Ulrike Jureit/Michael Wildt (Hg.)

Generationen

Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs

354 Seiten
ISBN 978-3-936096-58-3
Erschienen Oktober 2005

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»68er-Generation«, »Generation Golf«, »Generation Ally« oder »Generation Golfkrieg«, »Generationenvertrag oder »Generationengerechtigkeit«: In der Öffentlichkeit wird der Begriff der Generation geradezu inflationär gebraucht.

Daneben ist das Leben in Generationen eine Alltagserfahrung. Die Tatsache, daß jeder Mensch Eltern hat, die meisten auch Kinder, gehört zu den persönlichen Erfahrungen, die den Begriff »Generation« wie selbstverständlich in unserer Sprache verankern. Darüber hinaus ist die Konstruktion von »Generationen« eng mit der Entstehung der europäischen Moderne verbunden, mit der Differenzierung der einstigen Großfamilie und der Entdeckung von Jugend als Entwicklungsbegriff. »Generationen« erscheinen als kollektive Akteure, die einen »natürlichen « Anspruch auf die Leitungspositionen der Gesellschaft besitzen. Wurde vormals mit »Stand« oder »Klasse«, später auch mit der Kategorie »Geschlecht« Gesellschaft strukturiert, so hat mittlerweile der Begriff der »Generation« einen ebenbürtigen Rang erhalten. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes befragen kritisch die unterschiedlichen Gebrauchsweisen des »Generationenbegriffs« und erkunden historisch, soziologisch, psychoanalytisch, medien- und kulturwissenschaftlich die Bedeutung, die er für die Wahrnehmung und Deutung von Geschichte und Gesellschaft ebenso wie als Handlungsbegriff hat. Damit gibt der Band nicht nur einen umfassenden und reflektierenden Überblick zur aktuellen Generationenforschung. Er lotet auch die Potentiale der Kategorie »Generation« für eine moderne Sozialwissenschaft des 21. Jahrhunderts aus.

 

 

AutorIn/Hg.

Ulrike Jureit

Dr. phil., ist Historikerin und Wissenschaftlerin am Hamburger Institut für Sozialforschung. Bis 2004 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sprecherin im Team der Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944«. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Biographie- und Lebenslaufforschung, Politische Kollektivität, Oral History, Generationenforschung, Erinnerungskultur und Gedächtnisforschung und Raum als politischer Ordnungsbegriff.

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Michael Wildt

Michael Wildt ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt in der Zeit des Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1997 bis 2009 arbeitete er als Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften WerkstattGeschichte und Historische Anthropologie sowie der Studienreihe zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts in der Hamburger Edition.

 

 

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

Ulrike Jureit/Michael Wildt
Generationen


Heinz Bude
»Generation« im Kontext
Von den Kriegs- zu den Wohlfahrtsstaatsgenerationen


M. Rainer Lepsius
Kritische Anmerkungen zur Generationenforschung


Kurt Lüscher
Ambivalenz – Eine Annäherung an das Problem der Generationen


Eva Krejci
Innere Objekte
Über Generationenfolge und Subjektwerdung


Sigrid Weigel
Familienbande, Phantome und die Vergangenheitspolitik des Generationsdiskurses
Abwehr von und Sehnsucht nach Herkunft


Christina Benninhaus
Das Geschlecht der Generation
Zum Zusammenhang von Generationalität und Männlichkeit um 1930


Michael Wildt
Generation als Anfang und Beschleunigung


Mark Roseman
Generation als »Imagined Communities«
Mythen, generationelle Identitäten und Generationenkonflikte in Deutschland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert


Heinz Dieter Kittsteiner
Die Generation der »Heroischen Moderne«
Zur kollektiven Verständigung über eine Grundaufgabe


Kaspar Maase
Farbige Bescheidenheit
Anmerkungen zum postheroischen Generationsverständnis


Ulrike Jureit
Generationen als Erinnerungsgemeinschaften
Das »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« als Generationsobjekt


Christina von Hodenberg
Politische Generationen und Massenmediale Öffentlichkeit
Die »45er« in der Bundesrepublik


Habbo Knoch
Gefühlte Gemeinschaften Bild und Generation in der Moderne