Axel T. Paul/Benjamin Schwalb (Hg.)

Gewaltmassen

Über Eigendynamik und Selbstorganisation kollektiver Gewalt

Aus dem Englischen von Michael Adrian/Bettina Engels
415 Seiten
ISBN 978-3-86854-293-6
Erschienen September 2015

Zum Buch

»Allein diese Ansammlung von interdisziplinärer Expertise macht den Band lesenswert, aber es finden sich viele weitere Qualitätsmerkmale, die dazu führten, dass der Rezensent das Buch fast wie einen Thriller von Daniel Silva verschlang.«
Wolfgang Frindte, socialnet

Gewaltforscherinnen und -forscher aus Soziologie, Geschichte, Ethnologie, Psychologie und Philosophie untersuchen in diesem Buch die Prozesse, durch die Männer und auch Frauen in Gruppen und Menschenmengen gemeinschaftlich Gewalt ausüben, die sie zuvor als illegitim und unvereinbar mit ihrem Selbstverständnis wahrgenommen haben.

Sie ergründen, in welcher Weise kollektive Erlebnisse unvorhergesehene Gewaltverläufe initiieren, welche gruppenbedingten Erfahrungen Gewalt zu einer selbstverständlichen oder gar »attraktiven« Handlungsoption machen, ob es typische (Verlaufs-)Formen von nichtorganisierter Gewalt gibt und wie sich kollektive Gewaltroutinen einspielen. Das Spektrum der behandelten Phänomene reicht dabei von unblutigen Tumulten in einem Theater über Protestgewalt, Lynchmobs und Kriegsgräuel bis hin zu der Entstehung von Volksmilizen und der Radikalisierung von Untergrundorganisationen.

In einer Welt, in der Gewalt in weiten Teilen zwar grundsätzlich verurteilt wird, sie aber gleichzeitig omnipräsent zu sein scheint, bietet diese multiperspektivische Betrachtung, die neben den Entstehungsbedingungen auch die Phänomenologie und die Eigendynamik unterschiedlichster Gewaltereignisse einbezieht, einen Erklärungsansatz wie auch aktuelle Orientierung.

AutorIn/Hg.

Axel T. Paul

Prof. Dr., ist seit 2012 Ordinarius für Allgemeine Soziologie an der Universität Basel, von 2009 bis 2012 war er Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Siegen. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift Leviathan und Saeculum.

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Benjamin Schwalb

wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Soziologie der Universität Basel. Studium der Soziologie, Psychologie und der Kognitionswissenschaft in Freiburg, Basel und an der University of Arizona (Tucson), USA.

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Inhalt

Axel T. Paul | Benjamin Schwalb
Vorwort   7

Axel T. Paul
Masse und Gewalt   19

I EMERGENZ

Jack Katz
Epiphanie der Unsichtbarkeit
Wendepunkte bei Unruhen: Los Angeles 1992   63

Paul Dumouchel
Massengewalt und konstitutive Gewalt   103

Richard K. Moule Jr. | Scott H. Decker | David C. Pyrooz
Kollektive Gewalt, Gangs und das Internet   124

Thomas Klatetzki
»Hang ’em high«
Der Lynchmob als temporäre Organisation   147

II DYNAMIK

Stephen Reicher
»Tanz in den Flammen«
Das Handeln der Menge und der Quell ihrer Freude   175

Randall Collins
Vorwärtspaniken und die Dynamik von Massengewalt   204

Ferdinand Sutterlüty
Kollektive Gewalt und urbane Riots
Was erklärt die Situation?   231 

Paul Richards
Der Aufstand als Performance
Ein anthropologischer Blick auf die Premiere von Le Sacre du printemps   257

III INSTITUTIONALISIERUNGEN

Anthony King
Der Massenangriff Infanterietaktiken im 20. Jahrhundert   291

Felix Schnell
Von dörflicher Selbsthilfe zur paramilitärischen Miliz
Spontane Vergemeinschaftung durch Gewalt im Russischen Bürgerkrieg (1918)   312

Bernd Greiner
Der »überflüssige Soldat«
Zur Genese und Praxis militärischer Gewaltgruppen am Beispiel des amerikanischen Krieges in Vietnam   337

Donatella della Porta
Klandestine politische Gewalt   359

Benjamin Schwalb | Axel T. Paul
Nicht-organisierte kollektive Gewalt   383

Autoreninformationen   411

Enthaltene Beiträge
 

Bernd Greiner
Der »überflüssige Soldat«
Zur Genese und Praxis militärischer Gewaltgruppen am Beispiel des amerikanischen Krieges in Vietnam


Axel T. Paul
Masse und Gewalt


Randall Collins
Vorwärtspaniken und die Dynamik von Massengewalt


Felix Schnell
Von dörflicher Selbsthilfe zur paramilitärischen Miliz
Spontane Vergemeinschaftung durch Gewalt im Russischen Bürgerkrieg (1918)


Benjamin Schwalb/Axel T. Paul
Nicht-organisierte kollektive Gewalt


Leseprobe

Vorwort

Thema – Gegenstand so gut wie Frage – des vorliegenden Bandes sind »Gewaltmassen« und ihre Aktion oder allgemeiner und unverfänglicher: die Selbstorganisation und Eigendynamik kollektiver Gewalt. Unter Gewaltmassen verstehen wir nicht-organisierte, darum jedoch nicht unbedingt unstrukturierte Kollektive kopräsenter Akteure, die gemeinschaftlich, deswegen jedoch nicht planvoll, physische Gewalt gegenüber Dritten ausüben. Entscheidend ist dabei nicht die Größe der Kollektive, sondern ihre Fähigkeit zu koordiniertem gewaltsamen Handeln. 

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Termine

Hamburg, Gästehaus der Universität, 6. Juni 2016

Gewaltmassen
Über Eigendynamik und Selbstorganisation kollektiver Gewalt

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