Christian Gerlach

Krieg, Ernährung, Völkermord

Forschungen zur deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg

308 Seiten
ISBN 978-3-930908-39-4
Erschienen September 1998

Zum Buch

Der Berliner Historiker Christian Gerlach, der mit seinem Aufsatz über den Dezember 1941, in dem Hitler die Entscheidung bekanntgab, nunmehr alle europäischen Juden zu ermorden, für internationales Aufsehen sorgte, untersucht in den vorliegenden Studien den Verlauf und die Motive der Entscheidung der NS-Führung zum Völkermord.

Der Band, der unter anderem auch diesen Aufsatz in überarbeiteter Form enthält - Gerlach geht im Nachwort auch auf die Argumente seiner Kritiker ein - konzentriert sich auf die Jahre 1941 und 1942, in denen mit dem Krieg gegen die Sowjetunion die Mordplanungen für Millionen Menschen einsetzten und die Vernichtungslager im Osten errichtet wurden.

Die Ergebnisse seiner Forschungen stellen herkömmliche Interpretationen in Frage. Gerlach zufolge hatte der Mord an den Juden seine Ursache nicht allein in der antisemitischen Weltanschauung, sondern bildete einen integralen Bestandteil der deutschen Eroberungs- und Besatzungspolitik. Sie verurteilte Millionen der dort lebenden Menschen zum Tode, allen voran Juden und sowjetische Kriegsgefangene, um das eigene Heer aus den besetzten Gebieten zu ernähren und damit Ernährungsbilanz und Nachschub zu entlasten. Der Mord an den europäischen Juden, an den Kriegsgefangenen und Teilen der Zivilbevölkerung war in der Perspektive der NS-Führung unverzichtbar, wenn sie den Krieg noch gewinnen wollte.

Dieser Aufbruch in der Holocaust-Forschung ist sicher auch auf die Öffnung der osteuropäischen Archive zurückzuführen, die bislang unbekannte Dokumente zu Tage förderte. Vor allem aber hat sich eine neue Historikergeneration von den überkommenen Kontroversen der Vergangenheit gelöst, stellt neue Fragen und versucht Sie betont empirisch zu beantworten. Christian Gerlach, Jahrgang 1963, gehört zu diesen Wissenschaftlern, von denen Götz Aly schrieb, daß sie »jenseits der ideologischen Aufgeregtheit der achtziger Jahre argumentieren, kenntnisreich und beklemmend genau.«

AutorIn/Hg.

Christian Gerlach

Historiker, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Bern. Arbeitsschwerpunkte: Globale und transnationale Geschichte; europäische Geschichte der Moderne; deutsche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte; vergleichende Studien zur Massengewalt.

mehr

Inhalt

Vorbemerkung   7

Die Ausweitung der deutschen Massenmorde in den besetzten sowjetischen Gebieten im Herbst 1941
Überlegungen zur Vernichtungspolitik gegen Juden und sowjetische Kriegsgefangene   10

Die Wannsee-Konferenz, das Schicksal der deutschen Juden und Hitlers politische Grundsatzentscheidung, alle Juden Europas zu ermorden   85

Die Bedeutung der deutschen Ernährungspolitik für die Beschleunigung des Mordes an den Juden 1942
Das Generalgouvernement und die Westukraine  167

Nachwort   258

Abkürzungsverzeichnis   300

Personenregister   303