischen Hitze und Überfüllung  79
   Das harte Leben der Flüchtlinge  83
   Die politische Mobilisierung der Flüchtlinge  87
Hussam Khader, ein populistischer Abgeordneter?  90
Wozu dient das palästinensische Parlament?  92
Begrenzte Meinungsfreiheit, grenzenloses Palaver  99

Palästina, Israel: Ist die Trennung unmöglich?  105
In Israel arbeiten  106
Sicherheit für die Israelis, keine Freizügigkeit für die Palästinenser  112
   Der von der Außenwelt abgeschnittene Gazastreifen  114
   Das Westjordanland, die unmögliche Trennung  116
   Die Fragmentierung des Territoriums  117
Die Fesselung der palästinensischen Wirtschaft  120
   Die Zwangslage der Unternehmer am Beispiel der Textilindustrie  121
   Protektionismus versus Sicherheit  123
Die von den wirtschaftlichen Akteuren finanzierte Sicherheit  126
Gewinnbringendes Sicherheitsgebäude  134
   Die Grenze als Einkommensquelle  134
   Die Schlüsselrolle der Militärs  139

Kämpfer auf Abruf  144
Die Al-Aqsa-Intifada 2000-2002  144
Der Kämpfer und der Künstler  145
Liebe und Politik  150
Die Intifada und unterschiedliche Standpunkte  158
Die »kleinen Brüder«  163
Ein normaler Freitag in Ramallah  176
Operation »Schöne Reise«  180
Die Spirale der Gewalt  184

Schluß  189

Danksagung  200
Glossar  201
Register  205

 
Originalausgabe Générations Intifada: Paris: Hachette Littérature 2002