Susan Neiman

Moralische Klarheit

Leitfaden für erwachsene Idealisten

Aus dem Englischen von Christiana Goldmann
480 Seiten
ISBN 978-3-86854-271-4
Erschienen Dezember 2013
Erstausgabe 2010

Zum Buch

»Der Begriff Moral ist verpönt, ein Wort wie Held ist tabu, gut und böse tauchen nur mit Anführungszeichen auf«, so Susan Neiman, Philosophin und Direktorin des Einstein Forums in Potsdam. Mit ihrem Buch »Moralische Klarheit« will sie die Sprache der Moral und deren Konzept des Guten, die von konservativen Parteien und der religiösen Rechten vereinnahmt wurden, für die Linke zurückgewinnen. Denn das Scheitern des Kommunismus hat die Linke so gelähmt, dass sie nun meint, allen Idealen abschwören zu müssen und nicht mehr im Namen moralischer Werte wie etwa der Gerechtigkeit agieren zu können.

Diese politische Gegenwartsdiagnose nimmt Neiman zum Anlass, das Verhältnis von Moral und Politik auf einer philosophischen Ebene zu ergründen und die metaphysischen Grundlagen der Argumentationsgebäude der Linken wie der Rechten zu beleuchten. Dabei distanziert sie sich vor allem von Carl Schmitt, der den Bereich des Politischen strikt von dem der Moral getrennt sehen wollte. Für Neiman würde dies dazu führen, dass der Begriff des Sollens nicht mehr als kritischer Maßstab in der Politik verwendet werden dürfte. Ihr zufolge ist es nicht die Gesinnung, auf die es ankommt, sondern einzig und allein das Handeln, das sogar die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, einschließen kann.

Aus dieser Ethik der Verantwortung für das eigene Handeln entwickelt Neiman ein weiteres Kernthema ihres Buches: die Idee des Helden. Wozu brauchen wir Helden, warum reichen uns nicht Vorbilder? Was ist überhaupt ein Held? Den Begriff des Helden schärft sie zunächst an der Person des Odysseus, des – wie sie meint – ersten Helden der Moderne, der für Adorno und Horkheimer die Dialektik der Aufklärung veranschaulicht.

Susan Neiman verteidigt auf der Grundlage ihrer eigenen historischen Analysen die abendländischen Werte überzeugend gegen ihre Kritiker und entwickelt ein philosophisches Fundament für heutiges politisches Denken und Handeln. Durch ihre aktuellen Analysen von moralischen Urteilen über Gut und Böse sowie durch Beispiele von zeitgenössischen Helden, die bereit waren, um eines Ideals willen die engen Gleise ihrer Karrieren zu verlassen, entsteht eine völlige neue Sicht auf die Grundwerte der Aufklärung.

AutorIn/Hg.

Susan Neiman

Prof. Dr. PHD, ist Direktorin des Einstein Forums in Potsdam. Geboren in Atlanta, Georgia, studierte sie Philosophie an der Harvard University und der Freien Universität Berlin. Bevor sie im Jahr 2000 die Leitung des Einstein Forums übernahm, war sie Professorin für Philosophie an der Yale University und der Tel Aviv University.

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Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe   9
Einleitung   11

Erster Teil Real und Ideal
1 Nackte Tatsachen   41
2 Ideale und Ideologie   74
3 Unter dem Galgen   109

Zweiter Teil Werte der Aufklärung
4 Mythen oder Ungeheuer   139
5 Himmel und Erde   156
6 Glück   182
7 Vernunft   209
8 Ehrfurcht   248
9 Hoffnung   276

Dritter Teil Gut und Böse
10 Die »Odyssee«. Ein Exkurs   325
11 Und das Böse?   361
12 Helden der Aufklärung   411
13 Moralische Klarheit   455

Danksagung   471
Bibliografie   473
Register   486

 
Originalausgabe Moral Clarity: A Guide for Grown-Up Idealists: Harcourt