Friederike Bahl

Lebensmodelle in der Dienstleistungsgesellschaft

376 Seiten
ISBN 978-3-86854-282-0
Erschienen September 2014

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Friederike Bahl untersucht die Lebensmodelle am Rand der Dienstleistungsgesellschaft und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Beschreibung unserer politisch-sozialen Gegenwart.

Am Anfang der Dienstleistungsgesellschaft stand eine Utopie: Dienstleistungsarbeit werde den Weg der Lohnarbeit von einer proletarischen Beschäftigung zum Garanten wirtschaftlichen Aufstiegs, sozialer Identität und politischer Stabilität weisen. Mit Blick auf die Gegenwart »einfacher« Dienstleistungsarbeit zeigt sich zweifellos ein anderes Bild.

Dienstleistungen wie Sorgen, Säubern und Service sind gekennzeichnet durch Niedriglohn und Grundsicherung, Minimalstandards wohlfahrtsstaatlicher Versorgung. Der Traum vom Aufstieg ist hier ausgeträumt. Das Profil von Dienstleistungsarbeit erschwert die Entstehung professioneller Identität. Und die sozialliberalistische Vorstellung, dass über Ökonomie und wohlfahrtsstaatliche Anrechte eine gesellschaftliche Ordnung erzeugt wird, die die Lebenschancen aller Gesellschaftsmitglieder mehrt, hat für die Beschäftigten »einfacher« Dienste jede Überzeugungskraft verloren. Wie betrachten die Beschäftigten ihre Lage? Empfinden sie Solidarität, Berufsstolz, haben sie Erwartungen an die Zukunft?

Auf der Basis von zahlreichen Interviews, Beobachtungen und Diskussionen wird deutlich, dass in den »einfachen« Diensten Arbeits- und Lebensformen entstanden sind, die auf eine neue Form von »Proletarität« ohne Proletariat verweisen. Friederike Bahl stellt den Menschen und seine Selbstverortung in den Mittelpunkt ihrer Studie und zeigt: Wo und wie wir uns im gedachten Ganzen situieren, beeinflusst immer auch die Formation einer Gesellschaft.

AutorIn/Hg.

Friederike Bahl

Dr. rer. pol., Soziologin, Studium der Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Kassel; seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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Inhalt

Einleitung  7

I Das Konzept eines Dienstleistungsproletariats oder von der Reformulierung eines verbrauchten Begriffs?  13

Die Ernüchterung einer Vision  13
Zwischen Arbeit und Leben - Gesellschaftsbilder als soziologisches Problem  35

II Dienstleistungsarbeit im Wandel - von der Profession zum Job  87

Von der Hand- zur Kopfarbeit und zurück - das Versprechen der Professionalisierung  88
Von der Hoffnung auf Rehumanisierung zur Autonomie der Arbeitsverdichtung  101
Wenn der Körper zehrt - neue Herausforderungen eines körperlichen Leistungsstolzes  141
Arbeit muss sich lohnen - eine instrumentelle Arbeitsorientierung im Leerlauf  157

III Vom Projekt der Moderne zum Ende der Welt  185

Die tragische Apokalypse  213
Die ironische Apokalypse oder von der Autonomie innerer Verfristung  216
Die sarkastische Apokalypse  221
Die zynische Apokalypse oder davon, wie man wird, wie man ist  225

IV Die Suspendierung einer geordneten Welt - zwischen Resignation und Ressentiment  233

Zum Anachronismus marxistischer Denkgebäude  234
Die unmögliche Gruppe zwischen fragiler Assoziation und potenziertem Misstrauen  245
Die Enttäuschten oder vom resignativen Rückzug  298
Die Aufständigen oder von der regressiven Revolte  310
Die Ironischen oder von der gezähmten Resilienz  321
Die Zornigen oder von der autoritären Rebellion  330

V Konklusionen - von Proletarität ohne Proletariat oder von den Helden des Marktes  339

Danksagung  348

Literaturverzeichnis  349