Frank-Olaf Radtke

Kulturen sprechen nicht

Die Politik grenzüberschreitender Dialoge

151 Seiten
ISBN 978-3-86854-238-7
Erschienen September 2011

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Können »Dialoge zwischen den Kulturen« Ausgrenzung verhindern und Integration fördern? Das fragt Frank-Olaf Radtke vor dem Hintergrund zahlloser Dialogforen, die auf internationaler, europäischer aber auch auf nationaler und lokaler Ebene eingerichtet worden sind. Aus weltpolitischer Sorge wurde 2001 von den Vereinten Nationen zum »Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen« erklärt und auch innenpolitisch gilt der Dialog zwischen Kulturen und Religionen als das probate Mittel, um Probleme der Migration und Integration zu lösen.

Radtke bezweifelt die Wirksamkeit dieses Instruments, das auf Konsens angelegt ist. Weder geraten Kulturen in einen Konflikt noch sprechen oder handeln sie.

Kulturdialoge kaschieren Differenz, wo es darum ginge, darunterliegende Interessengegensätze zu thematisieren, anzuerkennen und nach Kompromissen zu suchen. Der Autor fordert Disput statt Dialog und meint damit weit mehr als den Austausch von Begriffen. Politische Diskurse ermöglichen die zukunftsorientierte Auseinandersetzung über konkrete gesellschaftliche Probleme. Nur wenn der Streit öffentlich ausgetragen wird, kann das Zusammenleben in einer Rechtsordnung gelingen, der prinzipiell alle zustimmen können.

AutorIn/Hg.

Frank-Olaf Radtke

war bis Anfang 2011 Professor für Erziehungswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er war u.a. Mitglied im Rat für Migration, einem bundesweiten Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die Politik in Fragen von Migration und Integration öffentlich kritisch begleitet haben, und hat zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich Erziehung, Gesellschaft und Politik vorgelegt.

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Inhalt

Einleitung   9

Mottojahre, Weißbücher, Wettbewerbe   12

Dialoge und die Sehnsucht nach Konsens   26

Kultur als Medium des Vergleichs   43

Kultur als Muster der Differenzierung der Gesellschaft   59

Kultur als Instrument staatlicher Ausgrenzung   81

Die kulturelle Dramatisierung sozialer Konflikte   96

Die kulturelle Ausnüchterung antagonistischer Beziehungen   112

Diskurse über Zukunftsfragen der gesellschaftlichen Ordnung   131

Bibliografie   143

Zum Autor   151