Ulrich Bielefeld/Heinz Bude/Bernd Greiner (Hg.)

Gesellschaft - Gewalt - Vertrauen

Jan Philipp Reemtsma zum 60. Geburtstag

703 Seiten
ISBN 978-3-86854-255-4
Erschienen Januar 2013

Zum Buch

Gewalt, Gesellschaft und Vertrauen sind grundlegende Begriffe im Denken Jan Philipp Reemtsmas. Seine Theorie der Gewalt ist mit dem Nachdenken über Vertrauen aufs engste verknüpft – worin sonst sollte individuelles Miteinander und gesellschaftliches Zusammenleben gründen?

Vertrauen nicht mehr aufzubringen und Sicherheitserwartungen zu entsagen, läge angesichts endemischer Gewalterfahrungen nahe. Nicht zu vertrauen ist indes keine Option. Es sei denn, man ließe es zu, dass Zynismus an die Stelle eines geschärften und illusionslosen Realitätssinns tritt. Dann aber hätte sich die Gewalt tatsächlich als Lebensform durchgesetzt.

Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven setzen sich die meisten der 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Jan Philipp Reemtsma zu seinem 60. Geburtstag gratulieren, daher mit dem Thema Gewalt auseinander. Doch sind der intellektuelle Horizont, die Interessen und das Wirken Reemtsmas damit keineswegs abgedeckt. Philosophie und Kunst, Literatur, Theater und Film, Soziologie und Sozialtheorie, Recht und Rechtstheorie: auch sie haben in diesem Band ihren Ort; erst dadurch rundet sich das Bild, wird das Profil eines Gelehrten deutlich, dem viele mit großem Dank für vieles verpflichtet sind.

AutorIn/Hg.

Ulrich Bielefeld

PD Dr. phil., Soziologe, seit 1989 im Hamburger Institut für Sozialforschung.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Nation, Kollektives Bewusstsein, politische Gesellschaft und Migration.

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Heinz Bude

Prof. Dr. phil., einer der führenden zeitgenössischen deutschen Soziologen; war von 1992 bis Ende 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung; seit 2000 Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Seine Diagnosen zu Themen wie Armut und Exklusion, die Berliner Republik, die Rolle der Kirchen oder zum Bildungsstand finden ein großes Echo in der Öffentlichkeit und in den überregionalen deutschen Medien.

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Bernd Greiner

Prof. Dr. phil., Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist, seit 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung, lehrt am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaft der Universität Hamburg.

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

Susan Neiman
Aufklärung und Vertrauen


Martin Bauer
»Das wichtigste und beste morceau meines ganzen Werks«
Zu Wielands Kritik der plantonischen "Politeia"


Klaus Manger
Carl von Dalberg und das »Weimarer Viergestirn«


Yfaat Weiss
Die Poetik des »Armen Poeten« von Carl Spitzweg


Bernd Rauschenbach
Prügel und Wörter
Arno Schmidt lernt lesen


Winfried Hassemer
Im Namen des Volkes
Populismus und Teilhabe in der Rechtspolitik


Bernd Greiner
Callahans Rache
Kinogänger wissen mehr


Gerd Hankel
Der Giftbecher des Robert H. Jackson


Reinhard Merkel
Die »kollaterale« Tötung von Zivilisten im Krieg
Rechtsethische Grundlagen und Grenzen einer prekären Erlaubnis des humanitären Völkerrechts


Hans-Georg Soeffner
Recht - Kultur - Gesellschaftsvertrag


Axel Honneth
»Nach Weltuntergang«
Zur Sozialtheorie von Jan Philipp Reemtsma


Heinz Bude
Tropen der Exklusion


Ulrich Bielefeld
Improvisation - Vertrauen - Notwendigkeit


Alfons Söllner
Der junge Leo Löwenthal
Vom neoorthodoxen Judentum zur aufgeklärten Geschichtsphilosophie


Maren Lorenz
Tiefe Wunden
Gewalterfahrungen in den Kriegen der Frühen Neuzeit


Tzvetan Todorov
Politischer Messianismus und Gewalt


Reinhard Müller
Heinrich Blücher - Hannah Arendts »Wunder-Rabbi«
Revision eines Lebenslaufs


Jörg Baberowski
Wege aus der Gewalt
Nikita Chruschtschow und die Entstalinisierung 1953-1964


Michael Wildt
Volksgemeinschaft. Eine Gewaltkonstruktion des Volkes


Dan Diner
»Zivilisationsbruch« - oder der Verfall ontologischer Gewissheit


Saul Friedländer
Wege aus der Holocaust-Geschichtsschreibung


Hans-Ulrich Thamer
Eine Ausstellung und Ihre Folgen
Impulse der »Wehrmachtsausstellung« für die historische Forschung


Harald Welzer
Gewalt braucht kein Motiv


Gerhard Roth
Wie frei ist der »freie Wille« bei Gewaltstraftätern?


Ulrike Jureit
Geschichte als öffentliche Ressource
Die unerträgliche Leichtigkeit historischer Sinnstiftung


Christian Schneider
Trauer, Tod und Trauma


Wolfgang Kraushaar
Rebellion oder Selbstjustitz?
Michael Kohlhaas als Projektionsfigur zur Zeit der 68er-Bewegung


Klaus Naumann
Monopolisierung der Gewalt und Praxen des Vertauens
Zum stillen Wandel der bundesdeutschen Sicherheitsinstitutionen


Alexander Kluge
Gespräch: »Wer soll Europas Sprungtuch halten?«
Erwin Dombrowski, Sparkommisar der EU, warnt vor dem freien Fall