Nikola Tietze

Imaginierte Gemeinschaft

Zugehörigkeiten und Kritik in der europäischen Einwanderungsgesellschaft

494 Seiten
ISBN 978-3-86854-249-3
Erschienen September 2012

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Palästinenser, Muslime und Kabylen in Deutschland und Frankreich stellen in Interviews dar, über welche imaginierte Gemeinschaft sie ihre Zugehörigkeiten definieren: über den palästinensischen Nationalismus, über den Islam beziehungsweise über die kabylische Sprachkultur. So entstehen transnationale Zugehörigkeitskonstruktionen, die aufgrund ihrer religiösen, sprachlichen oder auch politischen Bezüge die Einheitsvorstellungen europäischer Nationalstaaten durchbrechen. Mit der Herausbildung von Zugehörigkeiten entstehen Kritikpotenziale, die die Immigrationsgeschichte europäischer Nationalstaaten in den Kontext von rechtlichen, ökonomischen und sozialen Ungleichheiten wie auch Ungerechtigkeiten stellen.

Auf welche Weise kommt Kritik der Nachkommen von Einwanderern an gesellschaftlichen Verhältnissen im Zusammenhang mit Zugehörigkeitskonstruktionen zum Ausdruck? Zugehörigkeiten werden hier unter dem Gesichtspunkt betrachtet, auf welche Weise subjektives Ungerechtigkeitsempfinden mit welchen normativen Grundsätzen und Maßstäben in den Bedeutungshorizont institutionalisierter Prinzipien und staatlicher Praxis eingeordnet und insofern Kritik geäußert wird.

Auf der Grundlage von Fallstudien zu muslimischen, kabylischen und palästinensischen Gemeinschaftsimaginationen in Deutschland und Frankreich werden allgemeine Modalitäten von Zugehörigkeitskonstruktionen in der europäischen Einwanderungsgesellschaft herausgearbeitet und auf die Semantiken der europäischen Territoriums-, Religions-, Sprachkategorie sowie auf die staatliche Praxis in Deutschland und Frankreich bezogen.

Das herausragende Verdienst der vorliegenden Studie ist es, Formen der Kritik in Zugehörigkeitskonstruktionen herauszuarbeiten. Damit wird aufgezeigt, dass die Nachkommen der Einwanderer normative Grundsätze und institutionalisierte Standards dynamisieren und insofern Wandel initiieren oder widerspiegeln. Ob und auf welche Weise diese Kritik in der Diskussion über eine gerechte Gesellschaftsordnung gehört oder anerkannt wird, wird sich erst noch zeigen müssen.

AutorIn/Hg.

Nikola Tietze

PD Dr. phil., Soziologin, seit 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hamburger Institut für Sozialforschung; 2013 Habilitation an der Universität Hamburg; Gastdozentin an den Universitäten Hamburg, Paris, Bordeaux; 1999 Promotion an der École des Hautes Études en Sciences Sociales Paris und der Universität Marburg.

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Inhalt

Vorspiel   7

Empirie: Zur Methode    23

I Gemeinschaftserzählungen    32

II Gemeinsamkeiten glauben und Zugehörigkeiten konstruieren    68

III Zugehörigkeitskonstruktion in der Innenansicht    102

Zidane – Variation I    142

IV Das nationalstaatliche Territorium im Geflecht europäischer Institutionen, Rechtsverhältnisse und normativer Standards    148

V Religionssemantiken im Europarat und in der EU    179

VI Semantiken der Sprachkategorie: Europäische Pluralismusordnung und ihre Eigendynamik    210

Zidane – Variation II    238

VII Die territorialstaatliche Inklusion der Muslime in Deutschland und in Frankreich: Ein historischer Aufriss    245

Palästinenser in Berlin – Exkurs I    274

VIII Die institutionelle Inkorporation islamischer Religionspraxis in Deutschland und Frankreich    283

IX Sprachpolitik für Einwanderer in Deutschland und Frankreich    308

Kabylen in Frankreich – Exkurs II    330

Zidane – Variation III    343

X Muslime, Kabylen und Palästinenser in Deutschland und Frankreich erzählen ihre Alterität    349

XI Muslimische, kabylische und palästinensische Alteritätserzählungen und Kritik    387

XII Zugehörigkeitskonstruktionen und ihr kritisches Potenzial    416

Nachspiel    442

Bibliografie    462

Termine

Paris, LISE, 26. Mai 2016

Imaginierte Gemeinschaft

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Paris, DHI, 23. März 2015

Nikola Tietze: Imaginierte Gemeinschaft

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